French Open: Sampras gestürzt: Kiefer und Schüttler ausgeschieden
zuletzt aktualisiert: 29.05.2000 - 20:25Paris (sid). Am Knöchel verletzt, im Kopf gehemmt - Nicolas Kiefer ist in Paris wieder einmal früh gescheitert. Am ersten Tag der French Open, an dessen Ende auch der Amerikaner Pete Sampras seine Hoffnungen auf den letzten ihm fehlenden Grand Slam-Titel begraben musste, unterlag der 22-jährige Deutsche dem Amerikaner Jan-Michael Gambill 3:6, 5:7, 1:6. Wie schon vor einem Jahr gegen den Tschechen Martin Damm musste der gehandicapte Kiefer (Bänderdehnung) schon nach dem ersten Auftritt in Roland Garros gehen.
Für Sampras endete auch der elfte Anlauf auf die Sandplatz-Krone mit Frust und Enttäuschung. Der an Nummer zwei gesetzte Amerikaner verlor gegen den australischen Aufschlagkönig Mark Philippoussis am frühen Abend nach dramatischem Fünfsatz-Krimi 6:4, 5:7, 6:7 (4:7), 6:4, 6:8. Mit einem Doppelfehler beendete der 29jährige selbst das Match, mit hängendem Kopf schlich er unter dem grauen Himmel vom Court Central. Der Traum vom 13. Grand Slam-Titel, mit dem er den Australier Roy Emerson in der ewigen Bestenliste von Platz eins verdrängt hätte, bleibt vorerst unerfüllt.
Für Kiefer war das frühe Aus weniger dramatisch. Der an Nummer acht gesetzte Deutsche, nach achtwöchiger Verletzungspause im Champions Race auf Position 18 zurückgefallen, versuchte gegen den 36 Ränger tiefer eingestuften Gambill viel, aber es gelang ihm wenig. Nach nur 1:48 Stunden war der Spuk auf dem windigen Außenplatz zehn vorbei, auf dem er schon vor einem Jahr gescheitert war.
Für Kiefer kein Grund zur Resignation: "Irgendwo muss ich ja wieder anfangen. Ich habe mit Schmerzen gespielt, aber nach neun Wochen bin ich froh, dass ich mal wieder ein Match beendet habe", sagte der Verlierer nach seinem zweiten Sandplatz-Spiel im Jahr 2000. "Das war eine kurze Sandsaison. Aber jetzt geht es auf Rasen, und wenn ich wieder richtig fit bin, kann ich viele schlagen."
Auch für Daviscup-Spieler Rainer Schüttler war der erste Auftritt der letzte. Der 24-jährige Bad Homburger verlor gegen den Südafrikaner Wayne Ferreira 6:7 (5:7), 6:4, 3:6, 2:6. Wieder einmal scheiterte Schüttler im entscheidenden Moment an seinen Nerven, vor allem im ersten Satz vergab er gute Chancen gleich reihenweise. Boris Becker-Schützling Björn Phau (Leverkusen) schied gegen den Tschechen Bohdan Ulihrach mit 4:6, 1:6, 7:5, 4:6 aus. Zudem droht auch Tommy Haas am Dienstag gegen den starken Chilenen Marcelo Rios eine frühe Heimreise.
Keine guten Aussichten für die deutschen Männer, umso erfolgreicher kämpften die deutschen Frauen. Qualifikantin Julia Abe (Leverkusen) darf nach dem 1:6, 6:3, 6:4 gegen die Österreicherin Marion Maruska in der zweiten Runde gegen die Weltranglisten-Erste Martina Hingis (Schweiz) antreten. Barbara Rittner (Leverkusen) trifft nach dem 2:6, 6:3, 6:3-Erfolg gegen die Weißrussin Olga Barabanschikowa auf die an Nummer sechs gesetzte Französin Mary Pierce, French Open-Finalistin von 1994.
Nur sechs Tage nach seinem Ausrutscher in St. Pölten, wo er gegen den Italiener Andrea Gaudenzi wegen einer schmerzhaften Bänderdehnung im rechten Sprunggelenk aufgeben musste, war Kiefer schlichtweg noch nicht fit genug für Paris. Schon zuvor hatte er nach einem Syndesmosen-Riss am rechten Sprunggelenk acht Wochen pausiert. "Ich habe alles versucht, aber mir fehlen einfach Spiele und die Sicherheit", sagte er nach seinem kurzen Gastspiel. "Der Knöchel ist noch geschwollen, aber es wird besser. Die Fitness ist wieder einigermaßen da."
Wieder einmal brachte das größte Sand-Turnier der Welt Kiefer kein Glück. Nur ein Spiel gewann er bislang auf der roten Asche von Paris: 1998 in der ersten Runde gegen Tommy Haas. Was der deutschen Nummer eins blieb, war ein Trostpflaster von 19.000 Mark und die Erkenntnis, dass es nach seinem beständigen Aufstieg erstmals abwärts geht. "Er war die Nummer sechs der Welt, hat viel zu verteidigen. Jetzt muss er beweisen, dass er ein Champion ist", hatte Trainer Bob Brett schon vor den French Open erklärt.
Kommt hinzu, dass der Streit um seine Olympiateilnahme allmählich zur unendlichen Geschichte ausufert. DTB-Präsident Georg von Waldenfels hat sich strikt gegen die Olympia-Nominierung von Kiefer ausgesprochen, weil er in diesem Jahr nicht für Deutschland Daviscup spielt und sich auch über das kommende Jahr noch nicht klar geäußert hat. Kiefer mag sich darüber im Moment nicht reden, auch weil er weiß, dass ihm die Spielervereinigung ATP auf jeden Fall einen olympischen Startplatz garantieren wird. Trainer Bob Brett bezog schon mal klar Position und bezeichnete die Drohungen des DTB kurzerhand "als Terror".
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