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Düsseldorf
IOC-Chef droht Russen mit Olympia-Aus

Das ist Thomas Bach
Das ist Thomas Bach FOTO: dpa, pse jhe puk lof
Düsseldorf. Der Leichtathletik-Weltverband hat auf den Doping-Skandal reagiert. Nach dem vorläufigen Ausschluss will der russische Verband am 16. Januar eine neue Führungsriege wählen.

Aufklären, aufräumen, abstrafen - nach dem Weckruf will die Sportgroßmacht Russland zügig Reformen einleiten und einen Bann für Olympia in Brasilien abwenden. Sommerspiele 2016 ohne russische Leichtathleten - erstmals seit dem Boykott 1984? Mit diesen düsteren Gedanken wollen sich die Mächtigen in Moskau gar nicht erst befassen. Doch wenn den Worten nicht schnell Taten folgen, droht bei den Spielen am Zuckerhut in der olympischen Kernsportart ein "Rio ohne Russen".

Als Konsequenz aus dem Dopingskandal soll die gesamte Führungsriege im russischen Leichtathletik-Verband (WFLA) ausgewechselt werden. Auf einer Sondersitzung am 16. Januar will man unbelastete Funktionäre wählen. Die zweifache Olympiasiegerin Swetlana Masterkowa wolle sich um den Chefposten bewerben, hieß es.

"Die Politik des IOC ist vollkommen klar: Strafe für die Gedopten und ihre Hinterleute, Schutz für die sauberen Athleten. Und das muss für alle weltweit gelten", sagte Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Die russische Leichtathletik könne ihre größte Krise überwinden, "aber nicht unbeschadet", betonte Bach. Das IOC werde nicht zögern, "weitreichende Strafen gegen die Betroffenen - insbesondere den Ausschluss von zukünftigen Olympischen Spielen - zu verhängen".

Zur Bewältigung des Skandals brachte Sportminister Witali Mutko die Weltklasse-Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa als "Reformerin" ins Spiel. "Belastete Funktionäre werden unseren Verband verlassen müssen", sagte Mutko. Issinbajewa könnte in Rio de Janeiro unter olympischer Flagge an den Start gehen, meinte ihr Trainer Jewgeni Trofimow. "Diese Möglichkeit existiert. Jelena ist sauber und will ihre Unschuld beweisen", sagte er.

Im Interview der ARD-Sportschau bezeichnete Mutko den Ausschluss für Olympia prinzipiell als nicht möglich. "Ich schließe so einen Verlauf der Entwicklung aus", sagte der Vertraute von Kremlchef Wladimir Putin. Die Chefs signalisierten Kompromissbereitschaft. "Das NOK Russlands ist bereit zu Reformen in Übereinstimmung mit den IAAF-Forderungen und der Anti-Doping-Gesetzgebung", versicherte NOK-Präsident Alexander Schukow. Dies müsse "durchgreifend und schnell erfolgen, um unseren Athleten den Olympia-Start zu ermöglichen". Die Krise kann nach Meinung von IAAF-Präsident Sebastian Coe nur mit Dialog und Engagement bewältigt werden. "Unsere beste Hoffnung, die sauberen Athleten zu schützen, liegt darin, uns unnachgiebig zu ihnen zu bekennen - nicht nur mit Worten, sondern auch mit unseren Taten", schrieb der Brite in einer Kolumne.

Das IAAF-Council hatte die Gesamtrussische Leichtathletik-Föderation (WFLA) vorläufig aus dem Weltverband ausgeschlossen. 22 Mitglieder stimmten dafür, eine Stimme gab es mit "nein". Der Russe Michail Butow, Council-Mitglied und WFLA-Generalsekretär, durfte nicht abstimmen. Moskau darf nun bis auf Weiteres keine Sportler zu internationalen Veranstaltungen mehr schicken und keine Wettkämpfe mehr ausführen.

Sportminister Mutko machte gestern klar, dass man auf Kooperation statt Konfrontation setzt. "Ich bin sicher, dass es gelingt, die Situation bis zu Olympia zu klären. In unserer Leichtathletik gibt es weder mehr noch weniger Probleme als im Rest der Welt", sagte er. "Ich habe heute mit Sebastian Coe über die weiteren Schritte gesprochen und hoffe, dass binnen 90 Tagen unsere Mannschaft wieder alle Rechte besitzt." Um wieder aufgenommen zu werden, müsse die neue Föderation eine Liste mit Kriterien erfüllen, teilte die IAAF mit. In den nächsten Tagen werde ein vierköpfiges Inspektionsteam unter Leitung des Norwegers Rune Andersen eingesetzt.

(dpa)
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