Tommy Haas scheitert an Murat Safin: Huber zum fünften Mal im Achtelfinale
zuletzt aktualisiert: 03.06.2000 - 17:31Paris (sid). "Kämpfer" Tommy Haas ist an einem übermächtigem Gegner gescheitert, Anke Huber ist die letzte Deutsche in Paris. Während der 22-jährige Daviscupspieler in der dritten Runde der French Open dem an Nummer zwölf gesetzten Russen Marat Safin trotz unermüdlichem Einsatz 6:7 (2:7), 3:6, 3:6 unterlag, erreichte die 25-jährige Huber zum erstenmal seit vier Jahren wieder das Achtelfinale der French Open.
"Ich fühle mich wohl, habe wieder Spaß am Training und am Tennis", sagte die Weltranglisten-Zwölfte nach dem leichten 6:2, 6:2-Erfolg gegen die schwache Polin Magdalena Grzybowska. "Im ersten Match habe ich mich sehr schwer getan, im zweiten den ersten Satz katastrophal gespielt, jetzt bin ich erstmals zufrieden."
Nach nur 56 Minuten verwandelte Huber vor nur 3.000 Zuschauern auf dem Court Central den ersten Matchball gegen die 21-jährige Polin (118. der Weltrangliste), gegen die sie vor zwei Wochen in Rom noch klar (4:6, 1:6) verloren hatte. Zwölf Doppelfehler unterliefen ihrer Gegnerin, für die Siegerin aber nicht der einzige Grund des schnellen Sieges: "Magdalena war sehr nervös, aber ich habe sie auch nicht ins Spiel kommen lassen und es gut gemixt."
In der nächsten Runde steht Huber allerdings vor einer hohen Hürde. Im Achtelfinale wartet die an Nummer vier gesetzte Amerikanerin Venus Williams, die gegen die Französin Emilie Loit (156.) klar mit 6:2 und 6:2 gewann. Im direkten Vergleich liegt Huber zwar 1:2 zurück, aber im letzten Match lieferte sie der 19-jährigen Amerikanerin einen harten Kampf. 3:6, 7:5, 6:7 unterlag sie Williams im Achtelfinale von Key Biscayne vor einem Jahr. "Ich versuche, da reinzugehen und Spaß zu haben", erklärte Huber ihre Taktik: "Heute war es schon besser als am Anfang, aber es geht noch besser."
Einen schlechten Tag hingegen erwischte Tommy Haas. Nach dem Fünfsatz-Marathon gegen den Italiener Andrea Gaudenzi wirkte der 22-jährige Deutsche gegen Marat Safin müde und ein bisschen ratlos. Nach 1:56 Stunden war sein Debüt auf dem berühmten Court Central vorbei, beim ersten Matchball flog seine Rückhand ins Netz. Auch die Unterstützung von Trainerguru Nick Bolletieri, der neben Daviscup-Coach Carl-Uwe Steeb in der Spielerloge saß, half nichts.
Safin galt nach den Turniersiegen von Barcelona und Mallorca schon vorher als einer der Geheimfavoriten, Haas bekam es auf der tiefen roten Asche zu spüren. In jedem Satz kassierte er früh das vorentscheidende Break: Einmal zum 1:2, einmal zum 0:2, im letzten Satz zum 0:1. Der Deutsche spielte nicht schlecht, aber für Safin nicht gut genug. "Wenn der alles spielt, was er kann, ist er sowieso bald die Nummer eins", lobte Andrej Medwedew, 1999 im Finale der French Open gegen Andre Agassi, den aufstrebenden Russen.
Was Haas blieb, war ein Trostpflaster von 173.500 Francs (52.000 Mark) und die Erkenntnis, dass er noch zu unkonstant spielt, um ganz vorne mitzumischen. "Meine Zeit wird erst kommen", tröstete sich Haas schon vor dem Match gegen Safin. "Ich brauche noch zwei, drei Jahre, um wirklich in allen Bereichen topfit zu sein. Von der Fitness her, von der Taktik her und von der Turnierplanung her." Er ist erst 22. Er hat die besten Jahre noch vor sich.
Ergebnisse: Herren / Damen
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