Außenseiter verweist Johan Museeuw auf Rang zwei: Knaven gewinnt Paris-Roubaix
zuletzt aktualisiert: 15.04.2001 - 20:40Roubaix (rpo). Ein Außenseiter hat die 99. Auflage des Frühjahrs-Radklassikers Paris-Roubaix nach 254,5 Kilometern gewonnen: Servais Knaven aus Holland setzte sich in der "Hölle des Nordens" gegen den Vorjahressieger Johan Museeuw aus Belgien durch.
Ein kaputter Schuh hat Einzelkämpfer Steffen Wesemann um seine Siegchance gebracht. Trotz des Handicaps fuhr der Telekom-Profi ein großartiges Rennen, musste sich jedoch mit Rang sieben begnügen und den Sieg beim ältesten Rad-Klassiker der Welt dem Außenseiter Knaven vom belgischen Rennstall Domo-Farm Frites überlassen.
Der niederländische Meister von 1995 entschied das dritte Weltcup-Rennen des Jahres nach 6:38:40 Stunden im Alleingang für sich, nachdem er sich dank Unterstützung seiner Teamkollegen Johan Museeuw, Wilfried Peeters (beide Belgien) und Romans Vainsteins (Lettland) sechs Kilometer vor dem Ziel hatte absetzen können.
Zweiter bei der Tortur über die Kopfsteinpflaster-Straßen durch Frankreichs "Hölle des Nordens" wurde mit 30 Sekunden Rückstand Vorjahressieger Museeuw vor Weltmeister Vainsteins, der damit die Führung in der Weltcup-Gesamtwertung übernahm. Knaven hat wie Flandern-Sieger Gianluca Bortolami (Italien) und Telekom-Kapitän Erik Zabel (Unna) 100 Punkte auf dem Konto.
Wie schon bei der Flandern-Rundfahrt war Zabel wieder vom Pech verfolgt. Der Sieger von Mailand-San Remo blieb diesmal zwar von Stürzen verschont, musste jedoch gleich dreimal das Hinterrad wechseln. Zwei Reifen erhielt der letztjährige Weltcup-Gesamtsieger von seinen Helfern Andreas Klier (München) und Jan Schaffrath (Berlin), die anschließend lange auf eigenen Ersatz warten mussten und weit abgeschlagen vorzeitig ausstiegen.
Ebenfalls etwa zur Halbzeit des Rennens gaben auch Danilo Hondo (Cottbus) und Telekom-Neuling Robert Bartko (Berlin) auf. "Es war ein unglaubliches Gefühl, dieses Rennen erstmals zu fahren. Ich habe aber gemerkt, dass ich auf dem Kopfsteinpflaster nicht durchhalte und bin deshalb abgestiegen", sagte der zweifache Bahn-Olympiasieger von Sydney.
Die erste Atttacke des Tages war schon kurz nach der Abfahrt der 190 Radprofis um 11.00 Uhr bei strömendem Regen und Temperaturen um zehn Grad Celsius in Compiegne gestartet worden, als der Berliner Jens Voigt vom französischen Rennstall Credit Agricole mit drei Konkurrenten sein Glück versuchte. Die Flüchtlinge wurden von einer zunächst zehnköpfigen Verfolgergruppe gejagt und schließlich gestellt.
Bei der 2.400 Meter langen Plackerei durch den Arenberg-Forst, einer von insgesamt 24 Kopfsteinpflaster-Passagen (47,3 km), wurden die Karten neu verteilt. Die Spitzengruppe fiel 86 Kilometer vor dem Ziel auseinander, baute dabei den Vorsprung auf das Peloton jedoch auf 3:10 Minuten aus.
Während der Franzose Philippe Gaumont nach einem schweren Sturz mit einem Oberschenkelbruch ausschied, wagte Wilfried Peeters die Flucht nach vorn und startete eine 70 Kilometer lange Solofahrt. Der Belgier setzte sich um mehr als eine Minute von den nächsten Verfolgern ab, zu denen Wesemann und Voigt den Kontakt verloren hatten. Im Gegensatz zu Voigt schaffte Wesemann später trotz eines Raddefektes die Rückkehr in vorderste Linie. Peeters schloss erst 13 Kilometer vor dem Ziel wieder auf.
Die Telekom-Stars waren am Sonntag schon in den frühen Morgenstunden geweckt worden. Insgesamt wurden zu diesem Zeitpunkt bei 42 Fahrern aus sieben Rennställen Blutkontrollen vorgenommen. Sämtliche Dopingproben waren in Ordnung.
Das vierte von insgesamt zehn Weltcup-Rennen der Saison findet bereits am kommenden Wochenende statt. Am nächsten Sonntag steht die 87. Auflage des Klassikers Lüttich-Bastogne-Lüttich auf dem Programm.
Radsport, 99. Frühjahrs-Klassiker Paris-Roubaix über 254,5 km, drittes von zehn Weltcuprennen:
1. Servais Knaven (Niederlande) 6:38:40 Stunden, 2. Johan Museeuw (Belgien) 0:30 Minuten zurücl, 3. Romans Vainsteins (Lettland), 4. George Hincapie (USA), 5. Wlifried Peeters, 6. Ludo Dierckxens (beide Belgien), 7. Steffen Wesemann (CH-Küttigen/Telekom) alle gleiche Zeit, 8. Andrej Tschmil 1:30, 9. Chris Peers (beide Belgien), 10. Rolf Sörensen (Dänemark) beide gleiche Zeit
47. Grand Prix Primavera über 184,8 km mit Start und Ziel in Amorebieta/Spanien: 1. Igor Astarloa (Spanien) 4:14:20 Stunden (43,77 km/h), 2. Eddy Mazzoleni, 3. Gianni Faresin (beide Italien), 4. Daniel Clavero, 5. Bingen Fernandez, 6. Txema del Olmo, 7. Abraham Olano, 8. Francisco Mancebo (alle Spanien), 9. Udo Bölts (Heltersberg/Telekom), 10. Peter Luttenberger (Österreich) alle gleiche Zeit
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