IOC-Vize Pound stört olympischen Frieden mit Angriff auf SOCOG: Kanadier: "Gestörtes Verhältnis" zu Sponsoren
zuletzt aktualisiert: 17.02.2000Sydney (dpa). IOC-Vizepräsident Richard Pound hat mit einem scharfen Angriff auf die Organisatoren der Spiele in Sydney den olympischen Frieden erheblich gestört. Der Kanadier warf dem Organisationskomitee SOCOG und insbesondere dessen Präsidenten und Olympia-Minister Michael Knight am Donnerstag ein "gestörtes Verhältnis" zu den internationalen Sponsoren vor.
In einer Aufsehen erregenden Pressekonferenz am Rande der IOC-Exekutivtagung beschwerte sich Pound darüber, dass das SOCOG den "größten Marketing-Erfolg der olympischen Geschichte" nicht zu würdigen wisse und "schlechtrede". Dies habe zu "erheblicher Frustration" auf Seiten des Internationalen Olympischen Komitees und der Sponsoren geführt.
Pound wehrte sich gegen die vom SOCOG aufgestellte Behauptung, der IOC-Korruptionsskandal habe mögliche Sponsoren verschreckt. "Der Salt Lake City-Skandal hat nichts mit dem Defizit bei den Marketingeinnahmen zu tun", entgegnete der 57-jährige Anwalt. Pound, der seit 1978 im IOC sitzt, ist dort für Marketing zuständig. Der ehemalige Olympia-Schwimmer gilt als einer der möglichen Nachfolger für den 2001 scheidenden IOC-Präsidenten Juan Antonio Samaranch.
Knight reagierte gelassen. "Ich bin von nichts überrascht, was Dick sagt, wir haben schon in der Vergangenheit unsere ganz speziellen Momente gehabt", sagte der australische Berufspolitiker. Er warf Pound im Hinblick auf den Kampf um die Samaranch-Nachfolge Profilierungssucht vor. Knight bezifferte den Schaden, der seiner Organisation durch den IOC-Skandal entstanden ist, auf 50 Millionen australische Dollar (65 Millionen Mark). Auch einen weiteren Seitenhieb gegen Pound konnte er sich nicht verkneifen. In Anspielung auf dessen Rolle als IOC-Koordinator der wegen organisatorischer Pannen beeinträchtigten Atlanta-Spiele sagte er: "Dick kann eine Menge wertvoller Ratschläge geben."
Pound wiederum erklärte, das ursprünglich gesteckte Marketingziel des SOCOG sei "wild optimistisch", nach einer weiteren Erhöhung "närrisch optimistisch" und nach einer nochmaligen Erhöhung schlichtweg "verrückt" gewesen. "Im Nachhinein hat sich gezeigt, dass wir Recht hatten", sagte Pound. In den ursprünglichen Planungen hatte Sydney 207 Millionen US-Dollar angegeben, die dann auf 300 Millionen und schließlich auf die unrealistische Summe von 460 Millionen (920 Millionen Mark) erhöht worden seien. Sponsoren seien "keine Milchkühe, die man unendlich melken kann", sagte Pound.
Laut Knight habe es das SOCOG nunmehr geschafft, sein Budget auszubalancieren. Insgesamt musste die Organisation noch einmal 27 Millionen Austral-Dollar (35 Millionen Mark) einsparen. Knight berichtete, dies sei durch kleine Einschnitte in mehreren Bereichen gelungen, "ohne die Amputation wichtiger Glieder". Der gesamte Sportbereich und die Ausstattung des Athletendorfes sei von den Sparmaßnahmen ausgeschlossen gewesen. Außerdem rechnet das SOCOG noch mit zusätzlichen Einnahmen in Höhe von 11,7 Millionen Mark aus Eintrittskarten. Das Stadion werde eine Bruttokapazität von 118 012 Plätzen haben, also 1 480 mehr als ursprünglich angenommen.
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