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Sao Paulo
Kanada verärgert Neids Team

Sao Paulo. Trainer fordert Spielerin auf, sich eine Gelbe Karte abzuholen.

(sid) Saskia Bartusiak grinste besonders keck und strich sich das nasse Haar aus dem Gesicht. "Das war schon ein eher wichtiges Tor", sagte die Spielführerin der deutschen Fußballerinnen, und sie strahlte. Über ihre Untertreibung musste die 33-Jährige nach ihrem Ausgleich in letzter Minute zum 2:2 (1:2) gegen die starken Australierinnen selbst schmunzeln. Dann fügte sie an: "Uns allen ist ein Stein vom Herzen gefallen."

In die große Erleichterung über den abgewendeten Rückschlag im zweiten Spiel der Olympischen Spiele mischte sich aber auch Ratlosigkeit. Wie geht man nun am Dienstag (16 Uhr OZ/21 Uhr MESZ) das letzte Vorrundenduell mit dem Tabellenführer Kanada an, wenn beide Mannschaften wenig Lust auf den Gruppensieg haben?

Denn der führt wohl zu einem Viertelfinal-Duell mit einem der beiden Topfavoriten: den USA oder Frankreich. Der Gruppenzweite hingegen bekommt es mit Schweden oder China zu tun - weitaus weniger gefürchtete Gegner.

Mit einem weiteren Unentschieden bliebe Deutschland (4 Punkte) Zweiter hinter den bereits für die K.o.-Runde qualifizierten Kanadierinnen (6). "Wer glaubt, so etwas planen zu können, ist plötzlich ganz raus", warnte Bundestrainerin Silvia Neid. Sie deutete aber an, Stammkräften wegen des kraftraubenden Zeitplans im olympischen Fußballturnier eine Verschnaufpause gönnen zu wollen.

Gleiches gilt für Kanadas Coach John Herdman, der beim 3:1 gegen Simbabwe schon seine Marschroute durchblicken ließ. Bei einem gegnerischen Freistoß animierte er Kadeisha Buchanan, die Ausführung zu blockieren. Und zwar so lange, bis die Verteidigerin zum zweiten Mal im Turnier verwarnt wurde - und nach einer Gelbsperre, die sie im Deutschland-Spiel "absitzen" muss, unbelastet in die K.o.-Runde geht.

Neid brachte das auf die Palme. "Ich würde eine Spielerin nie zu so etwas auffordern", schimpfte die Bundestrainerin, "das hat doch nichts mehr mit Fair Play zu tun. Eigentlich hätte die Schiedsrichterin ihr Rot geben müssen." Auch Torhüterin Almuth Schult hat für solche Methoden kein Verständnis: "Vielleicht wird es ihnen noch zum Verhängnis. Solche Spielchen machen wir nicht."

Mehr als mit der Zockerei des Gegners muss sich das DFB-Team aber mit seinen eigenen Schwächen beschäftigen. Zweimal wurden die Europameisterinnen ausgekontert. "Beides resultierte aus Leichtsinnsfehlern im Mittelfeld. Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht, waren ein wenig naiv", monierte die Bundestrainerin. Auch bei der letzten Endes erfolgreichen Aufholjagd hatten die Deutschen Glück, dass Australien weitere Konterchancen ausließ.

Abwehrchefin Bartusiak, die den Ball in der 88. Minute nach einem Freistoß ins Tor bugsierte und die Freude über ihr drittes Länderspiel-Tor auf dem Boden liegend herausbrüllte, forderte: "Wir müssen noch an einigen Stellschrauben drehen."

Vor allem stand nach dem heißen Kampf gegen die Australierinnen Regeneration auf dem Programm. Und ein Tapetenwechsel: Gestern siedelte der DFB-Tross von Sao Paulo nach Brasilia um. Die Spielerinnen freuten sich nach knapp einer Woche in der hektischen Betonwüste der Metropole auf neue Eindrücke in der Hauptstadt, sagte Schult: "Vielleicht hat man da in der Umgebung mehr Platz und Möglichkeiten, auch mal Spaziergänge zu machen."

Quelle: RP
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