Tennis in Wimbledon - Oberschenkelverletzung: Kämpfer Kiefer: "Auf dem Platz muss man auch mal bluten"
zuletzt aktualisiert: 29.06.2001 - 14:50London (rpo). Seine weiße Weste beim diesjährigen Wimbledon-Turnier hat Nicolas Kiefer erst einmal behalten. "Die beiden Runden waren die Pflicht", gestand der 23-Jährige erleichtert. Mit einem Dreisatzsieg gegen den jungen Dänen Kristian Pless hatte der Viertelfinalist von 1997 die dritte Runde gebucht. Zum dritten Mal nach 1997 und 1998
Doch ganz so leicht war es nicht. Das blanke Spielergebnis von 7:6 (7:1), 6:2, 6:4 täuscht über den Verlauf des abendlichen Duells auf Show Court 3 hinweg. Mit der gut einstündigen Regenpause - Kiefer führte gerade 1:0 - mussten beide leben. Doch dann passierte es: Mitten im ersten Satz rutschte Kiefer nach einem schnellen Antritt auf dem feuchten Rasen aus. Wie ein missglückter Spagat sah es aus, Kiefer verzog das Gesicht, humpelte vom Feld, lockerte sich mit Stretching auf und holte in der folgenden Spielpause den Arzt.
"Das sah unglücklich aus, und es tat auch ganz schön weh", schilderte der Pechvogel später die Schrecksekunde: "Aber da muss man durch. Das ist Wimbledon, da gibt es kein Wenn und Aber. Auf dem Platz muss man auch mal bluten." Jetzt erst recht, schwor sich der Kämpfer Kiefer - und schlug sofort ein Ass. Und weiter erinnerte er sich am Freitagvormittag: "Bei den nächsten Spielen habe ich dann hundert Prozent gegeben." Das musste er auch gegen den ehrgeizigen und talentierten Dänen, der 1999 an der Church Road im Junioren- Finale stand. Erst nach knapp einer Stunde hatte der Deutsche den hart umkämpften ersten Satz gewonnen.
Zum Glück muss Kiefer erst am Samstag wieder ran: "Wir haben also anderthalb Tage. Ich bin da optimistisch, ich hab? ja den Jan dabei." Gut drei Stunden war der "englische Patient" von seinem neuen Masseur und Physiotherapeuten, dem Niederländer Jan Velthuis, am Abend nach dem Match noch behandelt worden. Am Morgen danach, beim Aufstehen, "zwickte das Bein noch". Der Magen hatte sich aber wieder beruhigt: "Auf dem Platz habe ich an Tommys Probleme denken müssen und ihn gut verstanden", verriet Kiefer, dem die verabreichte Schmerztablette "bis Mitte des zweiten Satzes" mächtig auf den Magen geschlagen war.
Am spielfreien Freitag ließ es Kiefer ruhig angehen: "Ganz entspannt." Ein bisschen Joggen, ein lockeres Training, ein paar Spiele anschauen. Der Weltranglisten-38. hat ein Haus in Sichtweite der Anlagen gemietet. "Das kann ich mit einem Stein treffen", ulkte er. Noch ist ihm der große Wurf in Wimbledon 2001 nicht gelungen. Aber er holt schon aus: "Am Samstag gehe ich auf jeden Fall raus - ob mit einem Bein oder mit zwei. Das ist hier ein Grand-Slam-Turnier, da muss man durch."
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