DSV startet in den vorolympischen Winter:: Jäger und Flieger als Gold- und Geldgaranten
zuletzt aktualisiert: 21.11.2000 - 12:20Leipzig (sid). Mit den "Jägern und Fliegern" als vermeintlichen Gold- und Geldgaranten startet die deutsche Mannschaft in den vorolympischen nordischen Skiwinter. Bei den Saisonhöhepunkten, den Weltmeisterschaften im Biathlon (3. bis 11. Februar in Pokljuka) und in den nordischen Disziplinen (15. bis 25. Februar in Lahti), lastet auf der Skispringer-Crew um Martin Schmitt und den von Weltmeister Frank Luck angeführten Biathleten großer Erfolgsdruck.
"Wir stehen vor einer richtungweisenden Saison", sagt der Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes (DSV), Thomas Pfüller: "Nur wer in diesem Winter bereits im Vorderfeld dabei ist, kann sich bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City ernsthafte Medaillenchancen ausrechnen." Skispringer und Skijäger sollen deswegen bei der WM in den Medaillenkampf eingreifen, und zwar sowohl in den Einzel- als auch in den Teamkonkurrenzen.
"Natürlich kann man von Martin Schmitt nicht in jeder Saison zwei WM-Titel und zehn Weltcup-Siege erwarten", räumt Pfüller ein. Aber ihre angestammte Position in der unmittelbaren Weltspitze muss die Truppe von Bundestrainer Reinhard Heß auf alle Fälle behaupten. Davon hängt auch maßgeblich die finanzielle Zukunft des DSV ab.
Der Dreijahres-Vertrag, der bis 2002 die Rekordsumme von 45 Millionen Mark an TV-Geldern in die Verbandskasse spült, soll möglichst bald verlängert oder sogar zu besseren Konditionen neu verhandelt werden. "Die Skispringer sind dabei ganz klar unsere Zugpferde, und sportliche Erfolge verbessern die Verhandlungsposition des Verbandes", sagt Pfüller.
Nachwuchsarbeit kein Generationsproblem
Bei der Nordischen WM 1999 hatte Schmitt von der Großschanze im Einzel und mit der Mannschaft gesiegt, zudem in den letzten beiden Jahren den Gesamtweltcup gewonnen. "Ich denke, ich werde meine Sache gut machen. Mal sehen, was die anderen so drauf haben", sagt der deutsche Vorflieger gewohnt vorsichtig. Während Schmitt seine Knieprobleme überwunden glaubt, meldete sich auch Skiflug-Weltmeister Sven Hannawald (Hinterzarten) nach sommerlicher Zwangspause (Viruserkrankung und psychische Probleme) in guter Trainingsform zurück.
Im Lager der Biathleten ruhen die deutschen Hoffnungen vor allem auf den Olympiasieger-Routiniers Frank Luck, Sven Fischer (beide Oberhof), Ricco Groß (Ruhpolding) und Uschi Disl (Moosham). In den ehemaligen Junioren-Weltmeisterin Andrea Henkel, Alexander Wolf (beide Oberhof) und Martina Glagow (Mittenwald) konnte sich außerdem bereits leistungsstarker Nachwuchs in der Weltelite etablieren. Sieben Goldmedaillen bei der letzten Junioren-WM sind ein weiteres Indiz für ein Andauern der Erfolgsstory der deutschen Skijäger.
Im Gegensatz zu zahlreichen Sommersportverbänden droht dem DSV wegen seiner seit Jahren forcierten Nachwuchsarbeit kein Generationsproblem. Für Pfüller sind die derzeit laufenden Diskussionen um spezielle Förderung von 19- bis 24-Jährigen "ein alter Hut. Wir werden in Salt Lake City eine gesunde Mischung aus jungen und älteren Sportlern an den Start bringen, unseren Nachwuchs aber keinesfalls verheizen."
Aufgrund jahrelanger Aufbauarbeit im Junioren-Bereich der Nordischen Kombination kann Bundestrainer Hermann Weinbuch mit der Rekordquote von neun Athleten in die Saison starten. Diese beginnt nach der Absage des für Sonntag geplanten Weltcups von Lillehammer mit Verspätung, soll aber von neuer deutscher Leistungsstärke geprägt sein. "Wir glauben, bei der WM um Medaillen mitkämpfen zu können", sagt Weinbuch optimistisch. Vor allem die Thüringer Ronny Ackermann (Oberhof), Marko Baacke (Ruhla) und Sebastian Haseney (Zella-Mehlis) sollen sich "im Weltcup mehrfach unter die besten Sechs vorkämpfen".
Mit Disziplinchef Jürgen Wolf, dem neuen Weltcup-Koordinator Jochen Behle und einem Trio von Stützpunkttrainern geht der DSV in diesem Winter gegen die permanente Misere im Skilanglauf vor. Der geballten Trainermacht (ab 2002 soll Behle zum alleinigen Bundestrainer aufsteigen) stehen freilich nur wenige leistungsstarke Athleten zur Verfügung. In Peter Schlickenrieder (Hirschau) gehört bei der WM-Premiere des Langlauf-Sprints wenigstens ein DSV-Aktiver zum Kreis der Medaillen-Aspiranten.
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