Tennis: Frühes Aus für Powergirl Serena: Jüngere der Williams-Schwestern scheiterte im Achtelfinale
zuletzt aktualisiert: 24.01.2000Melbourne (sid). Die große Schwester blieb ganz zu Hause, und auch die kleine musste am Ende früher heim als geplant. Ausgerechnet Serena Williams (Foto), angereist als US-Open-Siegerin und ausgestattet mit grenzenlosem Selbstbewusstsein, bescherte den Australian Open in Melbourne am achten Tag die erste dicke Überraschung - im negativen Sinn.
Schon im Achtelfinale war Schluss für das 18 Jahre alte Powergirl. Nach bescheidener Vorstellung unterlag sie der sieben Jahre älteren Russin Elena Lichowtsewa in nur 74 Minuten 3:6, 3:6. Keine Power, keine Form und ein paar Kilo zu viel - dennoch tat Serena so, als sei nichts Außergewöhnliches passiert. "Es gibt keine Entschuldigung für meine Leistung", teilte sie kurz und bündig mit: "Ich habe schlecht, sie hat gut gespielt - das ist alles."
Dabei hätte es genügend Ausreden gegeben. Seit dem 6. Oktober 1999, als sie in Filderstadt in der zweiten Runde gegen die Französin Sandrine Testud verlor, hatte Serena Williams kein Turnier mehr bestritten. Davor sahnte sie beim Grand-Slam-Cup noch kräftig ab und kassierte nach dem Endspielsieg über Schwester Venus 900.000 Dollar, danach genoss sie erstmal das Leben.
Serena ging zu Hause in Palm Beach, Florida, wieder zur Schule. Statt auf dem Tennisplatz bildete sie sich am "Art Institute of Florida" fort. "Ich werde mich selbst bestrafen und jetzt zu Hause meine Schularbeiten beenden", teilte sie noch grinsend mit, ehe sie ging: "Ich muss noch etwa 38 Zeichnungen machen."
Schwester Venus sagte wegen einer Handgelenkverletzung ihre Teilnahme in Melbourne ganz ab, und auch Serena wirkte nicht austrainiert beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres. Schon in Runde eins gegen die australische Außenseiterin Amanda Grahame (264. der Weltrangliste) stand sie am Rande des Abgrunds (6:4, 4:6, 6:4), Elena Lichowtsewa, 18. der Weltrangliste und an Nummer 16 gesetzt, war dann eine Nummer zu groß. Die 24-jährige Russin zog erstmals in ihrer Karriere ins Viertelfinale eines Grand Slams ein.
Foto: Elena Likhovtseva warf Serena Williams aus dem Rennen.
Das auffälligste an Serena Williams in Australien war, dass sie knallrote Schuhe, ein tief ausgeschnittenes rot-schwarzes Kleid und rund drei Kilo zu viel über den Platz trug. Davon aber wollte sie, die vorwiegend von ihrer Athletik und Power lebt, nichts wissen. "Ich habe die Frage schon eine Million mal beantwortet: Ich habe mich gut vorbereitet und neben der Schule hart trainiert, nur Turniere habe ich keine gespielt."
Serena Williams muss noch lernen, zu verlieren. Vielleicht tut dem Mädchen aus den Ghettos von Los Angeles der erste Rückschlag der Karriere ganz gut, denn bisher ging es nur bergauf. Schon mit 17 gewann sie die US Open und damit vor der älteren Schwester Venus (19) den ersten Grand Slam der Karriere, nun ging es erstmals bergab.
Zumindest suchte Serena nicht nach Ausreden. Ob sie nicht Vater Richard, der zu Hause bei Venus geblieben war, im fernen Australien als Trainer vermisst habe? "Was soll das", knurrte Serena: "Meine Mutter Oracene war doch hier. Beide sind meine Trainer."
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