Tennis in Wimbledon: Huber im Schnellgang - Prinosil raus
zuletzt aktualisiert: 29.06.2001 - 21:25London (rpo). Anke Huber hat das Achtelfinale des Grand-Slam-Turniers in Wimbledon erreicht, David Prinosil muste hingegen die Segel streichen.
"Rasenmuffel" Anke Huber hatte es supereilig - David Prinosils Zeit in Wimbledon ist dagegen trotz kämpferischer Meisterleistung abgelaufen. In gerade einmal 38 Minuten fertigte die Karlsdorferin am Freitag die Russin Elena Dementjewa mit 6:0, 6:2 ab und zog als erste deutsche Tennisspielerin bei den 115. All England Championships ins Achtelfinale ein. Für Daviscupspieler Prinosil kam nach der ersten Grand-Slam-Woche das Aus; der russische "Heißsporn" Marat Safin war beim 6:7 (1:7), 3:6, 7:5, 6:1, 3:6 der Glücklichere.
Mutig und ungewohnt offensiv agierte Anke Huber auf dem ungeliebten Gras und überraschte damit die gefürchtete 19-jährige Moskauerin. Der verdiente Lohn war ihr schnellster Sieg im elften Jahr auf dem "heiligen Rasen" und ein viertes Spiel gegen Justine Henin aus Belgien oder die Amerikanerin Lisa Raymond.
"Das war ja einfach. Ich glaube, Elena ist mit dem falschen Bein aufgestanden", sagte die 26-Jährige. Im Sauseschritt spielte sie die Weltranglisten-Zwölfte an die Wand und konnte sich nach dem rasanten Sieg über einen Anruf von Boris Breskvar freuen. Ihr Entdecker und momentaner "Trainer im Ruhestand" war mit der "Superleistung" seines Schützlings in der Heimat hoch zufrieden. "Ich bin froh, mal ein paar Wochen allein für mich verantwortlich zu sein", erklärte die beste deutsche Spielerin der Nach-Graf-Ära die Auszeit.
Bei ihrer Kurzkür auf dem grünen Grund, den sie im Training überhaupt nicht mag, glänzte sie sogar mit Netzattacken. "Eigentlich bin ich das nicht", gestand sie ein, "aber ich zwinge mich dazu." Mit dieser Taktik glückte nach dem Zwölf-Minuten-Auftakt zum 6:0 auch im zweiten Satz das frühe Break zum 2:1 - und die Sache war gelaufen. Wie 1991, 1993, 1995 und 2000 steht sie im Achtelfinale - als einzige aus dem acht Spielerinnen starken deutschen Aufgebot.
Die zweite Wimbledon-Woche verpasste Prinosil mit viel Pech und einer leichten Muskelverhärtung im linken Oberschenkel. Im siebten Vergleich mit Safin zog er zum sechsten Mal den Kürzeren. Mit dem Rücken zur Wand drehte "Prino" im dritten Satz den Spieß zwar noch einmal herum, am Ende fehlte ihm aber das Quäntchen Glück, um wie im Vorjahr die vierte Runde zu erreichen.
Nicolas Kiefer will es Anke Huber an diesem Samstag gleich tun. "Der Oberschenkel zwickt zwar noch ein bisschen. Aber es geht mir gut und ich kann auf jeden Fall spielen", sagte der 23-Jährige nach dem Freitag-Training. Erst am späten Nachmittag erfuhr er, gegen wen es im dritten Spiel auf der Anlage an der Church Road geht. Andrej Stoliarow aus Russland ist der Gegner, der die am Abend zuvor in der Dunkelheit abgebrochene Partie gegen den Franzosen Cedric Pioline mit 12:10 im fünften Satz gewann.
Seine sportliche Wiedergeburt lebte Goran Ivanisevic im All England Club weiter. Wie der siebenfache Champion Pete Sampras (USA) stürmte der Kroate, der schon in der Versenkung verschwunden war und sich mit einer schlimmen Schulterverletzung und trüben Gedanken herumplagte, wie zu besten Zeiten ins Achtelfinale des mit 11,8 Millionen Dollar dotierten Grand-Slam-Turniers. Andy Roddick, der Newcomer aus den USA, konnte dem Power-Tennis des 29 Jahre alten "Herrn der Asse" nicht Paroli bieten und musste dem dreifachen Finalisten den 7:6 (7:5), 7:5, 3:6, 6:3-Sieg überlassen.
"Ich bin glücklich und erleichtert. Dass ich in der zweiten Woche noch in Wimbledon dabei bin, darauf hätte vorher keiner gewettet", sagte der bestens gelaunte Ivanisevic. Weiter sind auch die 94er Siegerin Conchita Martinez aus Spanien und Lokalmatador Greg Rusedski, der French-Open-Finalist Juan-Carlos Ferrero (Spanien) ausschaltete.
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