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München
Kittel fügt sich in die Nebenrolle

München. Die deutschen Radsportler gehen mit Kapitän Greipel Mitte Oktober in die Straßen-Weltmeisterschaft in Katar. Die Deutschen kämpfen um den ersten Titel seit 1966.

Marcel Kittel hat sich schnell mit der Entscheidung arrangiert. "Wir können uns jetzt noch zwei Wochen lang alle querstellen, aber das hilft niemandem", sagte der Thüringer zur Nominierung des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) für die Straßenrad-Weltmeisterschaft in Katar. Nach einer wochenlangen Hängepartie zwischen Kittel und André Greipel um die Kapitänsfrage im deutschen Team nimmt der Verband nun doch beide mit in den Wüstenstaat - anders als es sich die Top-Sprinter eigentlich gewünscht hatten.

"Sie meinten, es würde nur mit einem von beiden Sinn machen. Aber wir konnten sie überzeugen, dass es so besser ist", sagte BDR-Vize-Präsident Udo Sprenger. Statt also das sechsköpfige Team für das WM-Straßenrennen am 16. Oktober um Kittel oder Greipel zu bilden und den anderen zu Hause zu lassen, ist jetzt Greipel der nominelle Kapitän und Kittel der Joker. "Der grundlegende Plan ist, für Greipel zu fahren, im Rennverlauf hat er das Sagen", erklärte Sprenger.

Greipel bedankte sich artig "für das Vertrauen, mir die Kapitänsrolle zu übertragen", über die Hinhaltetaktik des BDR hatte der 34-Jährige sich aber noch vor wenigen Tagen genervt geäußert. Schon seit Ende August hatten die beiden schnellen Radprofis auf eine Entscheidung gedrängt, auch weil ihrer Ansicht nach eine frühzeitige Klarheit angesichts der großen Chance auf den ersten deutschen WM-Titel im Straßenrennen seit Rudi Altig (1966) wichtig sei.

Dass der Verband seine Top-Fahrer auch deshalb mit der wochenlangen Ungewissheit unnötig mental belastet habe, weist Sprenger von sich. "Die WM wird auch eine gewisse Belastung, und die beiden sind professionell genug", sagte er lapidar. Dennoch räumte zumindest Kittel ein, den Kopf zuletzt "nicht ganz frei" gehabt zu haben. Die Magenreizung, die ihn in der Vorwoche plagte, sei gleichwohl ausgestanden, sagte er.

In der Rolle des großen Favoriten sieht sich das deutsche Team allerdings nicht mehr, nachdem die Maximalstarterzahl von neun nicht erreicht wurde. "Wenn wir alle an einem Strang ziehen, haben wir gute Chancen", findet Greipel zumindest. Kittel sagte: "Das Ziel sollte für die Mannschaft schon sein, zu gewinnen, darüber muss nicht diskutieren. An dem Willen ändert das erstmal nichts."

Kittel zieht das Positive aus der Entscheidung, für die er sich eigentlich nach seinen Leistungen bei der Tour de France bis zuletzt im Vorteil gewähnt hatte. "Ich bin auch einfach froh, dass ich in Katar dabei sein darf. Die Nationalfarben zu tragen, ist eine ganze Ecke her", sagte der 28-Jährige, dessen letzter WM-Einsatz fünf Jahre zurückliegt. Er hält die gefundene Lösung für "nichts, was megaüberraschend kommt", betonte allerdings auch: "Ich verstehe die Nominierung so, dass wir verschiedene Optionen haben und warten müssen, was im Rennen passiert."

Über die Frage, ob nun Kittel womöglich Greipel den Sprint anfahren werde oder umgekehrt, sei nicht diskutiert worden, beteuern alle Beteiligten. "Die praktische Umsetzung besprechen wir vor Ort", sagte Sprenger, während auch Kittel nicht "im Detail" darauf eingehen wollte. "Schwer vorherzusagen, was im Rennen passiert", erklärte er, "das ist ein Punkt, wo das Team die Stärke ausspielen kann, dass wir mehrere Leute haben. Das andere sollte in den Hintergrund rücken."

Die Champions-League-Partie zwischen Gladbach und Barcelona war bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet.

(sid)
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