Auch Kafelnikov überraschend draußen: Kiefer scheitert an Mark Philippoussis
zuletzt aktualisiert: 28.06.2002 - 18:03London (rpo). Wimbledon 2002 ist für Nicolas Kiefer beendet. Der Holzmindener scheiterte in der dritten Runde in vier Sätzen an Mark Philippoussis.
Anders als die deutschen WM-Kicker konnte der 24-Jährige eine 1:0-Führung nicht nutzen und musste sich gegen den selbst ernannten Turnierfavoriten aus Australien mit 6:3, 3:6, 4:6, 2:6 geschlagen geben. "Ich freue mich auf das WM-Endspiel gegen Brasilien und wäre dann noch gerne im Turnier", hatte sich der Fußball-Fan vorgenommen. Daraus aber wurde nichts; das Viertelfinale bei seinem London-Debüt 1997 bleibt sein bestes Ergebnis.
Ausgeschieden ist auch der an Position fünf gesetzte Jewgeni Kafelnikow. Vor knapp einer Woche hatte der Russe Kiefer im Finale des Rasenturniers im westfälischen Halle gegenüber gestanden gewonnen. Am Freitag unterlag er dem Belgier Xavier Malisse in der dritten Runde mit 6:7 (4:7), 5:7, 1:6.
Einziger Akteur des Deutschen Tennis Bundes (DTB) bei den mit 13,2 Millionen Dollar dotierten All England Championships ist nun Rainer Schüttler. Der Korbacher will an diesem Samstag den Bann brechen und bei seinem fünften Auftritt auf dem Heiligen Rasen an der Church Road zum ersten Mal die dritte Runde überstehen. Gegen den Spanier Feliciano Lopez stehen die Chancen nicht einmal schlecht, zumal der Wahl-Schweizer in seinen beiden Matches bisher eine starke Form zeigte. "Ich bin sehr gut drauf und hoffe, dass es so bleibt", meinte der 26-Jährige, der als Nummer 17 erstmals zu den gesetzten Topspielern gehört.
Kiefer hatte sich für sein Drittrunden-Match einiges vorgenommen. Hellwach und hochmotiviert drängte er Philippoussis zunächst mit seinem druckvollen Spiel an die Wand. Mit 3:0 ging er rasch in Führung und ließ sich den ersten Satz nicht mehr aus der Hand nehmen. Doch dann leistet sich Kiefer eine kurze Schwächeperiode, die ihn auf die Verliererstraße brachte. Zunächst ließ er die Chance zum Break verstreichen, dann gab er seinen Aufschlag ab und ermöglichte seinem ein Jahr älteren Kontrahenten mit 3:0 die Rückkehr ins Match.
"Es macht wieder Spaß, Tennis zu spielen"
Dabei hatte ihn Boris Becker als Kommentator für die BBC gerade noch in den höchsten Tönen gelobt. "Nicolas spielt sehr schlau und ist der klar bessere Spieler auf dem Court", meinte der dreimalige Wimbledonsieger. Doch dann war alles anders. Nicht etwa, weil Kiefer sehr viel schlechter spielte. Nein, aber Philippoussis kaufte dem Holzmindener nun mit seinem exorbitanten Aufschlag mehr und mehr den Schneid ab. Wann immer es notwendig war, knallte er dem Niedersachsen ein Ass um die Ohren - am Ende waren es 33. Und das verunsicherte Kiefer dermaßen, dass er mehr und mehr auch die Kontrolle über sein Service verlor.
"Ich habe wenige Chancen gehabt und leider nur eine im ersten Satz genutzt", ärgerte sich Kiefer. Auf der anderen Seite war er aber froh, die schlimme Niederlagenserie endgültig gestoppt zu haben. "damals ging es drunter und drüber", so Kiefer. "Gegen Mark kann man verlieren. Wenn er so weiter spielt, ist hier viel für ihn drin." Für Kiefer bleibt das Viertelfinale aus seinem London-Debüt 1997 zwar sein bestes Ergebnis, aber der Start in die zweite Saisonhälfte sei dennoch ermutigend. Aufzuhören sei jedenfalls kein Thema mehr. "Es macht wieder Spaß, Tennis zu spielen", sagte der Fußball-Fan.
Philippoussis nun gegen Richard Krajicek
"In diesem Jahr bin ich dran, das Turnier hier zu gewinnen", hatte Philippoussis schon vor dem ersten Aufschlag getönt. Drei Knieoperationen hat der Weltranglisten-65. seit 1999 überstanden und war jedes Mal zurückgekommen. Zum fünften Mal kreuzte er die Klingen mit Kiefer; die beiden letzten Vergleiche hatte er jeweils im Finale verloren - 1997 in Toulouse und 2000 in Hongkong.
Philippoussis trifft im Achtelfinale auf Richard Krajicek. Der Champion von 1996 aus den Niederlanden war nach Operationen an Knie und Schulter eineinhalb Jahre außer Gefecht gesetzt und feiert ein glänzendes Comeback. Gegen Agassi-Bezwinger Paradon Srichaphan setzte sich der 30-Jährige mit 7:6 (7:5), 6:4, 6:2 durch. Zu einem 7:5, 6:2-Erfolg kam Jelena Dokic gegen Nathalie Dechy. Nächste Gegnerin der Jugoslawin ist Daniela Hantuchova aus der Slowakei.
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