Wegen Donner, Blitz, Hagel und Sturm: Kieler Woche kommt "ins Schwimmen"
zuletzt aktualisiert: 28.06.2002 - 18:18Kiel (rpo). Am Freitag ist das Programm bei der 108. Kieler Woche kräftig durcheinander gewirbelt worden. Grund waren die schlechten Wetterverhältnisse, die einen Großteil der Wettfahrten nicht zuließen. Jetzt müssen die Segler während des Fußball-WM-Finales "nachsitzen".
"Durch das Wetter sind wir im olympischen Teil ins Schwimmen gekommen. Um die Regatta vernünftig zu Ende bringen zu können, müssen wir während des Endspiels segeln", sagte Dierk Thomsen, der Präsident des Deutschen Segler-Verbandes (DSV). Auch Wettfahrtleiter Dieter Rümmeli, selbst ein begeisterter Fußball-Anhänger, kündigte an: "Segeln hat Vorfahrt. Wir können gar nicht anders."
"Das ist zwar traurig, aber die Kieler Woche ist wirklich wichtiger", fand der neue Bundestrainer Roland Gäbler. "Ich werde die Jungs auf dem Laufenden halten", versprach der Olympia-Dritte, der am Sonntag ein Kofferradio und ein Fernsehgerät mit an Bord seines Motorboots nehmen und sein Team an jeder Wendemarke über den Spielstand informieren will. "Vielleicht werden wir an den Start- und Zielschiffen eine Tafel anbringen, um den Seglern das Ergebnis des Endspiels zwischen Deutschland und Brasilien anzuzeigen", zeigte auch Kieler-Woche-Pressechef Hermann Hell ein Herz für die segelnden Fußball-Fans.
Heiko Kröger mit zwei weiteren Tagessiegern
Beim größten Segler-Fest der Welt trotzte Paralympics-Sieger Heiko Kröger der stürmischen See und hat nach zwei weiteren Tagessiegen in der 2.4mR-Klasse seinen ersten Erfolg schon fast in der Tasche. Die Behinderten-Segler sind übrigens die einzigen Athleten, die auf dem Olympia-Revier von 1936 und 1972 keinen Wettfahrt-Rückstand haben. Gut dabei sind auch die Surfer - allerdings haben die DSV-Athleten auf der Ostsee in diesem Jahr nichts zu melden. In der Mistral-Klasse der Frauen schaffte die Olympia-Zweite Amelie Lux (Kiel) beim Comeback nach neunmonatiger Krankheitspause als Neunte nach acht der geplanten neun Wettfahrten immerhin den Sprung in die Top Ten.
Deutsche beherrschen die Yngling-Klasse
Im Yngling dagegen sind die deutschen Steuerfrauen eine Klasse für sich. Ulrike Schümann (Berlin) und Kristin Wagner (Feldafing) liegen auf den ersten beiden Plätzen der Gesamtwertung. In der Tornado-Klasse schaffte der eingebürgerte Australier Andrew Landenberger mit seinem Vorschoter Johannes Polgar mit Platz vier einen Lichtblick unter dem grauen Himmel. Nach der dritten von zehn Wettfahrten ist das Duo schon Fünfter der Gesamtwertung. Im Starboot sorgten Marc Aurel Pickel und illbruck-Star Tony Kolb mit Tagesplatz zwei für Aufsehen und sind Gesamtsechste. Reinhard Schmidt und Jochen Wolfram, zwei Außenseiter aus Uerdingen, stehlen dem Duo als Dritte allerdings die Show.
Wenigstens eine Wettfahrt schaffte Vorjahres-Gewinner Michael Fellmann. Der Sulzberger belegt im Finn-Dinghy genau wie seine Einhand-Kollegin Petra Niemann (Berlin), die im Europe einen Tagessieg schaffte, den Gesamtrang drei. "Es läuft super", freute er sich. Wie wohl die anderen 338 deutschen Segler auch wird Fellmann auch am Sonntag auslaufen: "Ich bin zum Segeln hier." Der Völler-Elf drückt er die Daumen: "Deutschland gewinnt 2:1."
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