Der Tiefpunkt ist erreicht: Katarina Witt schämt sich für deutsches Eiskunstlaufen
zuletzt aktualisiert: 28.12.2001 - 08:58Hamburg (rpo). Katarina Witt lässt kein gutes Haar am deutschen Eiskunstlaufen. Die zweifache Olympiasiegerin gibt zu, dass sie sich für ihren Sport schämt. "Der Tiefpunkt wurde jetzt beim 100-jährigen Jubiläum der Deutschen Eislauf-Union erreicht", schreibt die viermalige Weltmeisterin in einer Zeitung.
Mit dem Sport sei es in den vergangenen Jahren stetig bergab gegangen, teilt Witt in einem Gastbeitrag für die "Bild-Zeitung". Als Zuschauerin bei den deutschen Meisterschaften Anfang Dezember in Berlin hätte sie angesichts der schlechten Leistungen "heulen können. Ich habe mich so in Grund und Boden geschämt."
Der gebürtige Chemnitzerin hält zur Krisenbewältigung einen Neuanfang in der Sportart für sinnvoll. "Ich glaube, es muss von Grund auf aufgeräumt werden, komplett neu angefangen, mit engagierten Leuten", betont die 36-Jährige, die als Profi immer noch auf dem Eis steht. Neben ihrer Kritik an vielen deutschen Läufern, "die nicht für den Sport brennen", räumt sie auch erschwerte Bedingungen im Leistungssport ein: "Die Kinder müssen täglich sechs, sieben Stunden zur Schule gehen und dann noch Hausaufgaben machen. Da bleibt wenig Zeit, um Leistungssportler werden zu können." Da könne man keine Höchstleistungen erwarten.
In der alten DDR habe sich dagegen die Schule nach dem Sport gerichtet. "Ich will jetzt nicht das alte Ost-System heraufbeschwören. Aber man könnte sich doch die Dinge, die funktioniert haben und Erfolg brachten, herausschälen", schlägt Witt vor. Ein Fehler des Verbandes sei es auch gewesen, ihre ehemalige Trainerin Jutta Müller nach der Wende "kaltzustellen". "Es wirkte so, als ob man sich rächen wollte dafür, dass sie über Jahre die erfolgreicheren Sportler hatte." Inzwischen ist die DEU wieder zur Zusammenarbeit mit der Erfolgstrainerin bereit. Die 72- Jährige unterstützt seit Sommer den deutschen Meister Stefan Lindemann aus Erfurt.
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