Tennis: Rainer Schüttler denkt gerne an seinen Triumph in Doha zurück: In Sachen Davis-Cup hat Steeb keinen Kontakt zu ihm aufgenommen
zuletzt aktualisiert: 03.01.2000München/Doha (dpa). Vor einem Jahr kam er als "Nobody", dieses Mal ist Rainer Schüttler in Doha schon vor dem ersten Aufschlag ein bekannter Mann. "Die Leute kennen mich, ich war ja im vergangenen Jahr der letzte Spieler im Turnier", sagte Deutschlands drittbester Tennisspieler vor seinem Auftaktspiel am Dienstag gegen den Spanier Javier Sanchez. Zwar ist Nicolas Kiefer, der gegen Jeff Tarango (USA) startet, bei den mit einer Million Dollar dotierten Katar Open der an Nummer eins gesetzte Top-Favorit, doch der Titelverteidiger ist Schüttler.
Vor zwölf Monaten ging sein Stern auf. Als Qualifikant startete der damalige Weltranglisten-111. in der Wüste einen mit 137 000 Dollar belohnten sensationellen Siegeszug: Andrej Medwedew, Daniel Vacek, Goran Ivanisevic, Cedric Pioline und im Finale Tim Henman hießen die namhaften Gegner, die den 23-Jährigen aus Bad Homburg nicht stoppen konnten. "Ich denke noch gerne daran zurück", bekannte Schüttler. Aber die Vergangenheit ist beim Start ins neue Jahr in erster Linie Verpflichtung: "Ich will mich nicht auf dem Erreichten ausruhen. Vielleicht wird 2000 ein noch erfolgreicheres Jahr."
Der Doha-Sieger 2000 wird sogar die erste Nummer eins des neuen Weltranglisten-Zeitalters sein. Doch das interessiert Schüttler wenig. Für den letztjährigen Weltranglisten-48. ist nach wie vor die alte Rangliste, die im Hintergrund weiter besteht, die wichtigere. "Wenn man die Chance hat, zu den Top 20 zu gehören und sich für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren, ist das neue Ranking bedeutender. Aber wenn man um Position 50 herum steht, ist die alte Rangliste wichtiger, weil sie entscheidet, ob man in die großen Turniere kommt. Deshalb habe ich mir zum Ziel gesetzt, zunächst unter die ersten 40 zu kommen. Das wird schwer genug", umriss Schüttler seine Ziele.
Die großen Turniere mit den Grand Slams und den Super-9-Turnieren ist die neue, alles entscheidende Tennis-Welt. "Diese Turniere sind wichtig fürs Image", so Schüttler. Seine Grand-Slam-Bilanz 1999 war jedoch enttäuschend: Nur in Wimbledon überstand er die erste Runde. Schüttler ist ehrgeizig. Auf Dauer will er sich mit der Rolle des dritten Mannes im deutschen Tennis nicht abfinden. "Nicolas Kiefer und Tommy Haas spielen im Moment besser als ich. Aber mit harter Arbeit kann man dieses Niveau erreichen", meinte Schüttler, der diese Aussage aber nicht als Kampfansage verstanden wissen will: "Für mich ist nicht wichtig, ob ich Nummer zwei oder drei in Deutschland bin, sondern wo ich in der Welt stehe. Ich sehe keinen Konkurrenzkampf mit Haas und Kiefer."
Höchstens um die Plätze im Daviscup. Nach seinem misslungenen Debüt gegen Rumänien hofft Schüttler auf eine Nominierung für das Erstrundenspiel gegen die Niederlande in Leipzig (4. bis 6. Februar). Doch während Kapitän Carl-Uwe Steeb und der Deutsche Tennis Bund (DTB) mit allen Mitteln versuchen, Kiefer zur Rückkehr ins Team zu bewegen, hat der mögliche Kiefer-Ersatz Schüttler noch keine Signale empfangen. "Mich hat noch keiner angesprochen. Aber vielleicht kommt Charly Steeb ja zu den Australian Open", bemerkte Schüttler distanziert.
Den Rücktritt von Teamchef Boris Becker, der ihn einst aus der DTB-Förderung gestrichen hatte, hat er ebenfalls gelassen zur Kenntnis genommen: "Ich kenne die Hintergründe nicht, aber für mich ändert sich im Grunde nichts. Ich bin entweder Spieler im Team oder nicht."
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