Sechs Cipollini-Siege: Italien jubelt: Savoldelli gewinnt den Giro
zuletzt aktualisiert: 02.06.2002 - 19:08Mailand (rpo). Den 85. Giro d'Italia hat - mal wieder - ein Italiener gewonnen. Neben dem Endsieger Paolo Savoldelli dominierten das Traditionsrennen in diesem jahr vor allem der sechsmalige Sprintsieger Cipollini und Jens Heppner, der neun Tage lang das Rosa Trikot tragen durfte.
Als 60. Italiener hat Savoldelli, der "Falke aus Clusone", 85. Giro d'Italia gewonnen. Beim letzten Kampf gegen die Uhr reichte dem 29-Jährigen nach 43,9 km und 57:14 Minuten in Monticello Brianza der dritte Platz hinter Aitor Gonzalez (Spanien/55:56) und dem früheren Zeitfahr-Weltmeister Sergej Gontschar (Ukraine/56:41), um sich dank ungeahnter Zeitfahr-Qualitäten den Gesamtsieg mit 1:41 Minuten Vorsprung vor dem favorisierten US-Profi Tyler Hamilton zu sichern.
Den größten Erfolg seiner Laufbahn ließ sich der Lombarde beim Finale am Sonntag über 141 km von Cantu nach Mailand nicht mehr nehmen, wobei Sprintstar Cipollini seine Ausnahmestellung mit seinem erneuten Triumph unterstrich. Der letzte Tagessieg des Italieners nach 3:35:29 Stunden vor seinem Landsmann Alessandro Petacchi und dem Österreicher Rene Haselbacher vom Team Gerolsteiner nach einer anfänglichen "Spazierfahrt" des Pelotons bei hochsommerlichen Temperaturen hatte in der Abschlusswertung nur noch statistischen Wert.
"Wenn man als Kind in Italien aufwächst, träumt man immer vom Giro-Sieg, aber ich hätte nie geglaubt das auch zu schaffen", sagte Savoldelli, der 1999 bereits Gesamtzweiter hinter seinem Landsmann Ivan Gotti geworden war.
Das Rosa Trikot hatte der Abfahrts-Spezialist am Donnerstag in den Dolomiten als Tageszweiter hinter Russlands Altstar Pawel Tonkow von dem völlig entkäfteten Australier Cadel Evans übernommen, der seinerseits nur einen Tag zuvor Telekom-Oldie Jens Heppner als Spitzenreiter im Gesamtklassement abgelöst hatte. Für den Thüringer war Savoldellis Gesamtsieg nur logisch.
"Savoldelli hat schon auf den schweren Dolomiten-Etappen den besten Eindruck auf mich gemacht. Er war eindeutig der Beste im Feld und hat es verdient, zu gewinnen", sagte der in Belgien lebende Geraer, der am Freitag wegen Hüft- und Kniebeschwerden als Folge eines schweren Sturzes auf ärztlichem Rat aus dem Rennen ausgestiegen war.
Zuvor hatte der frühere deutsche Meister unerwartete "Rosa Zeiten" und "die Krönung meiner Laufbahn" in Italien erlebt. Das auf der sechsten Etappe eroberte Rosa Trikot trug der ehemalige Deutschland-Toursieger an den folgenden neun Tagen, ehe erwartungsgemäß die Dolomiten zum "Scharfrichter" für "Heppe" wurden.
Eine mehr als zufriedene Bilanz zog Telekom-Sportdirektor Rudy Pevenage nach Heppners Ausstieg: "Das war eine große Leistung. Ich ziehe den Hut vor Jens und der ganzen Mannschaft", sagte der Belgier, der sich zudem über die Leistung seiner Youngster unnd dabei vor allem über Torsten Hieckmann freute: "Torsten hat sich bei seinem Giro-Debüt sehr gut verkauft. Er wird seinen Weg zum Rundfahrer machen". Pevenage hatte seine Zielrichtung in Italien ändern müssen, da der für Sprintsiege vorgesehene Cottbuser Danilo Hondo wegen des Todes seiner Mutter das Rennen nach fünf Tagen verließ.
Nach Heppners Parade-Fahrt hatte Telekom-Manager Walter Godefroot den letzten DDR-Meister sogar als Kandidat für die Tour de France auf der Rechnung. "Den Tour-Start kann ich mir nicht vorstellen, weil ich mich vorher für den Giro entschieden hatte. Wir haben genug gute Leute", sagte Heppner dazu.
Definitiv nicht bei der Tour werden Italiens Stars Mario Cipollini und Marco Pantani sein, da ihre Teams keine Einladung erhielten. Während "Cippo" dank seiner sechs Tageserfolge nun insgesamt 40 Giro-Etappensiege auf dem Konto hat und damit Rekordgewinner Alfredo Binda (41) im kommenden Jahr übertrumpfen kann, scheint Pantanis Karriere zu Ende zu gehen. Der frühere Giro- und Tour-Sieger stieg auf der 16. Etappe weit abgeschlagen aus.
Überschattet wurde auch die diesjährige Italien-Rundfahrt von Dopingfällen. Dabei erwischte es ausgerechnet die Italiener Stefano Garzelli und Gilberto Simoni als Gesamtsieger der vergangenen beiden Jahre, wobei Simoni gleich zweimal positiv auf Kokain getestet und von seinem Saeco-Rennstall fristlos gefeuert wurde. Auch der frühere Telekom-Fahrer Roberto Sgambelluri (Italien) und der Russe Faat Zakirow gehörten zu den Dopingsündern. Wegen grober Unsportlichkeit wurde Mitfavorit Francesco Casagrande (Italien) nach einer rüden Attacke gegen einen Kollegen ausgeschlossen.
85. Giro d'Italia, 19. Etappe, Einzelzeitfahren über 44,9 km von Cambiago nach Monticello Brianza:
1. Aitor Gonzalez (Spanien) 55:56 Minuten, 2. Sergej Gontschar (Ukraine) 0:45 Minuten zurück, 3. Paolo Savoldelli (Italien) 1:18, 4. Tyler Hamilton (USA) 1:31, 5. Bert Grabsch (Wittenberg/Phonak) 2:23, 6. Pietro Caucchioli (Italien) 2:35, 7. Georg Totschnig (Österreich/Gerolsteiner) 2:48, 8. Rik Verbrugghe (Belgien) gleiche Zeit, 9. Juan Manuel Garate (Spanien) 2:53, 10. Daniele Nardello (Italien) 3:14
20. und damit letzte Etappe über 141 km von Cantu nach Mailand:
1. Mario Cipollini 3:35:29 Stunden, 2. Alessandro Petacchi (beide Italien), 3. Rene Haselbacher (Österreich/Gerolsteiner), 4. Isaac Galvez (Spanien), 5. Fabio Sacchi (Italien), 6. Steven De Jongh (Niederlande), 7. Lars Michaelsen (Dänemark/Coast), 8. Aart Vierhouten (Niederlande), 9. Cristian Moreni, 10. Angelo Furlan (beide Italien) alle gleiche Zeit
Gesamtwertung:
1. Savoldelli 89:22:42 Stunden, 2. Hamilton 1: 41 Minuten zurück, 3. Caucchioli 2:12, 4. Garate 3:14, 5. Pawel Tonkow (Russland) 5:34, 6. Aitor Gonzalez 6:54, 7. Totschnig 7:02, 8. Fernando Escartin (Spanien/Coast) 7:07, 9. Verbrugghe 9:24, 10. Dario Frigo (Italien) 11:50, ... 22. Grischa Niermann (Hannover/Rabobank) 25:33
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