Olympiasieger, vierfacher Welt- und dreifacher Europameister: Hüftschaden: Olympiasieger Jagudin droht Karriere-Ende
zuletzt aktualisiert: 27.10.2002 - 11:09Spokane (rpo). Der Eiskunstläufer Alexej Jagudin (Russland) schien unbesiegbar: Olympiasieger, vierfacher Welt- und dreifacher Europameister. Jetzt aber droht ein angeborener Hüftschaden den "Gladiator" in die Knie zu zwingen.
Bei Skate America in Spokane am letzten Oktover-Wochenende musste Jagudin wegen der quälenden Schmerzen kurz vor der Kür aufgeben. Bis zuletzt hoffte der 22-Jährige, zur Kür antreten zu können, war auch noch zum Einlaufen auf dem Eis. Dann aber entschied er: "Es geht nicht."
"Ich weiß nicht, was kommt und was ich machen soll", sagte Jagudin. "Die Zukunft liegt im Dunkeln." Wegen seiner Schmerzen in der rechten Hüfte hatte der Sportler einen Arzt konsultiert, und der schockte ihn mit der Diagnose. "Es war so hart, als der Arzt sagte, dass man nichts machen könnte. Der Hüftschaden ist angeboren. Wenn ich kein Sportler wäre, hätte ich erst mit 50 Jahren Probleme bekommen, aber so eben viel früher", verriet Jagudin.
Ob eine Operation helfe, sei zweifelhaft. Jetzt will sich der erfolgreichste Eiskunstläufer der letzten Jahre von weiteren Ärzten untersuchen lassen. Das drohende Karriere-Ende war ein schwerer Schlag für den Olympiasieger. Ihm kamen die Tränen, als er einräumte, dass Skate America sein allerletzter Wettkampf gewesen sein könnte. Aufgeben will er sich noch nicht. "Ich will zurückkommen und alles versuchen", versprach er: "Ich kann nicht dabei stehen und zusehen, wie die anderen laufen!" Der Russe ist der geborene Wettkämpfer, lebt erst richtig auf, wenn er vor Tausenden von Zuschauern sein Können in der Eis-Arena beweisen muss.
Nach dem Rückzug Jagudins sicherte sich der EM-Dritte Brian Joubert (Frankreich) seinen ersten Grand Prix-Titel. Der Teenager gewann vor dem EM-Zweiten Alexander Abt aus Russland. Eis-Königin Michelle Kwan siegte eher glanzlos bei den Damen vor Junioren- Weltmeisterin Ann Patrice McDonough (beide USA). Für Aufsehen sorgten Ludmila Nelidina (Russland) und Yukari Nakano (Japan), denen der dreifache Axel gelang. Seit die Japanerin Midori Ito 1992 diese Höchstschwierigkeit bei den Olympischen Spielen in Albertville zeigte, hatte keine Frau den Sprung mehr im Programm. Der Eistanz-Sieg ging an Elena Gruschina/Ruslan Gontscharow (Ukraine). Die favorisierten WM-Dritten Galit Chait/Sergej Sachnovski (Israel) landeten nach durchschnittlichen Leistungen abgeschlagen auf dem 4. Rang.
Bei Skate America werteten die Preisrichter anonym. Die Internationale Eislauf-Union hatte dieses Verfahren nach mehreren Skandalen eingeführt, um die Juroren unabhängiger und freier in ihrer Bewertung zu machen.
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