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Hamburg
HSV holt Gisdol für Labbadia

Porträt: Markus Gisdol: Als Amateur zum Bundesliga-Coach
Porträt: Markus Gisdol: Als Amateur zum Bundesliga-Coach FOTO: dpa, dan
Hamburg. Nach dem 0:1 gegen München trennt sich Hamburg von seinem Trainer und präsentiert am Abend einen Nachfolger. Von Robert Peters

Zum Abschied gab es regelrechte Ovationen. Die Fans des einst so großen Hamburger SV feierten Trainer Bruno Labbadia (50) und dessen Mannschaft in Sprechchören. Und sie ließen sich weder davon irritieren, dass es die nächste Niederlage, diesmal ein 0:1 gegen Bayern München, gegeben hatte, noch dass es sich um den letzten Auftritt von Labbadia handeln würde. Für sie ist der Fußballlehrer immer noch "Hamburger des Jahres". Diesen Titel verlieh der TV-Sender "Hamburg 1" dem ehemaligen Stürmer Ende des vergangenen Jahres. Labbadia hatte den HSV vor dem Abstieg bewahrt.

Seit gestern ist seine Mission beim Hamburger SV beendet. Am Telefon teilte ihm der Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer die Entscheidung des Klubs mit. Kurz darauf bestätigte der Klubchef Verhandlungen mit Markus Gisdol (47). "Es gab Gespräche, aber es gibt noch keinen rechtsgültigen Vertrag", sagte Beiersdorfer. Am späten Abend kam es dann zu einer Einigung. Gisdol unterzeichnete auf eigenen Wunsch einen Vertrag bis zum Saisonende. Zuletzt hatte er Hoffenheim betreut und wurde dort im vergangenen Oktober gefeuert.

Wenn Beiersdorfer Bundeskanzler wäre, hätte er die Trennung von Labbadia wohl als "alternativlos" bezeichnet. Er sagte: "Dieser Schritt ist angesichts unseres sportlichen Trends notwendig. Ich bin der Überzeugung, dass wir jetzt eine Veränderung auf der Trainerposition vornehmen müssen, um nach dem enttäuschenden Saisonstart den sportlichen Turnaround zu schaffen." Nach fünf Spielen hat der HSV erst einen Punkt gewonnen.

Beiersdorfer hatte schon nach der Begegnung mit den Bayern, in der sich die Hamburger zumindest um ernsthafte Gegenwehr bemühten, wenig Zweifel an der bevorstehenden Entlassung aufkommen lassen. Während die Fans einen ordentlichen Auftritt mit Beifall bedachten und das späte Gegentor ziemlich unglücklich fanden, sprach der große Vorsitzende sehr nüchtern von schlechten Ergebnissen und nicht erkennbarer Entwicklung. "Mit unserer bisherigen Punkteausbeute in dieser Saison liegen wir weit hinter unseren Ansprüchen zurück", sagte Beiersdorfer, "das ist unbefriedigend und unzureichend. Wir alle stehen in der Pflicht, das sehr schnell zu verändern."

Labbadia traut er es offensichtlich nicht zu, für eine Wende zum Guten zu sorgen. Immerhin verneigte er sich noch mal vorsichtig vor dem nun ehemaligen Trainer. "Es bleibt unvergesslich, was er in einer sehr herausfordernden und schwierigen Zeit erreicht hat", stellte Beiersdorfer fest, "wir hatten und haben kein Problem Bruno, sondern ein Problem Ergebnisse. Darum ist eine Veränderung erforderlich."

Der scheidende Coach blieb wie in den vergangenen Wochen gelassen. "Es ist schade, dass wir jetzt zu Beginn der Saison nicht die nötigen Ergebnisse erzielen konnten", schrieb er bei Facebook, "es war eine wahnsinnig intensive Zeit, es hat mir sehr viel bedeutet, Trainer des Hamburger SV sein zu können. Ich habe mich jeden Tag mit dieser Aufgabe identifiziert." Seinem Nachfolger Gisdol wünschte er "alles Gute. Ich hoffe, dass die Mannschaft weiter so mutig agiert wie im Spiel gegen die Bayern und so wieder in die Erfolgsspur findet". Sicher ist: Die HSV-Bosse werden auch mit dem Mann nach Labbadia nicht lange Geduld haben. Schließlich haben sie ihre hohen Ansprüche noch vor der Saison durch Investitionen in Höhe von 33 Millionen Euro sichtbar unterstrichen.

Quelle: RP
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