Eindrucksvolle Flucht "Rund um den Henninger Turm": Kai Hundertmarck beschert Telekom den Sieg
zuletzt aktualisiert: 01.05.2000 - 16:09Frankfurt/Main (dpa). Am beeindruckenden Telekom-Monopol war auch in Frankfurt nicht zu rütteln. Zum Abschluss der Frühjahrssaison bescherte Kai Hundertmarck (Eppstein-Bremthal) dem Bonner Team nach einer eindrucksvollen Flucht den 19. Sieg des Jahres.
Der 31-jährige, der den größten Erfolg seiner Karriere feierte, hatte sich zusammen mit drei weiteren Fahrern nach 50 Km der 206 Km- Distanz von einer Spitzengruppe gelöst. Sieben Kilometer vor dem Ziel setzte sich Hundertmarck vom verbliebenen Ausreißer-Trio mit Jens Heppner (Gera) und dem Italiener Matteo Tosatto ab und siegte im Alleingang. Der Hesse, sonst ein treuer "Wasserholer", trat am Montag mit seinem Triumph nach perfekter Telekom-Regie die Nachfolge des Vorjahressiegers Erik Zabel (Unna) an. Am Sonntag hatte Steffen Wesemann (Wolmirstedt) das Rennen in Gippingen/Schweiz gewonnen.
Nach einer Absperrungspanne wäre die Fahrt der Ausreißer 20 Km vor dem Ziel in einem Autostau beinahe zu Ende gewesen. Die Fahrer waren falsch geleitet worden und fanden erst über einen Umweg wieder auf die offizielle Strecke. Durch eine kurze Neutralisation der Verfolger wurde der alte Zeitabstand schnell wieder hergestellt. Auf den letzten drei Runden um den Henninger Turm in der Frankfurter Innenstadt kam es zu einer weiteren Panne, weil die vorher gestarteten U23-Fahrer noch auf der Strecke waren, und die Profis verwirrten. Weltcup-Spitzenreiter Zabel, der nach dem Rennen in Richtung New York startete, kam im abgeschlagenen Hauptfeld ins Ziel.
"Ich bin natürlich überglücklich. Dieser Erfolg vor eigenem Publikum ist mir mehr Wert als eine Weltmeisterschaft. Ich habe mich bei Jens Heppner zu bedanken, der super für mich gearbeitet hat. Nach der Fehlleitung bin ich doch etwas nervös geworden, aber Walter Godefroot konnte mich beruhigen", freute sich Hundertmarck, der bei seinem "Heimspiel" in Frankfurt nach Hans Junkermann, Rudi Altig, Gregor Braun, Olaf Ludwig und Zabel als sechster Deutscher siegte. "Radsport ist Geben und Nehmen. Im Vorjahr hat mir Kai geholfen. Heute ist es für ihn gelaufen. Das ist perfektes Teamwork", sagte Zabel.
13 Fahrer hatten sich nach noch nicht einmal 20 Km vom Hauptfeld abgesetzt. Aus dieser Gruppe kristallisierte sich eine Spitzengruppe von vier Fahrern am Aufstieg zum Feldberg nach 50 Km heraus. Tosatto, Jörn Reuss (Nürnberg), Heppner, schon zwei Mal Zweiter in Frankfurt, und Lokalmatador Hundertmarck bildeten die Kopfgruppe, aus der 60 Km vor dem Ziel Reuss am Ende seiner Kräfte ausschied. Die zum Trio geschrumpfte Ausreißergruppe der Solisten arbeitete über 150 Km gut zusammen. Der Italiener konnte den 19. Saisonsieg für das vom Erfolg verwöhnte Telekom-Team in diesem Jahr nicht verhindern.
Die Leistung des 35-jährigen Heppner, der hinter Tosatto dritter wurde, ist besonders hoch zu bewerten. Nach einem Sturz im Vorjahr schien die Karriere des Gewinners der Deutschland-Tour beendet zu sein. Nach Sturzverletzungen am Kopf leidet der Thüringer an epileptischen Anfällen, die er nur mit der täglichen Gabe von Tabletten bekämpfen kann. "Mit den Medikamenten habe ich keinerlei Beschwerden, keine Schwindelgefühle mehr, keine Blackouts", sagte Heppner.
Nach vier Monaten Dauerstress, die Zabel zum augenblicklich erfolgreichsten Rennfahrer der Welt machten, kann der vierfache Gewinner des Grünen Trikots bei der Tour de France die Beine endlich hoch legen. "Ich konnte mir aussuchen, in welcher Stadt das Fernseh- Porträt gedreht wird. Da habe ich New York gewählt. Danach mache ich mit der Familie noch ein paar Tage Urlaub in Florida. Dann beginnt meine Vorbereitung auf die Bayern- und Deutschland-Rundfahrt", sagte Zabel bevor er zum Flughafen raste.
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