Tennis: Auch Anke Huber ausgeschieden: Kiefer 2000: Müde, ratlos, ausgebrannt
zuletzt aktualisiert: 26.03.2000 - 22:47Miami (sid) Müde, ratlos, ausgebrannt: Nicolas Kiefer ist von seinen ehrgeizigen Zielen weiter entfernt als je zuvor. Beim Masters in Key Biscayne verlor Deutschlands bester Tennisspieler wie vor zwei Wochen in Indian Wells bereits sein Auftaktmatch und wirkte nach dem 4:6, 4:6 gegen den australischen Qualifikanten Richard Fromberg wie der personifizierte Frust: "Ich fühle mich schlapp und müde, völlig ausgepowert. Nach einer Viertelstunde konnte ich den Schläger kaum noch halten."
Das Racket aus der Hand legen muss nach der dritten Runde bereits auch Anke Huber. Die Karlsdorferin verlor als Nummer 14 der Setzliste gegen die fünf Plätze tiefer eingestufte Amerikanerin Amy Frazier nach 2:14 Stunden mit 7:5, 4:6 und 3:6 und verabschiedete sich einmal mehr frühzeitig von einem Turnier. Huber, die zuletzt zweimal in Serie und viermal insgesamt in der laufenden Saison zu Beginn gescheitert war, kam nach einem Freilos in Runde eins lediglich beim 6:2, 6:2 über die Weißrussin Tatjana Putschel zu einem kleinen Erfolgserlebnis.
Als Tommy Haas sich am Sonntag in Key Biscayne auf sein Match gegen Australiens Jungstar Lleyton Hewitt vorbereitete, saß Nicolas Kiefer unterdessen bereits im Flieger nach Deutschland. Spezialisten in Hannover sollen in den nächsten Tagen dem Grund für die dauernde Müdigkeit des 22-Jährigen auf die Spur kommen und Abhilfe schaffen. Bei einer Untersuchung in den USA hatte sich herausgestellt, dass Kiefers Blutwerte nicht in allen Bereichen optimal sind. "Ein paar Tage lang habe ich total flach gelegen, aber erholt habe ich mich trotzdem nicht", meinte Kiefer.
Alles hat der exzentrische Niedersachse in diesem Jahr seinen Planungen untergeordnet, sich in der Weltspitze zu etablieren, von der er sich derzeit bei jedem Turnier weiter entfernt. Das Daviscup-Viertelfinale im April in Adelaide gegen Australien und auch der ARAG World Team Cup in Düsseldorf (21. bis 27. Mai) werden ohne Kiefer stattfinden: "Ich brauche die Erholungsphase vor den French Open. Ich muss Prioritäten setzen."
Die haben sich mittlerweile ein wenig verschoben. "Ich will jetzt erstmal wissen, was mit meinem Körper los ist", sagte ein sichtlich verunsicherter Kiefer nach der Niederlage gegen Fromberg. Auf den 22-Jährigen warten in der europäischen Sandplatzsaison möglicherweise harte Wochen und Monate, denn Kiefer ist nicht unbedingt als Freund der roten Asche bekannt: "Umso wichtiger ist es, dass ich möglichst schnell wieder richtig auf die Beine komme." Immerhin steht bereits vom 17. bis 23. April das nächste Masters-Turnier im Monte Carlo Country Club auf dem Programm.
Wenigstens hat "Kiwi" bei der für ihn so unerfreulich verlaufenen US-Tour die Chance genutzt, alle Unstimmigkeiten mit Tommy Haas wegen eines angeblich unterlassenen Händedrucks in Indian Wells aus der Welt zu räumen: "Das war sowieso von den Medien ziemlich hochgespielt. Ich habe Tommy damals gar nicht gesehen."
Von seinem großen Vorbild Andre Agassi ist Kiefer derzeit jedenfalls meilenweit entfernt. Der Amerikaner, der in Indian Wells ebenfalls sein Auftaktmatch gegen den Marokkaner Hicham Arazi verloren hatte, präsentierte sich in Key Biscayne in blendender Spiellaune und erteilte seinem Landsmann Andy Roddick, Nummer eins der Junioren-Weltrangliste, beim 6:2, 6:3 eine kleine Lehrstunde. Auf der Tribüne erlebte Steffi Graf, die als fünfmalige Siegerin von Key Biscayne in die "Ruhmeshalle" des Turniers aufgenommen wurde, den lockeren Sieg ihres Lebensgefährten.
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