Deutsche Tennis-Profis in Paris nur Außenseiter: Kuerten und Ferrero sind Favoriten
zuletzt aktualisiert: 27.05.2001 - 17:30Paris (rpo). 17 deutsche Tennis-Profis träumen ab Montag auf dem roten Sand von Roland Garros den großen Traum, doch nach den Titeln bei den French Open werden voraussichtlich wieder andere greifen.
"Gustavo Kuerten und Juan Carlos Ferrero sind auf Sand in diesem Jahr bisher mit Abstand die Besten. Man müsste dumm sein, wenn man dies nicht zugibt", sagte Australian-Open-Sieger Andre Agassi vor dem Beginn des zweiten Grand-Slam-Turniers, bei dem ab Montag zehn Millionen Dollar Preisgeld ausgeschüttet werden.
Nicolas Kiefer gab sich tags zuvor in Paris dennoch ausgesprochen entspannt: "Hier fühle ich mich als halber Franzose immer wohl", sagte der Sohn einer französischen Mutter: "Außerdem habe ich auf Sand noch nie so viele Matches gewonnen wie in diesem Jahr." Nur eine gewisse Müdigkeit nach sieben Turnier-Wochen in Folge macht dem 23- Jährigen etwas zu schaffen, der zumindest bis Wimbledon vom Niederländer Thomas Dappers betreut wird. Kiefer muss am Dienstag ausgerechnet gegen den Spanier Juan Balcells auf den Platz, dem er jüngst beim World Team Cup glatt unterlegen war. Thomas Haas tritt ebenfalls am Dienstag gegen den Franzosen Jerome Golmard an.
Gustavo Kuerten beginnt die Titelverteidigung schon am Montag gegen den Argentinier Guillermo Coria. Agassi, im Jahr zuvor erfolgreich, muss gegen den Schweden Thomas Johansson am Dienstag auf den Platz. Agassi äußerte sich gegenüber der Sportzeitung "L'Equipe" auch über seine Beziehung zu Steffi Graf: "Mit jemandem wie ihr zusammen zu sein, bedeutet für mich nicht, mit einer Berühmtheit zusammen zu sein. Was ich in dieser Person sehe, ist ihr Geist, ihre Seele, ihre inneren Kämpfe, die Siege und die Niederlagen ihres Lebens - nicht die Tatsache, dass sie selbst ein Star ist. Daran denke ich überhaupt nicht."
Die "Gräfin" hatte sich vor zwei Jahren mit dem denkwürdigen Sieg über Martina Hingis aus Paris verabschiedet. Die Weltranglisten-Erste aus der Schweiz jagt hier ebenso ihrem ersten Triumph nach wie der mittlerweile 30-jährige Pete Sampras, mit 13 Grand-Slam-Titeln Rekordhalter bei den Herren.
Für Anke Huber scheint ein Finale in Paris kaum realistisch, doch die deutsche Nummer eins scheint nach ihrer erneuten Zwangspause auf dem Weg der Besserung. Die 26-jährige Karlsdorferin verpasste beim kleinen Vorbereitungsturnier in Straßburg ihren 13. Turnier-Sieg erst im Endspiel mit 5:7, 6:0, 4:6 gegen Silvia Farina Elia aus Italien. Erste Gegnerin in Paris ist am Montag Sonya Jeyaseelan (Kanada).
Davenport sagt French Open ab
Die Amerikanerin Lindsay Davenport hat ihre Teilnahme an den am Montag beginnenden French Open in Paris abgesagt. Die Weltranglisten-Dritte, die in der ersten Runde gegen Jana Kandarr (München) antreten sollte, laboriert immer noch an den Folgen einer Knieverletzung, die sie sich Ende März beim WTA-Turnier in Miami zugezogen hatte.
"Alles ging gut bis heute morgen. Ich habe wie in den letzten Tagen hart trainiert, plötzlich kamen die Schmerzen im Knie zurück", erklärte Davenport am Sonntag: "Ich dachte, ich kann spielen. Leider ist das nicht der Fall. Ich habe mich entschieden, dem Rat der Ärzte zu folgen und werde mich nach meiner Rückkehr in die USA erneut untersuchen lassen. Hoffentlich werde ich bis Wimbledon wieder fit." Kandarr trifft nun auf die französische Geheimfavoritin Amelie Mauresmo, die in diesem Jahr bereits vier Turniere gewinnen konnte, darunter auch das in Berlin.
Davenport ist bereits der vierte prominente Ausfall für die French Open. Vor der Wimbledonsiegerin von 1999 hatten bereits die französische Titelverteidigerin Mary Pierce, die dreimalige Paris-Siegerin Monica Seles (USA) und die Russin Anna Kurnikowa verletzungsbedingt abgesagt.
Andrea Glass trifft auf Lisa Raymond (beide USA). Als siebte deutsche Dame hatte Greta Arn noch über die Qualifikation den Sprung ins Hauptfeld geschafft, sie bekam die dreimalige Paris- Siegerin Arantxa Sanchez-Vicario aus Spanien zugelost. Titelverteidigerin Mary Pierce (Frankreich) fehlt wegen Verletzung ebenso wie die dreimalige Gewinnerin Monica Seles (USA) und Publikumsliebling Anna Kurnikowa (Russland).
Den deutschen Anfang bei den Herren machen am Montag Alexander Popp gegen den 89er-Sieger Michael Chang aus den USA und Tomas Behrend gegen den an Nummer 11 gesetzten Briten Tim Henman. Behrend hatte sich ebenso in der Qualifikation durchgebissen wie der frühere Daviscup-Spieler Marc-Kevin Goellner, der auf die französische «Gummiwand» Fabrice Santoro trifft. Damit sind zehn deutschen Herren im 128-köpfigen Hauptfeld vertreten.
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