US Open: Kuerten rettet sich - Aus für Seles: Ivanisevic scheitert knapp
zuletzt aktualisiert: 03.09.2001 - 10:04New York (rpo). Wimbledonsieger Goran Ivanisevic fliegt heim, French-Open-Gewinner Gustavo Kuerten zieht den Kopf noch einmal aus der Schlinge. So könnte die Bilanz nach der "Night Session" vom Sonntag der US Open in New York ausfallen.
Der Brasilianer Kuerten siegte 6:7 (5:7), 5:7, 7:6 (7:4), 7:6 (7:3), 6:2 über den dreieinhalb Stunden lang erbittert Widerstand leistenden Weißrussen Max Mirnyi und zog damit wie Thomas Haas ins Achtelfinale ein. Dagegen glückte Goran Ivanisevic nicht mehr die Wende. Der Kroate verlor in Runde drei 4:6, 6:7 (4:7), 6:7 (2:7) gegen seinen spanischen Angstgegner Albert Costa, dem er zum vierten Mal in Folge unterlag.
"Ich muss deswegen nicht die Feuerwehr rufen. Mein Leben ist leichter geworden, ich verlasse New York als glücklicher Mann", sagte Ivanisevic. In allen drei Sätzen ließ der Linkshänder aus Split seine Chancen sträflich ungenutzt. Vom "bösen Goran" war trotzdem nichts zu sehen. Der 29-Jährige verbarg die schlechtere Hälfte seines Ichs, deren Existenz er auch in Flushing Meadows freimütig einräumte. 10 000 Zuschauer im Louis-Armstrong- Stadion ehrten Ivanisevic beim Abschied mit einer Ovation.
"Ich habe bei den Turnieren in den USA gutes Tennis gespielt", bilanzierte der Fußballfan, der beim Serienmeister Hajduk Split einen Vertrag unterschrieben hat und sich dort einmal für fünf Minuten bei einem Erstligaspiel einwechseln lassen möchte. "Natürlich als Stürmer, damit meine Fehler nicht mit Toren bestraft werden. Wenn ich den Ball bekomme, werde ich so schnell wie möglich abspielen - egal, ob zu einem Gegenspieler", witzelte Ivanisevic, der sich in Deutschland im Herbst an der lädierten linken Schulter operieren lassen will.
Mit seiner Niederlage entfällt das reizvolle Achtelfinale gegen Kuerten. Anfangs fand der Sunnyboy aus Florianopolis kein Mittel gegen die Urgewalt des 1,96 Meter langen Mirnyi. Zudem konnte er seine Break-Chancen lange nicht nutzen. Erst nach mehr als drei Stunden schaffte Kuerten im fünften Satz nach einem Netzroller das erlösende erste Break zum 3:1, ehe das zweite zum Matchgewinn folgte.
Danach warf der Lockenkopf seinen Schläger weit weg und stürmte zu seiner Mutter Alice, die vor rund 18.000 Zuschauern im Arthur-Ashe- Stadion bis nach Mitternacht um ihren Sohn zitterte. "Ich musste alles geben, was ich über die Jahre gelernt habe, um zu gewinnen. Ein oder zwei Punkte haben das Match entschieden, ich war dabei der Glücklichere", sagte Kuerten, der am Tag nach dem Finale seinen 25. Geburtstag feiert.
Der Weltranglisten-Fünfte Juan Carlos Ferrero scheiterte an seinem Landsmann spanischen Tommy Robredo, der im Tie-Break des fünften Satzes triumphierte. Es war bei den US Open seit Einführung des Tie- Breaks 1970 die 100. Partie, die so entschieden wurde. Der 19-jährige Robredo trifft nun auf den gleichaltrigen Lokalmatador Andy Roddick. Der aufschlagstarke Amerikaner ließ French-Open-Finalist Alex Corretja aus Spanien beim 6:4, 6:2, 6:2 keine Chance. Außerdem spielen Olympiasieger Jewgeni Kafelnikow aus Russland und der französische Australian-Open-Finalist Arnaud Clement gegeneinander.
Auch die Damen-Konkurrenz verzeichnete die ersten prominenten Verliererinnen. Die zweimalige Turniersiegerin Monica Seles aus den USA, die an Nummer sieben gesetzt war, verlor im Achtelfinale 5:7, 6:4, 3:6 gegen die Weltranglisten-37. Daja Bedanova. Die Tschechin trifft im Viertelfinale auf die Weltranglisten-Erste Martina Hingis aus der Schweiz. Das erste Aufeinandertreffen zweier Top-Ten- Spielerinnen gewann die US-Amerikanerin Serena Williams beim 7:5, 6:0 über die Belgierin Justine Henin. Eine Überraschung gab es im Doppel. Dort schieden die favorisierten Williams-Schwestern gegen das belgisch-amerikanische Duo Els Callens und Chanda Rubin aus.
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