Moskau: Lambiel ist Eiskunstlauf-Weltmeister
zuletzt aktualisiert: 17.03.2005 - 21:09Moskau (rpo). Der Schweizer Stephane Lambiel ist in Moskau neuer Weltmeister im Eiskunstlauf geworden. Der 19-Jährige siegte mit der Weltrekordpunktzahl von 262,46 Zählern vor dem Kanadier Jeffrey Buttle (245,59) und Evan Lysacek aus den USA (242,98). Titelverteidiger Jewgeni Pluschenko aus Russland hatte am Morgen wegen starker Leistenbeschwerden verletzungsbedingt aufgeben müssen.
Vor 10.000 Zuschauern im erstmals fast ausverkauften Luschniki-Sportpalast erwies sich der Eidgenosse trotz dreier Fehler als nervenstark und punktete insbesondere mit seinen unnachahmlichen Pirouetten. Dagegen verlor sein vermeintlich schärfster Konkurrent, der letztjährige Europameister Brian Joubert, die Nerven und ging leer aus. Lambiel, Spitzname "Kleiner Prinz" lief zu der Filmmusik "König Arthur" und überzeugte damit die Preisrichter.
Nach seinem desaströsen Kurzprogramm betrieb der ehemalige Junioren-Weltmeister Stefan Lindemann aus Erfurt erfolgreich Schadensbegrenzung und kämpfte sich trotz eines Sturzes beim dreifachen Flip und eines aufgerissenen Axel mit 213,54 Punkten noch vom 18. auf den zwölften Platz vor. Damit sicherte sich der Unteroffizier der Bundeswehr endgültig seine olympische Startberechtigung.
"Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich aus diesem Loch herauskomme", sagte der Thüringer, der für den olympischen Winter auf jeden Fall ein neues Kurzprogramm und wahrscheinlich auch eine neue Kür einstudieren will. Daher habe er auch Druck verspürt: "Es war nicht leicht, gedankenfrei zu laufen."
Wechselbad der Gefühle
Im vorherigen Tagesverlauf war Gastgeber Russland durch ein Wechselbad der Gefühle gegangen. Wenige Stunden nach der Aufgabe von Pluschenko hatte das Publikum im Luschniki-Sportpalast wieder Grund zum Jubel. Mit dem besten Originaltanz des Nachmittags bauten die Vorjahressieger Tatjana Nawka und Roman Kostomarow mit 114,64 Punkten ihren Vorsprung in der Eistanz-Konkurrenz weiter aus.
Doch zuvor hatte die Absage Pluschenkos im ohnehin eiskalten Moskau die Stimmung bei der Eiskunstlauf-Großmacht Russland auf den Nullpunkt sinken lassen. Nach dem morgendlichen Abschlusstraining hatte der dreimalige Weltmeister ein Einsehen mit seinem geschundenen Körper und bat seinen Trainer Alexej Mischin, den Rückzug offiziell bekannt zu geben. Seit Wochen anhaltende Leistenbeschwerden hatten den Olympia-Zweiten von Salt Lake City förmlich zermürbt.
"Ich bin sehr traurig, aber die Schmerzen waren zu groß, und die Gegner zu stark. Es ist die beste Entscheidung, diese Sache jetzt auszukurieren. In der olympischen Saison greife ich wieder voll an", sagte der 22-Jährige bei Eurosport. Sein Manager Ari Zakarian ergänzte: "Jewgeni muss an Olympia denken, mit einer solchen Verletzung ist nicht zu spaßen."
In Lauerstellung hinter Nawka/Kostomarow dürfen sich aber auch die US-Meister Tanith Belbin und Benjamin Agosto (109,72) Titelhoffnungen machen, Jelena Gruschina und Ruslan Gonscharow aus der Ukraine (104,47) sind aus dem Goldrennen. Die deutschen Meister Christina und William Beier (68,90) behaupteten immerhin ihren 21. Platz, als 26. verpassten Judith Haunstetter und Arne Hönlein (Augsburg/München) mit 55,91 Zählern erwartungsgemäß das Kürfinale am Freitag (17.00 Uhr). Die Welttitelkämpfe werden am Freitag (13. 30 Uhr) mit dem Kurzprogramm der Damen fortgesetzt.
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