Kein Risiko vor Olympia: Jan Ullrich bei Vuelta ausgestiegen
zuletzt aktualisiert: 07.09.2000 - 20:57Saragossa (sid). Telekom-Star Jan Ullrich hat eine mögliche Titelverteidigung bei der Spanien-Rundfa5hrt dem "Unternehmen Gold" geopfert. Mit Rücksicht auf seinen Start bei den Olympischen Spielen in Sydney gab der 26-Jährige die Vuelta am Donnerstag nach der zwölften Etappe auf.
"Ich möchte mich in den verbleibenden drei Wochen noch einmal optimal auf die Olympischen Wettbewerbe vorbereiten. Die kommenden Etappen hier in Spanien wären für mich in meiner derzeitigen Verfassung einfach zu hart geworden und hätten mir meine Form für Sydney wahrscheinlich kaputt gemacht", erklärte der Merdinger.
Schon am Morgen hatte Mannschaftsarzt Lothar Heinrich beim Team-Kapitän eine Erkältung diagnostiziert, die Ullrich letztlich zur Aufgabe zwang. "Es war immer klar, dass wir hier kein Risiko eingehen werden", erklärte Ullrichs sportlicher Leider Rudy Pevenage.
Zur 131,5 Kilometer langen Etappe um Saragossa war der Zweite der diesjährigen Tour de France noch angetreten, um als "Helfer" seinen Teamkollegen Giovanni Lombardi zum ersten Etappensieg bei der Vuelta zu führen. Doch für den Italiener reichte es beim zweiten Etappenerfolg seines Landsmanns Alessandro Petacchi zum vierten Mal nur zu Platz zwei. "Ich sehe das nicht als Niederlage, denn ich habe aus der Situation das Bestmögliche gemacht", sagte der Italiener.
Wie schon auf dem achten Teilstück zwischen Vinarez und Port Aventura hatte die Sprint-Konkurrenz gegen Petacchi das Nachsehen. Auch drei "Helfer" in der Spitzengruppe konnten Lombardi nicht den ersehnten Etappensieg bescheren. Stattdessen war der 31-Jährige in der entscheidenden Phase auf sich allein gestellt. "Die Mannschaft konnte ihm am Ende leider nicht die erhoffte Unterstützung geben", zeigte sich auch Telekom-Sportdirektor Rudy Pevenage enttäuscht.
Ullrich, der den Kontakt zur Spitze auf den letzten Metern abreißen ließ, hatte zwar in der Gesamtwertung weitere Sekunden verloren, bei 2:33 Minuten Rückstand auf den führenden Spanier Angel Casero jedoch Platz vier behauptet, bevor er ausstieg.
Nach gut einem Drittel der Strecke hatte sich zunächst eine achtköpfige Spitzengruppe gebildet, die angesichts eines beständig hohen Tempos im Feld jedoch nicht entscheidend wegkam. Unmittelbar nach dem Ende des Ausreißversuchs 30 Kilometer vor dem Ziel ließen heftige Windböen das Peloton in drei Gruppen zerfallen, wobei sich alle Favoriten auf den Gesamtsieg vorne versammelt hatten.
Bevor es am Sonntag erneut in die Berge geht, ist bei der Vuelta weiter "Schonzeit" angesagt. Am Freitag steht zunächst der zweite Ruhetag innerhalb von 72 Stunden auf dem Programm, am Samstag folgt eine überwiegend flache Etappe.
Das 143,3 Kilometer lange Teilstück in der Küstenregion um Santander weist mit dem 680 Meter hohen Puerto de Alisas zwar auch einen Berg der 1. Kategorie auf, bietet aber nach dieser einzigen Schwierigkeit auf den letzten 45 Kilometern noch Gelegenheit, das Feld wieder zusammenzufahren.
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