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Dortmund
Tuchel und Klopp bedienen die Klischees

Klopp gibt Pressekonferenz in seinem Wohnzimmer
Klopp gibt Pressekonferenz in seinem Wohnzimmer FOTO: dpa, bt nic
Dortmund. Demut ist ein Begriff, der im Wortschatz des Fußballtrainers Thomas Tuchel einen bedeutenden Raum einnimmt. Das ist eher selten in diesem Geschäft der Eitelkeiten und des schönen Scheins. Deshalb liegt über dem Gebrauch des Wortes Demut immer auch der Schatten des Missbrauchs, des Verpackungstricks. Es wirkt zumindest ein bisschen kokett, als müsse das Image des Bescheidenen künstlich ausgeleuchtet werden. Von Robert Peters

Wenn Tuchel allerdings über die Arbeit seines Vorgängers im Amt bei Borussia Dortmund spricht, dann hat es nichts Künstliches, nichts Verstelltes. Und er muss in diesen Tagen sehr oft über seinen Vorgänger Jürgen Klopp sprechen, denn Klopp ist heute (21.05 Uhr/Sport1) mit seiner neuen Mannschaft, dem FC Liverpool, zu Gast im Viertelfinal-Hinspiel der Europa League. Tuchel sagt den schönen Satz: "Niemand hat vergessen, was Jürgen Klopp hier geleistet hat. Wir sind, was wir sind, nur weil die Geschichte mit Jürgen vorher so war."

Klopp wird bei Abschlusstraining in Dortmund beschenkt FOTO: dpa, bt nic

Der neue Trainer hat kein Problem, die Verdienste des alten Trainers um den Aufschwung des Dortmunder Fußballs anzuerkennen. Aber der 42-Jährige hält auch fest: "Es war nicht leicht, die Nachfolge anzutreten. Es war unsere Aufgabe, die Mannschaft weiter zu entwickeln, auf ein höheres Niveau zu führen." Er sagt das ganz gelassen und ohne falsche Scham, weil er dieses Ziel offenkundig erreicht hat. Und dann sagt er noch: "Ich glaube, dass sich Jürgen sehr darüber freuen kann."

Klopp beteuert das natürlich. "Das ist eine Entwicklung, die gut anzusehen ist", versichert der Mann, der in sieben Jahren Borussia Dortmund große Erfolge feierte und der zum Ende seiner Amtszeit feststellen musste, dass sich die Beziehungen zwischen ihm, dem leidenschaftlichen Lehrer, und seinem Team verschlissen hatten. Tuchel hat der Mannschaft neues Leben gegeben. Darüber redet er nicht so gern, weil er den unvermeidlichen Vergleich mit Klopp nicht mag.

In dieser Hinsicht sind sich die beiden so unterschiedlichen Temperamente sehr ähnlich. Der hochemotionale Klopp will ebenso wenig wie der eher analytische Tuchel, dass ihre Eigenheiten in der Trainingsarbeit und in der Vorstellung vom Fußball gegeneinander gehalten werden. Sie können freilich nicht verhindern, dass ihre Beobachter das andauernd tun.

Die letzten Duelle zwischen Tuchel und Klopp

Schließlich sind sie öffentliche Wesen. Klopp wahrscheinlich viel mehr als Tuchel. Das liegt am darstellerischen Talent und der Improvisationskunst auf dem Podium. Beide Qualitäten zeigt Klopp gestern bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in Dortmund seit dem Abschied im vergangenen Frühsommer.

Auch wenn er vorgibt, als spreche er am liebsten über Fußball, pflügt er mit kaum verhohlener Begeisterung über die Nebenschauplätze. Manchmal bringt er beides zusammen. "Ich denke nicht eine Sekunde über meine Situation nach", erklärt er im überfüllten Medienraum, "ich bereite mein Team vor an einem Platz, an dem ich sehr gern war. Und heute hier zu sein, ist besser als" - kleine Pause - "in Nordkorea." Das brüllende Gelächter quittiert er mit seinem Blendax-Lächeln. Dennoch betont er: "Im Spiel geht es nur darum zu gewinnen. Das hier sind meine Freunde, aber ich will sie schlagen." Gelächelt wird trotzdem weiter.

Quelle: RP
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