Kieseler ohne Revanchegelüste: Kanu-Damen droht Gegenwind aus Australien
zuletzt aktualisiert: 29.01.2001 - 11:49Berlin (dpa). Nach der "zähneknirschenden" Freigabe von Katrin Kieseler durch den Deutschen Kanu-Verband (DKV) hegt die 23-jährige Ex-Weltmeisterin keine Revanchegelüste. Dennoch droht den erfolgverwöhnten deutschen Paddel-Damen, die zudem ohne Leitfigur Birgit Fischer, die ihre Laufbahn beendete, antreten müssen, schon bei den nächsten Weltmeisterschaften in Posen ein heftiger Gegenwind vom fünften Kontinent.
Kieseler hatte schon vor zwei Wochen ihr Quartier an der sonnigen Gold Coast bei Brisbane aufgeschlagen und bewohnt derzeit das Gästezimmer der Ex-Neubrandenburgerin Katrin Borchert, die 1994 Deutschland verließ, um in Australien glücklich zu werden. Bereits in knapp zwei Wochen wird Kieseler ihr erstes Rennen auf der Olympia-Strecke von Penrith bestreiten.
Katrin Kieseler ist nach Borchert und Josefa Idem, die es 1990 aus privaten Gründen nach Italien zog, die dritte deutsche Kanu- Weltmeisterin, die es nicht länger im Lande hält. DKV-Präsident Ulrich Feldhoff, der sich wie auch die anderen Präsidiumsmitglieder "die Entscheidung nicht leicht" machte, legt aber viel Wert auf die Feststellung, dass die drei deutschen Asse aus ganz unterschiedlichen Gründen dem Verband den Rücken kehrten.
Ihr sei ein "riesiger Stein vom Herzen gefallen", als sie von der DKV-Entscheidung gehört habe, erklärte Kieseler am Montag gegenüber der "Netzeitung" und sprach von "Erleichterung ohne Grenzen". Sie gab zu, nicht unbedingt daran geglaubt zu haben, ohne eine zweijährige Sperre aus der Affäre mit dem DKV herauszukommen. Deshalb habe sie für "den äußersten Notfall" juristische Schritte gegen den Verband geprüft.
Im August hatte die Hauptstädterin frustriert das deutsche Olympia-Team verlassen, weil sie vom Trainerstab nicht für die medaillenträchtigen Team-Boote nominiert worden war, die in Sydney schließlich beide Goldmedaillen erkämpften. Dies sei jetzt alles vergessen, sie wolle einen Schlussstrich ziehen und gehe ohne Bitternis in die WM-Duelle mit den einstigen Teamgefährtinnen. "Deutschland ist dann ein Land wie jedes andere auch. Im Vordergrund stehen Revanchegelüste nicht", erklärte Kieseler, die zumindest 2004 und 2008 bei den Olympischen Spielen für Australien starten will. Ihr schwebt dabei möglichst der Start im Zweier mit Katrin Borchert vor.
"Ich bedauere ihre Entscheidung, denn ich halte sie für sehr talentiert. Aber als Trainer muss ich genau abwägen, was man sich gefallen lassen kann und was nicht", erklärte Chefcoach Josef Capousek, der im August von Kieseler scharf attackiert worden war. Das DKV-Präsidium will das Thema Verbandswechsel demnächst im Internationalen Kanu-Verband (ICF) auf den Tisch bringen. "Es kann nicht sein, dass jeder Athlet, der sich über seinen Trainer ärgert, sofort den Verband wechselt", meinte Generalsekretär Wolfgang Over.
Zudem wolle man den australischen Verband in einem Begleitschreiben auf die näheren Umstände des Eklats um Kieseler hinweisen und damit die Verantwortung von den Trainern nehmen. "Wir werden klarstellen, dass nicht die Trainer sie aus dem Olympia-Team entfernt haben, sondern sie selbst das Team verlassen hat", so Over.
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