Becker-Arzt macht deutsche Nummer eins fit: Kiefer: Start bei French Open möglich
zuletzt aktualisiert: 24.05.2000 - 11:52Hamburg (dpa). Dem Schock folgte die Erleichterung. "Es ist zwar noch nicht ganz sicher, aber der Doktor meint, dass ich bei den French Open spielen kann." Nicolas Kiefer war über diese, "endlich einmal gute Nachricht" heilfroh und die unheimliche Freude über die günstige Diagnose von Becker-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt war mehr als deutlich heraus zu hören. Hatte er tags zuvor noch niedergeschlagen und tieftraurig geklungen, so war der 22-Jährige am Mittwoch im Gespräch mit der dpa fast schon euphorisch.
Gebremst euphorisch, denn noch steht die Behandlung des gedehnten Bandes und der gezerrten Sehne sowie der lädierten Kapsel im rechten Sprunggelenk an. Doch der Erfolg und der wieder ganz fest ins Visier genommene Start bei dem Grand-Slam-Turnier auf dem Sand in Roland Garros (29. Mai bis 11. Juni) liegt in bewährten Händen. Neben Müller-Wohlfahrt wird sich auch Physiotherapeut Klaus Eder um den Pechvogel kümmern. Nicht zum ersten Mal übrigens, denn schon nach dem Fehltritt in Miami ließ sich Kiefer am Rande des Fußball-Länderspiels gegen die Schweiz von den beiden versorgen.
Aber Gott sei Dank sei es diesmal "nicht wieder die alte Verletzung. Das ist das wichtigste", sagte Kiefer. Wie die Augenzeugen des neuerlichen Rückschlags beim Sandplatzturnier in St. Pölten hatte auch der Weltranglisten-18. aus Holzminden spontan gedacht, wie vor gut sechs Wochen sei wieder das Syndesmoseband gerissen. "Doch die Untersuchungen haben ergeben: Das ist es nicht. Und wenn der Doc das sagt, dann stimmt es auch."
Den unbedingten Glauben an den inzwischen weltweit gefragten Mediziner hat nicht nur Nicolas Kiefer. Auch Boris Becker und die Fußballer von Bayern München sowie der Nationalmannschaft schwören auf "seine heilenden Hände", wie es im Lobgesang auf den - wie Kiefer - gebürtigen Niedersachsen heißt, der in einem Pfarrhaus in Ostfriesland aufwuchs. "Er kann alles erfühlen", sagt der momentan beste deutsche Tennisprofi fast ehrfürchtig.
Mit annähernd der gleichen Ehrfurcht begegnete der Tennisspieler Kiefer am Dienstagabend dem "Metro-Star" Lothar Matthäus, der zu seinem Abschiedsspiel gerade in München gelandet war. "Wir kennen uns schon länger", meinte Kiefer nach dem Treffen in der Lobby seines Hotels. Am liebsten wäre der Hannover-96-Anhänger bei dem Fußball- Leckerbissen am Freitag im Olympiastadion selbst dabei. "Doch da bin ich hoffentlich schon in Paris", sagte Kiefer, "und kann mich voll und ganz und vor allem gesund auf die French Open vorbereiten."
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