Wolrd Games: Kanupolo fordert Kraft und Ausdauer
zuletzt aktualisiert: 19.07.2005 - 14:09Duisburg (rpo). Eine Sportart, die wohl kaum einer kennt: Kanupolo. Wasser spritzt auf, die Paddel wirbeln durch die Luft und mit den Booten werden schnelle und riskante Wendungen durchgeführt. Beim Kanupolo sind neben Kraft und Ausdauer auch die Geschicklichkeit im Zweikampf und ein gutes Auge für Spielsituation gefragt.
"Gerade diese Vielfalt macht die Faszination der Sportart aus", beschreibt die deutsche Nationalspielerin Lena Weinberger den Reiz einer der 40 Sportarten bei den 7. World Games, den Spielen der nicht-olympischen Sportarten, in Duisburg und den Partnerstädten Oberhausen, Bottrop und Mülheim an der Ruhr.
Die 24 Jahre alte Torjägerin der WSF Liblar geht mit Erfolg an ihre Grenzen. Mit dem deutschen Team gewann die gelernte Hebamme die Goldmedaille durch einen 6:5-Erfolg im Finale nach Golden Goal gegen Weltmeister Großbritannien und erntet den Erfolg für ihre harte Arbeit im Vorfeld. "Schon im Winter legt man mit Krafttraining die Grundlagen für die Saison. Im Sommer wird dann an der Technik mit dem Paddel und im Boot, dem Ballgefühl und der Taktik gearbeitet", verrät Weinberger, die in ihrem Heimatverein auch noch mit den Männern trainiert. "Wenn man sich dort im Zweikampf behauptet, dann ist es gegen die schwächeren Frauen einfacher." Besonders bei Positionskämpfen vor den Toren geht es hart zur Sache.
Probleme im Zweikampf hatte beim Metierwechsel zunächst Herren-Bundestrainer Mirko Günther, dessen Team im Endspiel der World Games Weltmeister Niederlande mit 1:3 unterlag. "Ich komme vom Kanu-Rennsport und habe dort 1989 an Junioren-Weltmeisterschaften teilgenommen. Als ich zum Kanupolo gewechselt bin, fuhr ich allen davon. Aber bis ich die Übersicht hatte und mich in den Zweikämpfen behaupten konnte, sind drei Jahre vergangen", sagt der 34-Jährige.
Mischung aus Basketball und Wasserball
Die Sportart kann als grobe Mischung aus Basketball und Wasserball bezeichnet werden. Das Spielfeld ist 23 x 35 m groß, an den kurzen Seiten des Feldes befindet sich jeweils in zwei Meter Höhe ein 1 x 1,5 m großes Tor. Ein Spiel dauert 2 x 10 Minuten. Die fünf Akteure und drei Auswechselspieler jeder Mannschaft dürfen den Ball werfen oder mit dem Paddel schlenzen. Der Gegner darf den Spieler im Ballbesitz angreifen und sein Boot sogar zum Kentern bringen. Schiffeversenken also erlaubt.
Im Grunde darf jeder während des Spiels ins Tor. "Aber es gibt natürlich eine fest vorgesehene Torhüterin, deren Paddel um rund 7 Zentimeter länger ist", erklärt Weinberger, 2002 Welt- und 2003 Europameisterin.
Weinberger sagt: "Es geht schon hart zur Sache. Aber das wollen die Zuschauer auch sehen." Der Funke an der Regattabahn in Duisburg sprang dann auch auf die voll besetzten Ränge über. "Der Kontakt zu anderen Sportlern zeichnet die Spiele aus. Wir haben mal beim Inline-Hockey vorbeigeschaut und am nächsten Tag standen die Jungs dann bei uns auf der Tribüne", berichtet Günther, der in Duisburg als Servicetechniker arbeitet.
In Italien populär
Denn anders als in Italien, wo man mit Kanupolo Geld verdienen kann und einige Profis aktiv sind, zahlt man in Deutschland drauf. "Ein Boot kostet zwischen 1000 und 1500, ein Paddel 200 bis 300 Euro. Hinzu kommen Helm, Schutzweste und Gesichtsschutz", erklärt Weinberger, die ursprünglich vom Wildwasserfahren kommt, und deren Schwester, Cousine und Freund ebenfalls im Boot sitzen.
"Über die Familie und Freunde kommen viele zu der Sportart. Aber wir haben in Deutschland auch eine sehr gute Nachwuchsarbeit. Bei den deutschen Meisterschaften waren 30 Schülermannschaften am Start", sagt Damen-Bundestrainerin Anne Reimers, die ihr zweites Kind erwartet und dem Team diesmal nur vom Beckenrand aus hilft.
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