Wimbledon: Barna, Kandarr und Schüttler ohne Chance: Kiefer in der dritten Runde
zuletzt aktualisiert: 28.06.2001 - 22:47London (rpo). Nicolas Kiefer hat nach einem 7:6 (7:1), 6:3, 6:4-Erfolg über den Dänen Kristian Pless die dritte Runde erreicht. Chancenlos war Rainer Schüttler aus Bad Homburg bei seinem Auftritt in der zweiten Runde in Wimbledon. Der 25-jährige unterlag dem favorisierten Franzosen Sebastien Grosjean klar in drei Sätzen. Auch Jana Kandarr und Anca Barna verloren bei den Damen jeweils glatt in zwei Sätzen.
Im Geduldspiel von Wimbledon hat Nicolas Kiefer die Nerven bewahrt und ist Anke Huber und Daviscup-Kollege David Prinosil in die dritte Runde gefolgt. Auch von einer einstündigen Regenpause ließ sich der 23-Jährige am Donnerstag nicht die Konzentration rauben und schickte Debütant Kristian Pless aus Dänemark mit 7:6 (7:1), 6:2, 6:4 vom Platz. Eine Schrecksekunde im ersten Satz, als der Holzmindener beim Stande von 3:3, 40:40 stürzte, blieb ohne Folgen. Nächster Gegner ist am Samstag entweder der Franzose Cedric Pioline oder Andrej Stoliarow aus Russland, deren Match im fünften Satz wegen der hereinbrechenden Dunkelheit abgebrochen werden mußte.
Rainer Schüttler dagegen entkam dem zwischenzeitlichen Regen - nicht aber Sebastien Grosjean. Im feuchten Wimbledon rutschte der 25-Jährige am Donnerstag wie sein Daviscup-Kollege Thomas Haas aus und musste seine Ambitionen auf dem Rasen an der Church Road begraben. Beim 5:7, 2:6, 6:7 (6:8) gegen den über weite Strecken übermächtigen Franzosen stieß der Bad Homburger an seine Grenzen und verabschiedete sich wie vor zwei Jahren in der zweiten Runde aus London. "Ich muss weg hier", war der verständliche Kommentar des total Frustrierten.
"Ich bin unheimlich enttäuscht", ärgerte sich Schüttler. "Speziell im ersten und dritten Satz war viel mehr drin." Das "komische Spiel" begann nach dem dritten Ballwechsel, als die Partie im Regen unterbrochen werden musste. Als die erstmals bei den 115. All England Championships ausgebreiteten Planen nach knapp einer Stunde wieder eingerollt waren, durchkreuzte Grosjean Schüttlers Pläne. Der Weltranglisten-Fünfte servierte besser und machte weniger Fehler. Schüttler, dem eine Adduktoren-Zerrung nicht als Ausrede diente ("daran lag`s nicht"), wurde mit jedem Schlag ärgerlicher und ließ seinen Frust an Schläger, Kappe und Handtuch aus.
Kiefer hielt die Fahne hoch
Nur noch Nicolas Kiefer hat die Fahne des Deutschen Tennis Bundes (DTB) hoch gehalten und ist als zweiter der sieben gestarteten Herren David Prinosil in die dritte Runde gefolgt. Doch "Kiwi" wurde wie auch die beiden Heidelbergerinnen Jana Kandarr und Anca Barna vom Regen über London gestoppt. Nach nur einem Aufschlagspiel und 1:0- Führung musste Kiefer seinen zweiten Einsatz bei dem mit 11,8 Millionen Dollar dotierten Grand-Slam-Turnier gegen Kristian Pless unterbrechen. Schon beim Einspielen gegen den Dänen, den Schüttler vor einer Woche in Nottingham klar geschlagen hatte, begann es wie im Schüttler-Match abermals zu regnen.
Eine Schmerztablette und einen großen Eisbeutel ließ sich Kiefer nach seinem Sturz auf glitschigem Gras bringen. Daviscup-Kapitän Carl-Uwe Steeb und der kleinen deutschen Fangemeinde stockte der Atem. Sollte Kiefer wie Thomas Haas zwei Tage zuvor von einer Verletzung gestoppt werden? Doch der Niedersachse biss sich durch, ließ sich noch einige Male vom Physiotherapeuten versorgen und brachte den ersten Durchgang im Tiebreak glatt über die Bühne. Danach war der Bann gegen die Nummer 103 der Weltrangliste, die Schüttler vor einer Woche in Nottingham klar geschlagen hatte, aber gebrochen. Der 65 Plätze besser eingestufte Kiefer bestimmte das Geschehen nicht zuletzt dank seines starken Aufschlags. Nach einem streckenweise starken Spiel konnte sich der 97er Viertelfinalist zufrieden über seine kurz geschorenen Haare fahren.
Einen Steinwurf entfernt, auf dem Center Court, kam Andre Agassi (Foto) unterdessen wie Mitfavorit Patrick Rafter (Australien) und die 99er Titelträgerin Lindsay Davenport (USA) zu einem leichten Erfolg. Auch ohne die Unterstützung seiner Freundin Steffi Graf, die geschäftlich in die Heimat musste, stürmte er gegen den mit einer Wildcard ins Hauptfeld gerutschen Briten Jamie Delgado zu einem 6:2, 6:4, 6:3- Sieg. Im Achtelfinale könnte der 31-Jährige aus den USA der große Prüfstein für Nicolas Kiefer werden.
Agassis Landsmann Pete Sampras hatte tags zuvor an selber Stelle nur knapp sein Waterloo abwenden können. Die Szenen seines Fünfsatz- Krimis gegen den Briten Barry Cowan flimmerten am Donnerstag unaufhörlich als Pausenfüller über die Bildschirme. "Ich war in höchster Not. Aber Gott sei Dank ist es gut gegangen. Herzlichen Glückwunsch an Barry; er hat toll gespielt", so Sampras.
Nach 0:2-Rückstand schaffte der Weltranglisten-201. in den Abendstunden den Ausgleich und kratzte im fünften Satz weiter kräftig am Renommee des Superstars. Beim Stande von 3:4 hatte er sogar zwei Breakbälle und musste doch neidlos anerkennen: "Da hat Pete eben zwei Asse geschlagen." Ganz so einfach ist das freilich nicht. "Aber", so erzählte der siebenfache Champion, "auch im fünften Satz habe ich nie einen Grund zur Panik verspürt." Nach dem bestandenen Härtetest ("natürlich ist es besser für den Körper, wenn man glatt gewinnt") strebt der Amerikaner weiter nach dem Rekord des Schweden Björn Borg, der Ende der 70er Jahre fünf Mal in Serie gewonnen hat. Sampras: "Das würde mir gefallen."
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