Tennis: Kiefer/Schüttler auf Medaillenkurs
zuletzt aktualisiert: 18.08.2004 - 22:28Athen (rpo). Nicolas Kiefer hat seine Einzelniederlage schnell vergessen gemacht. Zusammen mit Rainer Schüttler greift der Hannoveraner im Doppel nach einer Medaille.
Nach dem 2:6, 6:2, 6:2 über die Israelis Jonathan Erlich und Andy Ram im Viertelfinale spielen Kiefer/Schüttler um eine Olympiamedaille und können damit eine deutsche Tradition fortsetzen. Becker/Stich hatten 1992 Gold gewonnen, David Prinosil und Marc Goellner 1996 Bronze.
Im Halbfinale treffen Kiefer und Schüttler auf das indische Weltklassedoppel Mahesh Bhupathi/Leander Paes. Selbst bei einer Niederlage hätten sie immer noch im "kleinen Finale" die Chance auf Bronze. Kiefer und Schüttler können sich so doch noch ihren Traum vom Edelmetall erfüllen. "Das ist doch das Ziel eines jeden Sportlers", sagte Kiefer.
Dabei hatte er nur rund vier Stunden zuvor eine große Enttäuschung hinnehmen müssen. "Ich habe viele bittere Niederlagen erlebt, dies ist eine der schlimmsten", sagte der 27-Jährige mit stockender Stimme und Tränen in den Augen nach seinem 2:6, 6:3, 2:6 gegen den Russen Michail Juschni. Die Kraft hatte nach gerade überstandener Mittelohr-Entzündung nicht gereicht, die Power war nicht da, und "50 Prozent reichen gegen so einen Mann eben nicht".
Haas-Bezwinger und Topfavorit Roddick gescheitert
Kiefer ist allerdings nicht der einzige, der seine olympischen Ambitionen begraben musste. Der an Nummer zwei gesetzte Andy Roddick (USA) verlor einen Tag nach dem grandiosen Match gegen Tommy Haas gegen den Chilenen Fernando Gonzalez mit 4:6, 4:6. Damit sind die Nummer eins und zwei der Welt in Athen nicht mehr dabei, nachdem der Schweizer Roger Federer am Vortag gegen den Tschechen Tomas Berdych verloren hatte. Im Dameneinzel beendete Sydney-Siegerin Venus Williams ihr Olympia 2004 durch ein 4:6, 4:6 gegen die Französin Mary Pierce.
Saft- und kraftlos schlich Kiefer gegen Juschni im ersten Satz über den Platz, da halfen auch die Anfeuerungen der etwa 100 deutschen Fans nicht. Der Russe hatte die Wahl gewonnen und sich für Rückschlag entschieden, eine gute Entscheidung des 22-Jährigen, der Kiefer sofort den Aufschlag abnahm.
Der Deutsche kam in der Folge nie ins Spiel. Er verschlug reihenweise einfache Bälle, seine Volleys landeten nur selten im Feld des Gegners, dafür umso öfter im Netz. Auch mit seinen Grundschlägen war er fast nie in der Lage, den 41. im Champions Race unter Druck zu setzen. Im zweiten Satz kam er zwar besser ins Spiel, fiel aber nach vergebenen Breakchancen zum Beginn des dritten Durchgangs wieder in die Fehler vom ersten Satz zurück.
Schon nach seinem mühsamen Zweitrundensieg gegen den Zyprioten Marcos Baghdatis hatte Kiefer über körperliche Beschwerden geklagt: "Ich bin todmüde und habe extrem schwere Beine, mein Körper spürt die Belastungen der letzten Wochen und die vielen Medikamente." Er habe aber keinen Moment an Aufgabe gedacht, Olympia sei schließlich nur alle vier Jahre: "Das hier ist einzigartig, ich genieße die Atmosphäre im Olympischen Dorf und möchte auf jeden Fall versuchen, so lange wie möglich hier zu bleiben."
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