Olympia 2000: Sydneys Finanzloch noch größer: Jetzt fehlt schon eine Viertel Milliarde Mark
zuletzt aktualisiert: 03.02.2000Sydney (dpa). Je näher die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele am 15. September in Sydney rückt, um so größer wird das Finanzloch. Die Olympiamacher gestanden am Mittwoch ein, sich beim Kartenverkauf um 76 Millionen australische Dollar (96 Millionen Mark) verschätzt zu haben. Damit wuchs das Finanzloch des Organisationskomitees (SOCOG) auf 193 Millionen Dollar (fast 250 Millionen Mark) an. Als Folge dieser neuen Hiobsbotschaft wurde SOCOG Kompetenzen entzogen und einer vom Staat kontrollierten Organisation übertragen. Zusammen mit dem jüngsten Eingeständnis legte SOCOG einen neuen Plan vor, wie die Mindereinnahmen aufgefangen werden sollen.
"Die Regierung hat, ohne sich dafür zu schämen, jetzt mehr Einfluss, um den Steuerzahler zu beschützen", sagte SOCOG-Präsident Michael Knight, der auch Olympiaminister ist. "SOCOG hat aber weiter eine sehr wichtige Rolle." Wichtigste Behörde wird nun die Olympic Coordination Authority (OCA) unter ihrem Chef David Richmond sein, der als Knight-Intimus gilt. Die OCA war bisher vor allem für die Erstellung der Olympia-Wettkampfstätten zuständig. Großer Verlierer ist SOCOG-Geschäftsführer Sandy Hollway, der im vergangenen Jahr wegen der Pannen beim Kartenverkauf bereits seinen Rücktritt angeboten hatte. Er war gezwungen, seine Angestellten zu verteidigen: "Ich glaube nicht, dass sie unfähig sein."
Das Geld zum Stopfen des Finanzlochs wird aus mehreren Quellen gespeist: 92,7 Millionen Dollar (119 Millionen Mark) stammen aus der Inanspruchnahme eine Ausfallbürgschaft des Staates. Gut 52 Millionen (67 Millionen Mark) kommen aus einem Deal, nach dem das Internationale Olympische Komitee (IOC) und das Nationale Olympische Komitee Australiens je 11,06 Millionen (14 Millionen Mark) geben und die Regierung des australischen Bundeslandes New South Wales im Gegenzug auf einen eingeplanten Gewinn von 30 Millionen (38,4 Millionen Mark) verzichtet. 36,2 Millionen muss SOCOG noch einsparen, zwölf Millionen Dollar (15,3 Millionen Mark) sind schon jetzt gestrichen worden.
Ein entscheidender Fehler der bisherigen Berechnungen hatte sich bei der Zahl der zu verkaufenden Eintrittskarten herausgestellt. SOCOG musste einräumen, sich um 300 000 Tickets "verschätzt" zu haben. Das allein ergibt Mindereinnahmen in Höhe von fast 76 Millionen Dollar (97 Millionen Mark). Knight erklärte, die neuesten Berechnungen seien eher konservativ: "Ich bin davon überzeugt, dass wir das Budget einhalten werden."
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