Vorwurf der Bestechlichkeit widerlegt: IOC-Ethik-Kommission spricht Gosper frei
zuletzt aktualisiert: 15.05.2000 - 15:06Lausanne (sid). Der Australier Kevan Gosper, der 2001 neuer IOC-Präsident werden will, ist von der Ethik-Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) vom Vorwurf der Bestechlichkeit freigesprochen worden. "Ich bin froh, dass sich der Sturm gelegt hat", sagte der 66-Jährige nach dem Urteil in Lausanne. Gleichzeitig dementierte Olympia-Minister Michael Knight in Sydney Meldungen, wonach Gosper von der Teilnahme am Fackellauf ausgeschlossen worden sei.
Der IOC-Vizepräsident war der Bestechlichkeit vor der Wahl von Salt Lake City zum Schauplatz der Winterspiele 2002 beschuldigt worden. Gosper hatte deshalb seinen Sitz in der Ethik-Kommission Anfang März geräumt. Er gilt als Kandidat für die Nachfolge von Juan Antonio Samaranch als IOC-Präsident 2001.
Gosper war vorgeworfen worden, Ende 1993 mit seiner Familie kostenlosen Winterurlaub in Salt Lake City gemacht zu haben. Die Unterlagen des damaligen Bewerbungskomitees weisen dafür Kosten von 11.000 US-Dollar auf. Gosper konnte belegen, dass seine Frau Judy 2. 000 Dollar per Scheck bezahlt hatte. Bei der Differenz handelt es sich seiner Meinung nach um "Scheinrechnungen". Diese Ansicht wurde von dem bekannten New Yorker Anwalt Martin Lipton geteilt, der als unabhängiger Prüfer vom Ethik-Ausschuss eingesetzt worden war.
Gospers Chancen auf die Samaranch-Nachfolge könnten trotz des Freispruchs, den die IOC-Exekutive noch bestätigen muss, gelitten haben. Er hatte am letzten Mittwoch eine weitere Affäre ausgelöst, als seine elfjährige Tochter Sophie das olympische Feuer für Sydney als erste Ausländerin übernahm, obwohl Australiens Nationales Olympisches Komitee für diese Aufgabe eine andere Läuferin nach Griechenland geschickt hatte, die 16-jährige Yianna Souleles. Gospers Verhalten hatte in Australien eine Welle der Empörung ausgelöst.
Brian Dale, Sprecher des Sydney-Organisationskomitees Socog, hatte am Montag verkündet, Gosper sei als "unerwünschte Person" vom Fackellauf ausgeschlossen worden, und zwar "sowohl als Läufer wie auch als Funktionär". Dies wurde wenig später von OK-Präsident und Olympia-Minister Knight dementiert: "Kevan Gosper wird als IOC-Vize wie vorgesehen das Feuer am Ayers Rock im Herzen Australiens mit in Empfang nehmen. Es gibt keinen Grund, das zu ändern." Ungewiss ist, ob Gosper als Läufer die Flamme in Melbourne trägt, wo er 1956 Silber in der 4x400-m-Staffel gewann. Yianna Souleles lehnte sein "Angebot" brüsk ab, seinen Platz zu übernehmen.
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