Australian Open in Melbourne starten am Montag: Kiefer: Suche nach dem Glück
zuletzt aktualisiert: 12.01.2002 - 22:05Melbourne (rpo). Nicolas Kiefer muss am Montag ganz früh ganz ausgeschlafen sein, wenn sein Traum von einem erfolgreichen Start ins neue Tennisjahr nicht ganz früh enden soll. Bereits um 10.00 Uhr greift der Hannoveraner als erster von insgesamt 15 deutschen Tennisprofis beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres zum Schläger.
Der Tscheche Jiri Novak ist sein Gegner auf Nebenplatz drei. Für "Kiwi" schon so etwas wie ein "Endspiel" der Hoffnungen. Mit frischem Elan und neuem Trainer will der Niedersachse das "Seuchenjahr" 2001 down under vergessen lassen und wieder zu alter Form auflaufen.
Der an 26 gesetzte Tscheche stellt da schon eine tückische Aufgabe für einen Spieler dar, der vor allem mit seinem mangelnden Selbstvertrauen zu kämpfen hat. Immerhin spricht der direkte Vergleich mit 4:2-Siegen für den Deutschen, der trotz seiner glatten Erstrundenniederlage letzte Woche gegen seinen Daviscup-Kontrahenten Rainer Schüttler in Sydney in Melbourne locker wirkt. "Ich fühle mich gut, habe keine Beschwerden und habe gut trainiert", sagte Kiefer, "es kann losgehen."
Er spricht damit allen Sportfans in Melbourne aus der Seele, die es kaum erwarten können, dass ihr Tennisfest beginnt. Sie werden sich allerdings verwundert die Augen reiben, wenn sie die fantastische Anlage am Yarra River betreten. Statt im jahrelang gewohnten blau sind die Hardcourts nun grün eingefärbt. Die Farbe der Hoffnung als Symbol für die Erwartungen einer ganzen Nation, die auf den schmalen Schultern des topgesetzten einheimischen Weltmeisters Lleyton Hewitt lasten. Seit Roy Emerson vor 26 Jahren gewann, warten die "Aussies" vergeblich auf einen siegreichen Local Hero. Und als Hewitt letzte Woche mit Windpocken darniederlag, juckte es fast ein ganzes Volk.
Der 20-Jährige aus Adelaide ist noch rechtzeitig gesund geworden, greift jedoch erst am Dienstag gegen den Spanier Alberto Martin ins Geschehen bei der mit 16,5 Millionen Australischen Dollar (10,31 Millionen Euro) dotierten Veranstaltung ein. Auch der an acht gesetzte Tommy Haas (gegen Andrej Stoljarow/Russland) sowie Titelverteidiger Andre Agassi und Pete Sampras haben noch einen Tag mehr Zeit zur Vorbereitung. Der "alte Mann" Sampras zeigte sich bei seinem Endspielsieg beim Einladungsturnier in Melbournes Vorort Kooyong über Agassi in Glanzform. Er könnte den Traum des Steffi-Graf-Gatten vom Titelhatrick in Melbourne in dieser Verfassung scheitern lassen.
Ehefrau Steffi und Sohn Jaden Gill sind ebenfalls bereits in Melbourne eingetroffen und wurden am Samstag beim Shoppen erwischt. Die Familie Graf-Agassi fühlt sich traditionell in Melbourne besonders wohl. Die Stammplätze im Presseblock der Rod-Laver-Arena sind für Steffi, Trainer Brad Gilbert und Fitnesscoch Gil Reyes wieder reserviert. Agassi ist jedenfalls fest entschlossen, mit insgesamt vier Siegen bei den Australian Open den Rekord seiner Frau einzustellen.
Einen vierten Sieg strebt auch Martina Hingis an. Die ehemalige Weltranglisten-Erste konnte seit ihrem Erfolg in Melbourne vor zwei Jahren kein Grand-Slam-Turnier mehr gewinnen. Sie zeigte bei ihrem Turniersieg in Sydney aber, dass wieder mit ihr zu rechnen ist. Zumal eine ihrer härtesten Kontrahentinnen fehlt. Die Weltranglisten-Erste Lindsay Davenport tritt wegen einer Verletzung nicht an, ob Serena Williams nach ihrer Bänderdehnung richtig fit wird, scheint auch unsicher. Das Damenfeld wird angeführt von Titelverteidigerin Jennifer Capriati, die nach dem Turnier die Spitze im WTA-Computer übernehmen kann.
Nach dem endgültigen Abschied von Anke Huber hat der Deutsche Tennis Bund (DTB) erstmals seit Jahren keine gesetzte Spielerin mehr im Damenfeld. Bundestrainer Markus Schur ist dennoch zufrieden mit seinen Schützlingen: "Dass wir acht Spieler im Hauptfeld haben zeigt, dass wir in der Breite gut besetzt sind." Greta Arn aus Benrath erreichte noch durch die Qualifikation das Hauptfeld und tritt nun am Montag gegen Samantha Stosur (Australien) an. Auch Andrea Glass (gegen Barbara Schett/Österreich), Bianka Lamade (Celine Beigberger/Frankreich), Barbara Rittner (Eva Bes/Spanien) und Jana Kandarr (Nuria Llagostera Vives/Spanien) spielen am ersten Turniertag.
Bei den Herren muss neben Kiefer auch Qualifikant Michael Kohlmann antreten. Der Essener steht gegen den an vier gesetzten Jewgeni Kafelnikow allerdings vor einer sehr schweren Aufgabe. Auch der Oberhausener Lars Burgsmüller geht gegen den Slowaken Dominik Hrbaty nur als Außenseiter ins Match. Tommy Haas, Rainer Schüttler, Thomas Behrend und Axel Pretzsch spielen erst am Dienstag.
Daviscup-Kapitän Michael Stich ist übrigens nicht nach Australien geflogen, er kennt seine Pappenheimer. Die wollen sich in Melbourne noch einmal zusammensetzen und über ihre Wünsche gegenüber dem DTB beraten. Wobei eines für alle klar scheint, sagt jedenfalls Tommy Haas: "Es ist für uns eine Ehre, für Deutschland anzutreten."
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