Mike Tyson kann in Großbritannien boxen: Klage einer Frauenorganisation abgewiesen
zuletzt aktualisiert: 17.01.2000London (AP). Der Versuch der britischen Frauenorganisation Justice for Women, den amerikanischen Boxer Mike Tyson des Landes zu verweisen und damit seinen Kampf gegen Julius Francis zu verhindern, ist vor dem britischen High Court gescheitert. Die Frauenorganisation hatte am Montag gegen die Entscheidung des britischen Innenministers Jack Straw geklagt, den früheren Schwergewichts-Boxweltmeister nach Großbritannien einreisen zu lassen. Das Gericht urteilte nach einer 90-minütigen Verhandlung, es gebe keinen Grund, Straws Beschluss zu überprüfen.
Straws Entscheidung in der vergangenen Woche war eine hitzige Debatte voraus gegangen. In Großbritannien dürfen ausländische Straftäter nicht ohne "besondere Umstände" einreisen, wenn ihre Delikte ihnen auf der Insel eine Gefängnisstrafe von mehr als einem Jahr eingebracht hätten. Tyson war 1992 in den USA wegen Vergewaltigung einer 18-jährigen zu einer Gefängnisstrafe von sechs Jahren verurteilt worden, von denen er drei Jahre absaß. Straw begründete die Ausnahmegenehmigung für Tyson unter anderem mit den Interessen der Geschäftsleute in Manchester, wo Tyson am 29. Januar in den Ring steigen will.
Julie Bindel, die Sprecherin der Frauenorganisation, nannte Tyson eine "absolute Schande" und forderte ihn auf, seine Einnahmen aus dem Boxkampf einer Hilfsorganisation für vergewaltigte Frauen zu spenden. Tysons Preisgeld wird auf fünf bis acht Millionen Pfund (16 bis 25 Millionen Mark) geschätzt. Weiter sagte Bindel: "Wir wünschten, der Innenminister würde sich für Menschen einsetzen, die bei uns wirklich Zuflucht vor Verfolgung suchen, statt für Millionäre, die Frauen vergewaltigen." Unterdessen haben britische Schwarzenorganisationen für Tyson Partei ergriffen.
Tyson hat sich in dem festungsartigen Grosvenor-House-Hotel in London einquartiert. Dort trainiert er in einem provisorisch als Übungsraum hergerichteten Salon mit Kronleuchtern an der Decke und dicken Teppichen auf dem Boden. Als Tyson am Sonntag auf dem Londoner Flughafen Heathrow aus dem Flugzeug stieg, wurde er von rund 500 Journalisten, Fotografen und Fans wie ein Rockstar empfangen. Die Zeitung "Daily Mail" berichtete, Tyson wolle Reggie Kray im Gefängnis von Kent in Südengland besuchen, wo dieser seit 1969 eine lebenslange Haftstrafe verbüßt. Der als "Unterweltmörder" bekannte Kray habe Tyson geschrieben, als dieser ebenfalls im Gefängnis saß. So seien die beiden Brieffreunde geworden.
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