Deutschland-Tour: Jan Ullrich peilt Heimsieg an
zuletzt aktualisiert: 12.08.2005 - 13:15Hamburg (rpo). Noch vor drei Wochen gehörte Jan Ullrich bei der Tour de France zu den Jägern. Bei der jetzt anstehenden Deutschland-Tour (15. bis 23. August) steht da ein Wechsel an. Der T-Mobile-Kapitän geht als Topfavorit und somit als Gejagter an den Start, will unbedingt einen Heimsieg einfahren.
Nach dem Rücktritt des siebenmaligen Toursiegers Lance Armstrong und durch den neuen Renntermin im August sind die Aussichten des T-Mobile-Kapitäns auf seinen insgesamt fünften Rundfahrt-Erfolg so gut wie lange nicht. Von Altenburg geht es in neun Etappen über nahezu 1530 km bis Bonn.
Den "Heimsieg" bei der Deutschland-Tour, die durch die Zugehörigkeit zur Elite-Serie des Weltverbandes UCI (ProTour) in diesem Jahr aufgewertet wurde, möchte Ullrich seiner Erfolgsbilanz unbedingt hinzufügen.
"Das wäre ein sehr schöner Erfolg, der fehlt mir noch", sagt der 31-Jährige, der neben mehr als 50 Tagessiegen in seiner Karriere die Etappenrennen Regio-Tour (1996), Tour de France (1997), Vuelta Espana (1999) und Tour de Suisse (2004) gewann. "Ich habe mir zum Ziel gesetzt, einmal bei allen großen Rundfahrten erfolgreich zu sein. Giro d'Italia und Deutschland-Tour fehlen mir noch."
Anders als bei seinen vier bisherigen Starts (1999, 2000, 2003, 2004) will Ullrich bei der siebten Auflage der 1999 neu gestarteten Rundfahrt diesmal aufs Ganze gehen. "Es ist kein Rennen mehr, mit dem ich mich auf die Tour vorbereite. Das heißt, ich muss nicht dosiert fahren, sondern kann mein Bestes geben", so der gebürtige Rostocker, der sich zuvor noch beim Traditionsrennen "Rund um die Hainleite" am Samstag in Erfurt einrollt.
Die Verlegung der neuntägigen Rundfahrt von Anfang Juni auf Mitte August kommt Ullrich noch aus einem anderen Grund entgegen: "Für mich ist der Termin besser. So kurz nach der Tour ist meine Form normalerweise sehr gut." Zudem hat er die Unterstützung eines starken Teams, für das der sportliche Leiter Marion Kummer neben dem Kapitän fünf weitere Tourstarter nominiert hat.
Wohl ein letztes Mal an Ullrichs Seite fährt der Tour-Fünfte Alexander Winokurow (Kasachstan), der T-Mobile am Saisonende in Richtung Liberty Seguros (Spanien) verlässt: "Ich habe 'Wino' seit der Tour nicht mehr gesehen und weiß nicht, wie gut seine Form noch ist", so Ullrich über den Teamkollegen, der das Rennen 2001 schon einmal gewann.
Einen Podestplatz peilt derweil das Team Gerolsteiner an, das in Levi Leipheimer (USA) und Georg Totschnig (Österreich) ebenfalls seine beiden besten Tour-Fahrer ins Rennen schickt. "An den Gesamtsieg denke ich eigentlich nicht. Wenn es für das Podium reicht, wäre das großartig", sagt Teamchef Hans-Michael Holczer.
Neben dem Tour-Sechsten Leipheimer und Etappensieger Totschnig hält das Team aus der Eifel in Youngster Markus Fothen (Kaarst) noch einen weiteren Trumpf bereit. Der "U23"-Weltmeister von 2003 ist bei Gerolsteiner laut Holczer "unser Klassementfahrer für die Zukunft" und hat nach seinem zwölften Platz im Giro bei der Deutschland-Tour die Freiheit, mal etwas "auf eigene Faust" zu versuchen.
Entscheidend für den Kampf um den Gesamtsieg könnte bereits die vierte Etappe am Donnerstag werden, die von Kufstein nach Sölden führt. Die Bergankunft auf dem Rettenbachferner oberhalb des österreichischen Skisport-Mekkas ist mit 2684 m die höchste im Radsport-Jahr 2005.
"Wenn Du da nicht vorne dabei bist, kannst Du das Podest vergessen", meint Ullrich, der sich auf dem bergigen Profil wohl vor allem der Angriffe des dänischen "Tour-Bergkönigs" Michael Rasmussen (Rabobank) erwehren muss. Weitere Höhepunkte auf der exakt 1529,7 km langen Strecke von Altenburg nach Bonn sind die Schwarzwald-Etappe auf den Feldberg (21. August) und das 31 km lange Einzelzeitfahren von Ludwigshafen nach Weinheim (22. August).
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