IBF-Prozess: Kronzeuge: Schulz hatte Foreman ausgepunktet
zuletzt aktualisiert: 27.04.2000 - 18:56Newark (dpa). Fünf Jahre nach dem umstrittenen Urteil im Weltmeisterschaftskampf zwischen den Schwergewichtlern Axel Schulz (Frankfurt/Oder, Foto) und Titelverteidiger George Foreman (USA) hat ein hochrangiger Funktionär der internationalen Boxing-Federation (IBF) erstmals eingestanden, dass der Deutsche den Kampf eigentlich gewonnen hatte. "Für mich war es eine Fehlentscheidung", sagte Douglas Beavers am Mittwoch (Ortszeit) vor dem Bezirksgericht in Newark (New Jersey).
Der ehemalige IBF-Funktionär habe dem US-Gericht gesagt, dass Foreman vom Deutschen ausgepunktet wurde. Beavers machte die Aussagen im Zusammenhang mit seiner Anhörung zu den kriminellen Machenschaften des angeklagten IBF-Präsidenten Robert W. Lee. Dieser hatte Beavers nach dem umstrittenen Fight am 22. April 1995 in Las Vegas aufgefordert, von Schulz' US-Promoter Cedric Kuschner für einen Rückkampf des Deutschen gegen Foreman 100 000 Dollar Handgeld zu verlangen. Kuschner, der im Auftrag von Manager Wilfried Sauerland handelte, hatte gegen das umstrittene Urteil Protest bei der IBF eingelegt. Im Juni 1995 zahlte Kuschner die geforderten Dollar an den IBF-Präsidenten. Der Rückkampf kam aber nicht zu Stande, weil Foreman seinen Titel freiwillig abgab.
Beavers gilt als Kronzeuge im Prozess gegen die IBF. Er hatte der US-Bundespolizei FBI als Spitzel bei deren Untersuchungen gegen den unter Korruptions- und Manipulationsverdacht stehenden Box- Weltverband gedient. Mit seiner Hilfe konnte das FBI seit 1997 zwei Jahre lang die kriminellen Machenschaften hautnah verfolgen und spektakuläre Beweismaterialien zusammentragen. Als Vorsitzender der IBF-Ranglisten-Kommission war Beavers in das Innenleben seiner Organisation bestens eingeweiht. Das FBI hatte ihm für seine Zusammenarbeit Immunität zugesichert.
Neben Präsident Lee wird Robert Lee jr., Donald Brennan und IBF- Commissioner Francisco Fernandez (Kolumbien) in einer 39-Punkte umfassenden Anklage vorgeworfen, seit 1983 Ranglistenplätze manipuliert, Kampfurteile durch Bestechungsgelder beeinflusst, Steuergelder hinterzogen und Geld gewaschen zu haben. Insgesamt sollen 338 000 Dollar als Schmiergelder geflossen sein. Mit den ersten Urteilen in dem seit drei Wochen laufenden Prozess wird in drei Monaten gerechnet. Bei einer Verurteilung drohen den Angeklagten bis zu 20 Jahre Gefängnis und Geldstrafen bis zu 500 000 Dollar.
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