Nagelprobe für "Eisenhammer": Klitschko soll US-Markt erobern
zuletzt aktualisiert: 02.08.2001 - 11:03Las Vegas (rpo). Am Sonntagmorgen soll es endlich soweit sein. Wladimir Klitschko will das Land der unbegrenzten Möglichkeiten erobern. Zuvor muss der "Eisenhammer" allerdings an Charles Shufford vorbei.
Der Schwergewichts-Champion der World Boxing Organization (WBO) soll den ubekannten Amerikaner in Las Vegas auf die Bretter schicken, um von der Öffentlichkeit in den USA als möglicher Rivale für die Marktführer Lennox Lewis, Hasim Rahman, John Ruiz, Evander Holyfield oder Mike Tyson anerkannt zu werden. Als angenehmes Zubrot gibt es eine Börse von rund vier Millionen Mark (2,05 Millionen Euro).
"Wladimir Klitschko", schwärmt der amerikanische Box-Journalist James Rall, "ist der beste Schwergewichtler der Welt. Er hat die Größe, die Stärke, das Tempo und die Kraft." Doch Rall sieht auch ein entscheidendes Manko: "Das einzige, was ihm noch fehlt, ist die Anerkennung. Doch diese wird er nicht erhalten, wenn er weiter gegen die Shuffords dieser Welt boxt."
Der 28-jährige Shufford steht zwar in der WBO-Rangliste an Position neun, doch die Platzierung schmeichelt seinem wahren Leistungsvermögen ungemein. In der unabhängigen Computer-Rangliste findet er sich nach 17 Siegen und einer Niederlage auf Platz 30 wieder. Titelverteidiger Klitschko (36 Siege, davon 33. K.o., eine Niederlage) nimmt im selben Klassement Rang acht ein. Allerdings ist gerade in der Schwergewichts- Szene alles möglich, wie WBC- und IBF-Weltmeister Rahman vor einigen Monaten mit seinem völlig überraschenden Sieg gegen Lewis bewies.
Klitschko: US-Fernsehpräsenz ist sehr wichtig
In Europa ist der in Hamburg lebende "kleine" Klitschko an sportliche und finanzielle Grenzen gestoßen. Größeres Renommee und prallere Börsen gibt es nur noch in den USA. "Sich dort zu präsentieren und einen Namen zu machen, ist aber unheimlich schwer", erklärt der 25 Jahre alte Ukrainer in einem Interview mit Premiere World und stöhnt: "Der Markt ist riesengroß, die Konkurrenz ist groß."
Deshalb weiß der WBO-Weltmeister: Je mehr Präsenz mit Siegen im US-Fernsehen, desto schneller der Aufstieg zum Gipfel der Giganten. Darum will Promoter und Manager Klaus-Peter Kohl seinen Vorzeige-Athleten im Herbst erneut in den USA gegen Lance Whitaker kämpfen lassen. Lewis und Tyson kriege er nur vor die Fäuste, räumt der promovierte Sportwissenschaftler, Musikliebhaber und Bücherwurm Klitschko ein, wenn sein Name in den USA eine "Hausnummer" ist. Erst dann sei "eine dementsprechend hohe Börse zu verteilen" und mithin das Interesse der Platzhirsche geweckt.
Seit Wochen bereitet sich der Zwei-Meter-Recke in Las Vegas auf das Duell vor, das im US-Pay-TV-Kanal HBO live gezeigt wird, und trotzt dabei der Mittagsglut von 40 Grad Celsius. Dabei bleibt ihm aber noch genug Muße, über Land und Leute zu staunen. "Amerika ist eine verrückte Welt. Las Vegas, New York - das ist wie auf dem Mars." Wladimirs fünf Jahre älterer Bruder Witali, der wegen einer Knieoperation zwar ein halbes Jahr pausieren muss, aber dem "kleinen Wowa" wie gewohnt nicht von der Seite weicht, haut in die gleiche Kerbe. Amerika sei "vor allem Maximalismus", betont der Europameister. "Extrem stark sein, extrem groß sein, extrem luxuriös. Amerikaner stehen auf extreme Sachen und auf Dollar." Auf Letzteres stehen die Klitschkos zweifellos auch.
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