Viererbob-Wettbewerbe am Freitag und Samstag: Langen fährt mit Notbesetzung um Gold
zuletzt aktualisiert: 20.02.2002 - 08:14Park City (rpo). Christoph Langen geht mit einer Notbesatzung und Schmerzen in den am Freitag beginnenenden Wettbewerb im Viererbob.
Langens zweite "Operation Gold" steht damit unter keinem guten Stern. Fünf Tage nach dem Olympiasieg im Zweier kämpft der 39 Jahre alte Bob-Pilot aus unter schweren Bedingungen um die Vierer-Krone - es wäre seine insgesamt dritte Goldmedaille bei Olympischen Spielen.
Nach dem Ausfall des schon abgereisten Anschiebers Marco Jakobs hat sich Langen für die Vierer-Entscheidung am Freitag und Samstag (je 15.30 OZ/23.30 MEZ) in Park City den bulligen Franz Sagmeister aus dem Schlitten von Rene Spies ausgeliehen. Obendrein musste der Favorit von Dr. Walter Hubmann wegen seiner lädierten Plantarsehne unter der Fußsohle erneut mit Spritzen behandelt werden.
Im ersten Training belegte Langen in beiden Läufen jeweils den dritten Rang. Der Deutsche blieb 0,14 und 0,04 Sekunden hinter dem überragenden Franzosen Bruno Mingeon (47,10+47,45 Sekunden) zurück. Todd Hays aus den USA (0,06+0,02) war in beiden Durchgängen der Zweitbeste. Ex-Weltmeister Andre Lange (Oberhof) kam nur auf die Plätze 13 und 7.
"Die Abstimmung kriegen wir schon hin", sagt Langen, der seiner Truppe vorab den Rücken stärkt: "Wenn im Rennen ein Patzer passiert, einer nicht mit reinkommt, dann kann ich ihm unter diesen Umständen keinen Vorwurf machen." Neben den insgesamt sechs Trainingsläufen werden Langen und Co. ein exaktes Videostudium durchführen.
Außer Sagmeister (BSC Winterberg) gehört noch "Nobody" Stefan Barucha vom SC Riesa zum Vierer, der 24-Jährige war erst kurz vor den Winterspielen ins Team gerutscht. Einziger Routinier ist somit Markus Zimmermann. Bundestrainer Raimund Bethge: "Diese Besetzung ist noch nie zusammen gefahren. Es bleibt nicht viel Zeit zum Probieren."
Zu den Zweier-Gewinnern von der SpVgg Unterhaching kommen zwei frische Kräfte: "Kahlkopf" Sagmeister bringt bei 1,91 Meter Länge rund 110 kg auf die Waage. Der 27 Jahre alte Olympia-Neuling kam mit Spies im Zweier auf Rang sechs, diese Platzierung schafften beide auch im Vorjahr bei der WM. Bremser Barucha, nur 90 kg schwer, gab seinen internationalen Einstand ebenfalls bei der WM in St. Moritz. Dort wurde er mit dem Altenberger Matthias Benesch im Vierer Sechster.
Dafür bringt Zimmermann, der Materialexperte im Langen-Team, jede Menge Erfahrung mit. Schon 1992 in Albertville war er hinter Rudi Lochner Olympiazweiter, 1994 verpasste er Bronze knapp, 1998 holte er mit Langen Bronze (Zweier) und Gold (Vierer). Zimmermann: "Ich habe mich bei der Zweier-Feier zurückgehalten, denn ich will auch im Vierer optimale Leistung bringen."
Langen ist auch ein Opfer der neuen Regelung, dass nur zehn Athleten pro Nation gemeldet werden dürfen. Diese Einschränkung wurde mit der Aufnahme des Damenbobs in das olympische Programm getroffen. Ideal wären pro Nation zwei Doppel-Starter, um so pro Pilot einen Reserve-Anschieber dabei zu können. Langen hegt aber keinen Groll: "Es haben sich bei uns ganz klar Spies im Zweier und Lange im Vierer qualifiziert. Daran gab es nichts zu deuteln."
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