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Hamburg: Auch Hrbaty musste sich in Runde eins beugen: Kohlmann schaltet Haas aus

zuletzt aktualisiert: 16.05.2000 - 21:27

Hamburg (sid/dpa/rpo). "Sonnyboy" Thomas Haas hat im Hamburger Glutofen kein Feuer entfacht und ist nach einer lustlosen Vorstellung schon im Auftaktmatch an Michael Kohlmann (links) gescheitert. Saft- und kraftlos wirkte der 22-jährige Lokalmatador bei der 6:7 (6:8), 4:6-Schlappe gegen seinen Hagener Daviscup-Kollegen, der bei seinem zweiten Auftritt am Rothenbaum erstmals die zweite Runde erreichte.

Sein Gegner wird am Mittwoch kein Geringerer als Titelverteidiger Marcelo Rios aus Chile sein. Wie von allen guten Geistern verlassen spielte Haas (Foto unten links) schwach und ohne erkennbaren Einsatz. 13.000 Zuschauer verfolgten die 6:7 (6:8), 4:6-Pleite des 22-Jährigen mit ungläubigem Staunen.

Trotz aller Weltstars hat das Turnier damit bereits früh eine seiner größten Attraktionen verloren. Haas setzte seine sportliche Krise mit dem zweiten Erstrunden-Aus in Folge und der insgesamt vierten Niederlage in einem Auftaktmatch fort. "Ich glaube, ich habe hier mit mein bestes Tennis bei einem großen Turnier gespielt. Schon im ersten Satz habe ich gemerkt, dass ich die Begegnung heute nach Hause bringen kann, das ist schon ein tolles Ding", meinte Michael Kohlmann nach seiner guten Vorstellung. Dagegen war Haas sichtlich frustriert: "Gerade meine Vorhand, sonst ein Winner-Schlag, kam heute überhaupt nicht. Die erste Runde bei einem großen Turnier zu überstehen, ist zudem immer besonders schwierig."

Dass Hamburg sein Lieblingsturnier ist, erschloss sich den 13 000 Zuschauern kaum. Auf der anderen Seite machte Kohlmann in den entscheidenden Situationen weniger Fehler. Als sich an dem Kräfteverhältnis auch im Tie-Break des ersten Satzes nichts änderte, schwenkten sogar die Zuschauer auf die Seite des vermeintlichen Außenseiters über - für Haas neben der Niederlage eine weitere bittere Pille.

Nach Andre Agassi und Nicolas Kiefer, die erst gar nicht in die Hansestadt kamen, ging dem Masters Turnier bereits die dritte "Zugnummer" verloren. Vier Tage nach seiner Hamburg-Absage meldete sich Kiefer zu Wort. Die nationale Nummer eins wies Schilderungen zurück, er habe die deutsche Nationalmannschaft brüskiert, weil er statt beim World Team Cup in der kommenden Woche das Turnier in St. Pölten spielen wolle. Kiefer habe Rainer Schüttler, der für ihn in diesem Jahr im Daviscup spielt, den Platz in Düsseldorf nicht wegnehmen wollen, hieß es. Auch Agassi meldete sich. In einem Fax an Turnierdirektor Günter Sanders schrieb er, sich ganz auf die Grand Slams, Olympia und den Daviscup konzentrieren zu wollen. "Wir nehmen die Begründung zur Kenntnis", sagte Sanders, der trotz ausverkauften Hauses nach Haas' Ausscheiden genervt war.

Die Tennis-Asse Pete Sampras, Marcelo Rios und Lleyton Hewitt bestätigten auf dem heißen Sand am Rothenbaum dagegen die Vorschusslorbeeren. Während die umschwärmten "Aussies" Patrick Rafter und Mark Philippoussis genauso wie die früheren French-Open-Gewinner Jewgeni Kafelnikow und Carlos Moya nur eine schweißtreibende Kurzschicht boten, zogen der US-Star und der chilenische Titelverteidiger Rios mit souveränen Zwei-Satz-Siegen in die zweite Runde ein

