Zum zweiten Mal an Mauresmo gescheitert: Huber stinksauer, aber "sensationell"
zuletzt aktualisiert: 18.02.2001 - 13:47Hamburg (dpa). Anke Huber war stinksauer. Zwei Fehlentscheidungen raubten ihr für einen Moment die Contenance, und schon war der Faden im Halbfinale des Tennisturniers von Nizza gerissen. Fast 4.500 Zuschauer standen fortan wie ein Mann hinter Amelie Mauresmo, die das Match nach dieser spielentscheidenden Phase aus dem Feuer riss.
Mit einem 2:6, 6:1, 6:1-Erfolg zog die Französin ins Überraschungs-Endspiel ein, in dem sie Magdalena Malejewa erwartet. Die wiedererstarkte Bulgarin schaltete die topgesetzte Amerikanerin Venus Williams mit 7:6 (10:8), 6:4 aus.
"Trotz allem: Es ist sensationell, wie gut Anke schon wieder in Form ist", sagte am Sonntag ihr Trainer Boris Breskvar. Fünf Monate hatte die 26-Jährige pausieren müssen nach ihrer Handverletzung bei den US Open. Immer wieder musste sie ihr Comeback verschieben, und die Stimmen mehrten sich, dass die beste deutsche Spielerin nach Steffi Graf nicht mehr in den Tennis-Zirkus werde zurückkehren können. Doch in Paris vor zwei Wochen strafte die Karlsdorferin mit dem Vorstoß bis ins Finale alle Lügen. In Nizza wurde der positive Trend nun eindrucksvoll bestätigt.
Dass es zum erhofften 13. Turniersieg abermals nicht reichte, war auch für Breskvar kein Beinbruch. "Viel wichtiger ist, dass sie wieder fit und gesund ist. Und das ist sie." Übertreiben soll es die Weltranglisten-16. aber nicht. "Wir haben das Turnier in Dubai in dieser Woche abgesagt", erklärte ihr "Entdecker", der nach einigen Jahren Pause wieder zu ihrem Erfolgstrainer wurde. "Das wäre alles zu anstrengend geworden." Stattdessen wird Anke Huber in Leimen und in ihrer Wahl-Heimat Österreich trainieren. Der nächste Einsatz ist in Indian Wells (5. bis 19. März).
Revanche missglückt
"Der erste Satz war sensationell", sagte Breskvar und war selbst erstaunt, wie stark sein Schützling gegen Paris-Siegerin Mauresmo auftrumpfte. Doch dann kamen die misslichen Aus-Entscheidungen des Schiedsrichters - und die Revanche ging voll daneben. "Man hat gemerkt, dass ihr nach der langen Pause etwas der Spielrhythmus fehlt. Gegen eine Klassespielerin wie Amelie kann sie eine solch starke Leistung noch nicht durchhalten."
Ihren 37. Turniersieg peilte in Doha Martina Hingis an. Ganze 50 Minuten benötigte die Weltranglisten-Erste, da hatte sie Barbara Schett aus Österreich im Semifinale des mit 170 000 Dollar dotierten Wüstenturniers mit 6:1, 6:2 vom Platz gefegt. Gegnerin ist Sandrine Testud aus Frankreich, die beim 6:1, 6:1 gegen die Tschechin Adriana Gersi gleichfalls keine Probleme hatte.
Während die deutschen Spitzenspieler Nicolas Kiefer und Thomas Haas nach ihrer Daviscup-Zitterpartie pausierten und sich auf ihren Einsatz von Montag an in Rotterdam bzw. Memphis vorbereiteten, bereitete Jewgeni Kafelnikow dem Siegeszug des Schweizers Roger Federer in Marseille ein jähes Ende. Eine Woche nach dessen Husarenritt im Daviscup gegen die USA kämpfte ihn der Russe nach verlorenem Tie-Break in drei Sätzen nieder. Der Olympiasieger trifft im Finale des 565.000-Dollar-Turniers auf Lokalmatador Sebastien Grosjean. Um den Titel in Kopenhagen (350 000 Dollar) streiten der Brite Tim Henman und Andreas Vinciguera aus Schweden.
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