Durchwachsene Bilanz der Deutschen: Kiefer und Schüttler weiter, Haas raus
zuletzt aktualisiert: 27.06.2001 - 09:14Düsseldorf (rpo). Nicolas Kiefer aus Hannover hat als dritter deutscher Spieler nach seinen Daviscup-Kollegen David Prinosil und Rainer Schüttler die zweite Runde bei den All England Tennis Championships in Wimbledon erreicht. Tommy Haas ist bereits in der ersten Runde ausgeschieden. Rainer Schüttler, Jana Candarr und Anca Barna haben die zweite Runde erreicht.
Tommy Haas spielte schlecht, bevor ihm schlecht wurde. Nach 2:20 Stunden Spielzeit in seiner Auftaktpartie in Wimbledon gegen Wayne Black gab der Daviscupspieler aus Hamburg sang- und klanglos auf, als es 4:6, 7:5, 1:6, 0:3 gegen ihn stand und die Chancen auf ein Weiterkommen aussichtslos schienen. So fügte der laut ATP-Computer beste deutsche Tennisspieler der Reihe seiner Pleiten und Pannen 2001 eine weitere Enttäuschung zu. "Herr Haas fühlt sich übel", begründete der Stuhlschiedsrichter die Aufgabe des Deutschen.
Daviscup-Kamerad Nicolas Kiefer war zu Beginn seines Matches gegen Alex Calatrava (Spanien) noch schlechter, steigerte sich dann aber zum verdienten 2:6, 6:3, 6:1, 6:4-Erfolg. Auch der Bad Homburger Rainer Schüttler erreichte durch seinen 7:6 (7:3), 7:6 (7:4), 7:5-Erfolg über den Kroaten Ivan Ljubicic die zweite Runde, in der er auf den Franzosen Sebastien Grosjean trifft. Und Qualifikantin Anca Barna aus Nürnberg setzte mit einem 6:4, 6:4-Erfolg über Rita Grande aus Italien ihre Erfolgsserie fort.
Kiefer in Runde zwei gegen Dänen Kristian Pless
Nicolas Kiefer trifft in der zweiten Runde des mit 11,8 Millionen Dollar dotierten Grand-Slam-Tennisturniers in Wimbledon auf den Dänen Kristian Pless. Der 20 Jahre alte, in Florida lebende Weltranglisten-103. bezwang am Dienstag in London den Niederländer Jan Siemerink mit 7:6 (7:5), 6:4, 6:4. Zuvor hatte sich der drei Jahre ältere Kiefer (Holzminden) mit 2:6, 6:3, 6:1, 6:4 gegen den Spanier Alex Calatrava durchgesetzt.
Broccoli mit einer Käsesoße bei einem Nobel-Italiener in London könnten Schuld sein an dem Desaster von Haas. "Das habe ich am Montagabend gegessen. So was habe ich noch nie vorher gesehen", sagte Haas nach dem Match, "mir geht es echt schlecht." Bereits nach Ende des ersten Satzes hatte sich Haas vom Masseur auf dem Bauch liegend den chronisch angeschlagenen Rücken kneten lassen. "Es waren einige Wirbel nicht richtig drin", erzählte der 23-Jährige, "es fing schon vor einigen Tagen an, aber hier ist Wimbledon, da versucht man alles."
Kurzes Aufbäumen
Das Aufbäumen danach war nur von kurzer Dauer, bereits im dritten Satz diskutierte der Hamburger mehr mit dem Schiedsrichter, die Leistung wurde immer schwächer. "Lucky Loser" Black, der eigentlich in der Qualifikation gescheitert war, brauchte nur noch den Ball im Spiel zu halten. "Ich wusste gar nicht mehr, wo ich war, so etwas habe ich noch nie erlebt. Ich hatte das Gefühl, ich kippe gleich um." Auch Daviscup-Kapitän Carl-Uwe Steeb hatte Mitgefühl: "Er war in der Kabine hinterher sehr enttäuscht. Normalerweise kann er gegen Black nicht verlieren. Man hat gesehen, dass etwas nicht in Ordnung war."
Schon die Ansetzung des Matches auf Platz fünf ließ das Schlimmste befürchten. "Ich bin enttäuscht, dass ich nicht auf einem Show Court angesetzt wurde", sagte Haas vor der Partie im TV-Sender Premiere, "ich war hier schon in der Vergangenheit nicht so erfolgreich, weil es ein kleiner Platz ist." Da stehen die Zuschauer dicht an dicht auf Tuchfühlung. Vor der Partie musste er sich ohne Begleitung von Sicherheitskräften mit Trainer Sven Groenveld den Weg durch die Menge bahnen. Ein Anti-Star-Umfeld, das Haas, den selbsternannten "Centre-Court-Spieler", nun gar nicht behagte.
Doch die weisen Herren des All England Clubs haben die derzeitige Spielstärke und Attraktivität des Kappenträgers ohne Werbevertrag schon richtig eingeschätzt. Da nutzten auch die Proteste von Premiere nichts, die dadurch keine Liveübertragung des 23-Jährigen an die zahlenden Abonnenten zuhause zustande brachten. Als er vor der Aufgabe zum zweiten Mal nach medizinischer Unterstützung verlangte, hatte sein Gegner die Nase voll und rief nach einem Ober-Schiri: "Mr. Black ist total genervt", erklärte der Stuhlschiedsrichter, "er denkt, Haas will nur die Partie unterbrechen."
Unter chronischen Rückenproblemen hat der Hamburger seit langem zu leiden, akute Probleme waren vor seinem
Start beim wichtigsten Tennisturnier der Welt allerdings nicht bekannt. Zur Pflege reist er seit einiger Zeit deshalb mit einem eigenen Physiotherapeuten durch die Tennis-Welt. Seit rund zwei Monaten lässt er sich von Groeneveld als Trainer betreuen, voran geht es mit seiner Karriere aber nicht. Bei den Niederlagen in Hamburg und Halle in diesem Frühjahr wurde er von den deutschen Fans zum Teil ausgepfiffen - der einstige Sonnyboy ist dabei, einige Sympathien zu verspielen.
Daniel Elsner in Runde eins ausgeschieden
Daniel Elsner ist in Wimbledon in der ersten Runde ausgeschieden. Der Münchner unterlag am Dienstag dem Inder Leander Paes mit 0:6, 1:6, 6:3, 5:7. Damit sind bei den 115. All England Championships noch 9 der 15 gestarteten Akteure des Deutschen Tennis Bundes (DTB) im Wettbewerb.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum











