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London/Köln
Klopp hat Mitleid mit Mourinho

Fotos: Klopp packt gegen Mourinhos Chelsea sein breites Grinsen aus
Fotos: Klopp packt gegen Mourinhos Chelsea sein breites Grinsen aus FOTO: ap
London/Köln. Als aus Lautsprecher Jose Mourinho plötzlich "The Silent One" (der Leise) geworden war, verspürte sogar Jürgen Klopp Mitleid. "Natürlich fühle ich mit Jose. Letztes Jahr in Dortmund hatte ich eine ganz ähnliche Situation", sagte Klopp nach dem 3:1 seines FC Liverpool beim FC Chelsea. Denn während Hoffnungsträger Klopp endlich seinen ersten Sieg auf der Insel feiern durfte, steht der streitbare Portugiese vor dem Aus.

"Mou am Ende? Erst war es eine Seifenoper, dann eine Pantomime, jetzt wird es ein Zirkus", schrieb die Tageszeitung Sun über Mourinhos wieder mal seltsames TV-Interview nach der sechsten Niederlage im elften Ligaspiel. Die ersten vier Fragen beantwortete der 52-Jährige allesamt mit "Ich habe nichts zu sagen", vier weitere mit einem schlichten "Nein". Dann ging er.

Wahrscheinlich ahnte Mourinho da schon, dass es langsam eng wird für ihn. Das Heimspiel gegen Klopps Liverpool war zum "Schicksalsspiel" erkoren worden, nach der verdienten Pleite und angesichts des 15. Tabellenplatzes stehen die Zeichen beim Noch-Meister auf Trennung. Portugiesische Medien spekulierten bereits, Mourinho werde schon am Mittwoch im Champions-League-Spiel gegen Dynamo Kiew nicht mehr auf der Bank sitzen. Andere Quellen berichten davon, genau dieses Spiel in der Königsklasse und ein weiteres in der Liga würde man ihm noch zugestehen. Zumindest die Fans an der Stamford Bridge halten weiter zu Mourinho, immer wieder sangen sie seinen Namen. Die entscheidende Frage ist aber, ob auch Klubchef Roman Abramowitsch so viel Geduld aufbringt. Nicht nur Klopp weiß, wie wichtig Rückhalt im Verein ist. "Bei mir war damals das Gute, dass niemand Zweifel an mir hatte. Niemand", sagte er.

Fotos: Mourinho kassiert Pleite im Trainerduell mit Klopp FOTO: afp, JT/JR

Bei Chelsea sieht das anders aus. "Die Mannschaft ist zu Tode gelangweilt von der taktischen Zwangsjacke", schrieb die Daily Mail. Mourinho, der erst im August einen neuen Vier-Jahres-Vertrag unterschrieben hatte, habe "Probleme" im Verhältnis zu seinen Schlüsselspielern.

Klopp konnte das alles egal sein. Nach dem Siegtor durch Christian Benteke (83.) gab es für "The Normal One" kein Halten mehr. "Mehr geht für heute nicht", sagte Klopp, der sogar auf eine Titelchance der Reds angesprochen wurde. Klopp lächelte: "Sind Sie verrückt? Glauben Sie, dass wir uns damit beschäftigen?"

Mourinho fand doch noch seine Stimme wieder - und polterte wie gewohnt gegen die Schiedsrichter. "Es waren zwei Minuten Nachspielzeit angezeigt, der Ausgleich fällt nach 2:35 Minuten. Was nach der Pause passierte, ist die Folge davon", sagte er. An ihm, davon ist er zumindest überzeugt, kann die Niederlage nicht gelegen haben.

(sid)
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