All England Tennis Championships: Kiefer jetzt gegen Agassi
zuletzt aktualisiert: 30.06.2001 - 20:50Wimbledon (rpo). Nach der Pleite in Paris hat es zumindest Nicolas Kiefer beim wichtigsten Tennisturnier des Jahres in die zweite Woche geschafft. Vier Sätze benötigte der Holzmindener, um Andrej Stoljarow niederzuringen. Dabei hätte Kiefer es durchaus einfacher haben können.
Mit einer durchschnittlichen Leistung schickte der 23-Jährige den Russen mit 7:6 (7:5), 6:4, 6:7 (4:7), 6:3 vom Rasen und zog damit wie bei seinem Debüt an der Church Road 1997 als einer von zwei deutschen Tennis-Profis neben Anke Huber in die Runde der letzten 16 ein. Dort wird die Aufgabe gegen den 92-er Champion Agassi am Montag freilich um einiges schwieriger. In welch großartiger Form sich der Amerikaner befindet, musste er beim 6:3, 6:1, 6:1 gegen den Chilenen Nicolas Massu nicht einmal ansatzweise unter Beweis stellen.
"Ich habe keine Probleme mehr", konnte Kiefer schon vor dem Drittrundenmatch Entwarnung geben. Dass die Behandlung durch seinen Physiotherapeuten Jan Velthuis Erfolg hatte und der lädierte Oberschenkel wieder okay war, zeigte sich bereits beim Einspielen. Doch dann war erst einmal wieder Schluss mit lustig: Der Regen kam und die noch gar nicht gestartete Partie wurde für eine gute halbe Stunde verschoben.
Dumme Fehler nach der Pause
Die Pause raubte dem Deutschen aber einen Teil seiner Konzentration. Vor allem bei langen Ballwechseln leistete er sich dumme Fehler. Viel zu selten suchte er den direkten Erfolg am Netz. Dabei hatte er, wann immer er genau das tat, Erfolg. So auch, als er nach verlorenem Aufschlagspiel zum 5:6 mit dem Rücken zur Wand stand. Prompt durchbrach er seinerseits das Service des 24-Jährigen, der den bislang einzigen Vergleich 1997 in Taschkent gewonnen hatte. Den Tiebreak holte sich Kiefer schließlich ausgerechnet nach dem längsten Ballwechsel der Partie mit 7:5.
Im weiteren Verlauf des Matches hatte Kiefer meist die bessere Antwort parat. Zunächst auch im Tiebreak des dritten Satzes, in dem er schon mit 4:0 führte. Doch dann hielt der Schlendrian Einzug, und der Weltranglisten-38. gab sieben Punkte in Serie ab. Der Schläger musste seinen Frust ertragen und anschließend der Russe, der die beiden nächsten Spiele zu Null verlor. Der Bann war gebrochen, und Kiefer ließ sich die Konzentration nicht noch einmal rauben.
Die Standortbestimmung gegen Steffi-Graf-Freund Agassi lockt. Doch um sie nach dem traditionell freien Sonntag bei den All England Championships zu bestehen, muss sich der Niedersachse noch um einiges steigern. "Aber nichts ist unmöglich", sagte er nach dem dritten Sieg in Folge. Das war ihm in dieser Saison noch nicht gelungen.
Debütant Stoliarow verabschiedete sich erhobenen Haupts und in bester Gesellschaft. Sein Landsmann Jewgeni Kafelnikow, der wie er aus Sotschi am Schwarzen Meer kommt, schied nur wenige Minuten vorher in vier Sätzen gegen den Argentinier Guillermo Canas aus. Mühen musste sich Geheimfavorit Lleyton Hewitt gegen den Marokkaner Younes El Aynaoui. Weiter sind auch French-Open-Finalistin Kim Clijsters aus Belgien und die amerikanische Titelverteidigerin Venus Williams.
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