Der ehemalige Weltranglisten-Erste Rafter, der auf dem von ihm ungeliebten Sand gleich sein Auftaktmatch gegen den Südafrikaner Wayne Ferreira (Foto rechts) mit 4:6, 5:7 verlor, beendete 1999 im Achtelfinale von Wimbledon mit einem glatten Dreisatzsieg Beckers grandiose Laufbahn. Anschließend Australiens Teeniestar Lleyton Hewitt (Foto unten rechts) in einem packenden Match seinen Landsmann Mark Philippoussis 6:4, 7:6 (8:6). Gegen den erst 19 Jahre alten Hewitt hatte Becker in der dritten Runde von Wimbledon 1999 sein unwiderruflich letztes Match gewonnen.

Gegen Pete Sampras hatte Becker oft große Spiele bestritten, vor allem im Finale der ATP-WM 1996, das als eines der besten Spiele der Tennisgeschichte gilt. Der US-Superstar trat erstmals seit 1995 wieder in Hamburg an und hatte es zum Auftakt mit seinem Landsmann Chris Woodruff zu tun. Anschließend sahen die rund 13.000 Besucher das erste Match von Tommy Haas gegen seinen Daviscup-Kollegen Michael Kohlmann aus Hagen. Becker ließ den Hamburger Lokalmatador dabei wieder mal allein, obwohl er ihn bei wichtigen Turnieren eigentlich mit Rat und Tat unterstützen wollte.

Hewitt hat als Gegner bei Beckers letztem Sieg seinen Platz in der deutschen Sportgeschichte. Nur weiß der Australier das nicht, und es wird ihn auch nicht interessieren. Der langhaarige Blondschopf ist der Vertreter einen neuen, wilden Tennisgeneration ohne großen Respekt vor den Leistungen der Alten. In seiner Heimat wurde der Hobby-Surfer wegen seines ungehobelten Benehmens kürzlich zum "unbeliebtesten Sportler der Welt" gewählt. Dennoch muss er als Glücksfall für den typenarmen Profizirkus gelten - ein wilder Unsympath mit Rüpel-Attitüde vermarktet sich besser als stromlinienförmige Langweiler.

Im prestigeträchtigen Duell mit seinem ebenfalls nicht gerade pflegeleichtem Landsmann Philippoussis bestätigte der ehemalige Aussie-Rules-Footballspieler seine aktuell gute Form. Drei Turniersiege hat der an zehn gesetzte Hewitt in dieser Saison bereits zu Buche stehen. Hewitt kam besser mit den Verhältnissen in der Hansestadt zurecht als der reine Angriffsspieler Philippoussis, dessen Möglichkeiten auf der roten Asche nicht ausreichen. Er spielte die besseren Winkel und hatte bei langen Ballwechseln meist das erfolgreiche Ende für sich.

Der an elf gesetzte Rafter nahm sein zweites Erstrunden-Aus in der europäischen Sandplatzsaison nach dem Scheitern in Rom gelassen hin. "Ich freue mich auf die Hartplatz- und Rasensaison", sagte der 27-Jährige: "Ich will eigentlich nur Spaß haben." Noch leidet er an den Nachwirkungen einer Schulterverletzung, die ihn Ende letzten Jahres zu einer monatelangen Pause zwang. "Ich brauche jetzt wieder Matchpraxis und hoffe, dass ich dann wieder einen erfolgreichen Lauf bekomme", meinte der zweimalige US-Open-Champion.

Überraschender war das frühe Scheitern von Jewgeny Kafelnikow (Russland), Nicolas Lapentti (Ekuador) und Dominik Hrbaty. Der an zwei gesetzte Kafelnikow gab einmal mehr lustlos die Partie gegen Sjeng Schalken (Niederlande) mit 4:6, 3:6 ab. Lapentti (Nr. 6) unterlag dem Schweizer Marc Rosset 6:7 (4:7), 3:6. Hrbaty, am Rothenbaum an 14 notiert, scheiterte an dem dreimaligen Hamburg-Sieger Andrej Medwedew mit 4:6, 6:7 (7:9).

Quelle: RPO Archiv

 
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