Nach der Verletzung in St. Pölten: Kiefer bangt um die French Open
zuletzt aktualisiert: 23.05.2000 - 11:21Wien/Düsseldorf (sid). Nach seinem neuerlichen Fehltritt hat Pechvogel Nicolas Kiefer die Hoffnung auf einen Start bei den French Open in Paris (29. Mai bis 11. Juni) fast schon aufgegeben. "Die Zeit ist knapp, es ist sicher eher unwahrscheinlich, dass ich dort spielen kann", sagte er sichtlich geknickt.
Dr. Reinhard Weinstabl, Österreichs bekanntester Promi-Mediziner und Vertrauensarzt von Steffi Graf, konnte dem frustrierten Deutschen nach der Untersuchung am Montagabend in Wien zumindest ein bisschen Hoffnung machen: "Sagen wir mal so: Es ist nicht ganz ausgeschlossen, dass Nicolas doch noch in Paris spielt."
Im Erstrundenspiel in St. Pölten gegen den Italiener Andrea Gaudenzi war es passiert. Nach gewonnenem ersten Satz wollte Kiefer "einen Ball mit der Rückhand nehmen, habe mich dann aber umgedreht, weil ich ihn noch mit der Vorhand erwischen konnte. Dabei bin ich hängen geblieben und habe mir den Fuß verdreht." Ein stechender Schmerz im rechten Fußgelenk, "der bis ins Knie hochschoss", war die Folge. "Ich war total geschockt", berichtete Kiefer: "Ich habe gedacht, dass kann doch nicht wahr sein, dass das ausgerechnet immer mir passiert."
Für Kiefer sollte St. Pölten die erste Etappe bei seinem Comeback nach zweimonatiger Verletzungspause sein. Nach einem Riss des Syndesmosebandes im rechten Bein hatte Kiefer am 23. März in Key Biscayne sein bis dato letztes Match gegen den Australier Richard Fromberg gespielt und verloren. "Eine sehr schmerzhafte Verletzung", so ATP-Physiotherapeut Bill Norris: "Ob Nicolas in Paris spielt, wird vor allem davon abhängen, wieviel Schmerzen er ertragen kann."
"Ein falscher Schritt im falschen Moment"
Lange hatte Kiefer sein Comeback hinausgezögert, immer wieder kurzfristig zurückgezogen, um sich den Belastungen eines Turniers nicht zu früh auszusetzen. Der Start in St. Pölten war von den Ärzten ohne jede Einschränkung abgesegnet worden. "Ich war sicher, dass es für mich die bestmögliche Vorbereitung auf Paris ist", meinte Kiefer: "Ich bin im Laufe des Spiels gegen Gaudenzi immer sicherer geworden, ich war rundum zufrieden, alles hat gestimmt."
Dabei hatte Kiefer anfangs schon erhebliche Angst gehabt, wieder zu spielen: "Solche Verletzungen hinterlassen Spuren. Man hat eine Sperre im Kopf, Angst, dass es wieder wehtun, dass wieder etwas kaputtgehen könnte." Die Befürchtungen waren nicht unbegründet: "Der Fuß war innen sofort dick geschwollen." Bill Norris war sicher: "Es ist die gleiche Verletzung wie in Indian Wells." Eine Diagnose, die Dr. Weinstabl weder bestätigen noch dementieren wollte: "Ich habe keinen Auftrag von Nicolas Kiefer, über die Art der Verletzung Auskunft zu geben."
Am Dienstagmorgen um 9.40 Uhr flogen Kiefer und sein Coach Bob Brett von Wien nach Paris. Brett leitet in der näheren Umgebung der Millionen-Metropole ein eigenes Trainingscamp, in dem Kiefer nun letzte Gehversuche auf dem Weg zu den French Open unternehmen will. "Nicolas hat sich nichts vorzuwerfen", sagte Bill Norris: "Er hat auf keinen Fall zu früh wieder angefangen. Im Training hatte er keine Probleme mehr. Es war einfach ein falscher Schritt im falschen Moment."
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