Tennis-Tunier in Filderstadt: Jana Kandarr im Achtelfinale ausgeschieden
zuletzt aktualisiert: 05.10.2000 - 13:33Filderstadt (dpa). Mit viel Kampfgeist, aber wenig Fortune hat sich Olympia-Teilnehmerin Jana Kandarr vom 24. Tennis-Grand-Prix in Filderstadt verabschiedet. Die Heidelbergerin unterlag am Mittwoch im Achtelfinale des mit 535 000 Dollar dotierten Turniers der Belgierin Kim Clijsters nach 1:14 Stunde Stunden mit 6:7 (9:11), 3:6. Die Leverkusenerin Barbara Rittner ist nun die einzige verbliebene Deutsche: Sie trifft am Donnerstag auf die an Nummer drei gesetzte Französin Nathalie Tauziat.
Vorjahressiegerin Martina Hingis hatte kurze Startschwierigkeiten bei ihrem Einzel-Einstand. Die Weltranglisten-Erste profitierte dann auch von der verletzungsbedingten Aufgabe des belgischen Talents Justine Henin, die beim Stande von 6:3, 3:0 für Hingis stürzte und nicht mehr weiterspielen konnte. Arantxa Sanchez-Vicario musste gegen Cara Black aus Zimbabwe ihren ganzen Kampfgeist und ihre Routine aufwenden, um die wendige 21-Jährige zu bezwingen. Trotz eines Sturzes zu Beginn des dritten Satzes gewann die Spanierin 6:2, 3:6, 6:4 und steht ebenfalls im Viertelfinale.
Ein kurioses Marathon-Spiel hatten sich zum Auftakt die Bulgarin Magdalena Malejewa und die Belgierin Sabine Appelmans geliefert. Beim Stande von 6:4, 5:7, 5:4 und 40:30 hatte Malejewa Matchball, bekam aber plötzlich Krämpfe in der rechten Hand und in den Beinen. Verzweifelt ließ sie sich von der Turnier-Physiotherapeutin massieren und mit Eisbeuteln behandeln.
Als sie wieder auf den Platz zurück konnte, wehrte Apelmans prompt die drohende Niederlage zunächst ab und glich zum 5:5 aus. Am Ende und nach 2:27 Stunden setzte sich die angeschlagene Bulgarin doch noch durch und gewann den letzten Satz mit 7:5. Die volle Trinkflasche, die Malejewa mit in die Kabine trug, zeugte dann von der zu geringen Flüssigkeitszufuhr.
Gegen die 17-jährige Kim Clijsters (WTA 47), Tochter des ehemaligen belgischen Fußball-Nationalspielers Leo Clijsters, lieferte sich Jana Kandarr vor allem im ersten Satz harte und lange Grundlinienduelle. Nach dem verlorenen Tiebreak stand sie jedoch "wie vor einer Wand, da hab' ich mich dann ein bisschen hängen lassen". Trotz der Niederlage hat die Nummer 73 der Weltrangliste ihren Aufwärtstrend bestätigt. "Ich habe dieses Jahr schon so oft welche von den besten 30 geschlagen, da könnte ich auch irgendwann spielen", demonstrierte Jana Kandarr gestärktes Selbstbewusstsein.
Ihre konstante Form begründete sie vor allem mit dem neuen Umfeld. "Ich habe relativ wenig mit dem Verband zu tun", erklärte Jana Kandarr. Einzige Kontaktperson ist zurzeit Bundestrainer Markus Schur, der wie die Spielerin in Karlsruhe wohnt. Ansonsten geht Jana Kandarr mit ihrem jugoslawischem Coach Cika Sarbajic auf Tour, als Trainingspartner ist auch oft dessen Sohn Milos (26) dabei.
"Weil sie das Abitur geschafft hat, fühlt sie sich freier. Sie weiß: Wenn es mit dem Tennis nicht klappt, dann hat sie noch etwas anderes", meinte Schur. "Sie hat keine Punkte zu verteidigen bis Jahresende. Ihr steht der Weg nach oben offen, auch wenn sie wohl keine Top-Ten-Spielerin ist." Auf ihren Abi-Notenschnitt von 1,5 kann Jana Kandarr jedenfalls stolz sein. Vielleicht, erzählte die 24- Jährige in Filderstadt, wird sie irgendwann Biologie oder Tiermedizin studieren. Wenn es sportlich weiter bergauf geht, müssen diese Pläne allerdings noch warten.
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