Debakel für DEU: Jagudin zum dritten Mal in Folge Weltmeister
zuletzt aktualisiert: 01.04.2000 - 10:05Nizza (dpa). Mit dem dritten Triumph des Kufenkünstlers Alexej Jagudin (mitte) in Folge und einem Debakel für die Deutschen endete der Herren-Wettbewerb bei den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Nizza. Der Russe verteidigte am Donnerstagabend mit einer hinreißenden, aber nicht fehlerlosen Kür zu den Klängen von Puccinis "Tosca" seine Führung aus dem Kurzprogramm und siegte vor "Altmeister" Elvis Stojko (rechts) aus Kanada und US-Meister Michael Weiss (links) . Den Absturz von Andrejs Vlascenko auf den 16. Platz konnte auch Junioren-Weltmeister Stefan Lindemann aus Erfurt als 14. nicht mehr wett machen: Die Deutsche Eislauf-Union (DEU) verlor dadurch völlig unerwartet ihren zweiten WM-Startplatz für die nächste Saison.
Der 20-jährige Jagudin wurde für seinen Mut, nach der EM noch eine neue Kür einzustudieren belohnt. In Wien war er noch von Pluschenko geschlagen worden. Im Vergleich zu dem russischen Rotationsroboter, mit 17 Jahren der Jüngste im Feld, wirkte der in den USA lebende Jagudin wie ein großer Künstler. Der Youngster zeigte zudem Nerven, stürzte einmal und verpatzte gleich zu Beginn seine Kombination. So fiel er vom zweiten auf den vierten Platz zurück und 7 000 Zuschauer feierten Jagudin. Der 28-jährige Stojko, Weltmeister von 1994, '95 und '97, landete trotz eines Sturzes beim Vierfach-Toeloop einen Riesenerfolg.
Noch nie seit Vlascenko 1995 erstmals für die DEU startete, hatte der frühere lettische Läufer bei einer internationalen Meisterschaft so schlecht abgeschnitten. Dabei hatte er sich vor der WM einen Platz unter den ersten Fünf vorgenommen. In der Kür setzte er seine Patzer aus dem Kurzprogramm fort, so zeigte er den Salchow nur doppelt statt wie angekündigt vierfach. "Ich habe in allen drei Programmen viele Fehler gemacht", räumte der viermalige deutsche Meister ein. "Ich bin froh, dass es vorbei ist."
Dadurch hätte Lindemann Zwölfter werden müssen, um den zweiten Startplatz zu retten. Dass der 19-Jährige dies nach einem überaus erfolgreichen, aber anstrengenden Winter nicht schaffte, ist ihm kaum vorzuwerfen. "Ich habe mir die Ziele, die ich mir gesetzt habe, erreicht und bin ganz zufrieden", meinte der deutsche Meister. Zum ersten Mal überhaupt übertrumpfte Lindemann im Palais des Expositions Vlascenko.
Ein glänzender Originaltanz hatte zuvor Kati Winkler über ein verpasstes Rendezvous mit Prinz Albert hinweg getröstet. Trotz eines nahezu perfekten Vortrages fiel die Berlinerin jedoch zusammen mit ihrem Partner Rene Lohse vom fünften auf den sechsten Platz zurück. Vor der Kür-Entscheidung am (morgigen) Freitag sind die Franzosen Marina Anissina/Gwendal Peizerat etwas vom Titelkurs abgekommen. Die favorisierten Europameister wurden überraschend hinter den Italienern Barbara Fusar-Poli/Maurizio Margaglio nur Zweite.
Rang drei belegten die Russen Irina Lobatschewa/Ilja Awerbuch. Die Geschwister Stephanie und Thomas Rauer aus Essen fielen auf Platz 21 zurück. Vor Winkler/Lohse schoben sich noch die Israelis Galit Chait/Sergej Sachnowski. "Ich bin glücklich. Das war heute richtig gut", freute sich Kati Winkler dennoch. Die blonde Läuferin hatte am Tag zuvor noch Prinz Albert angerufen, der als Ehrengast die Paarlauf-Entscheidung verfolgte. "Wir kennen uns noch von den Olympischen Spielen in Nagano. Ein guter Freund von uns, der ebenfalls Bobfahrer ist, hat uns seine Handynummer gegeben", sagte sie lächelnd. "Leider hatte er keine Zeit, weil er nicht aus der Halle rausgekommen ist."
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