Golf: Der Tiger ist heißer Favorit beim Masters in Augusta: Langer: Woods spielt in einer anderen Welt
zuletzt aktualisiert: 04.04.2000 - 10:48Augusta (sid). Nur der Pfarrer der First Baptist Church von Augusta glaubt nicht an Tiger Woods (Foto). "Jesus ist der wahre Master", steht auf der Anzeigetafel der Kirche an der berühmten Washington Road, in deren Schatten der Amerikaner ab Donnerstag beim 64. US Masters der Profigolfer als heiß gehandelter Favorit an den Start geht.
Woods flirtet bei seinem erklärten Lieblingsturnier mit dem Nimbus des Unbesiegbaren, das glaubt nicht nur Bernhard Langer: "Wenn man bedenkt, was Tiger in der jüngsten Vergangenheit geleistet hat, kann eigentlich nur er gewinnen. Der Mann spielt in einer anderen Welt." Für sich selbst sieht Langer kaum Siegchancen. "Ich kann nur gewinnen, wenn ich an meinem Limit spiele und die Favoriten patzen."
Unterschiedlicher könnten die Ausgangspositionen der beiden Ex-Champions vor der "Tigerjagd ohne Jäger" (Atlanta Journal) kaum sein. Der mit Leibwächter nach Augusta angereiste Woods düpierte die Weltspitze in den vergangenen zwölf Monaten mit acht PGA-Titeln und einem Rekord-Preisgeld von 28 Millionen Mark und spricht unverhohlen von seinem zweiten Masters-Titel nach 1997. "Wenn ich das Clubhaus an der Magnolia Lane betrete, überkommt mich ein Gefühl der Nostalgie. Hier wird Geschichte geschrieben, und ich möchte möglichst oft ein Teil davon sein."
Einer, der es wissen muss, gibt Woods in der "Kathedrale des Golfs" seinen Segen. "Speziell hier spielt er wie ein Besessener. Wenn Tiger sich auf lange Sicht weiter auf den Sport konzentriert, werden sämtliche Rekorde purzeln", sagt die lebende Golf-Legende Jack Nicklaus, dessen sechs Masters-Siege bis zum Beginn der Ära Woods als Marke für die Ewigkeit galten.
Kein Wunder also, dass Woods' Konkurrenz ihre Hoffnung an die legendären Unberechenbarkeiten des Augusta National Golf Clubs und die laut Langer "schwersten Grüns der Welt" knüpft. "Hier gewinnen selten die, die eigentlich gewinnen sollten", erinnert sich der Amerikaner David Duval mit einem Anflug von Melancholie an das vergangene Jahr, als er nach vier Turniersiegen in Folge ausgerechnet beim Masters strauchelte.
Andere hoffen schlicht auf einen Patzer des Topfavoriten. "Vielleicht kann ich dem Tiger nochmal die Krallen stutzen", scherzt dessen Landsmann Hal Sutton, der Woods bei der Players Championships das Nachsehen gab. Davis Love III glaubt, dass Woods "irgendwann aus dem Orbit zurückkehren muss". Selbst Titelverteidiger Jose Maria Olazabal (Spanien) rechnet sich trotz seiner Formkrise Chancen aus. "Ich brauche ein Wunder, und die werden mit schöner Regelmässigkeit in Augusta geschrieben."
Der zweimalige Masters-Gewinner Langer (1985 und 1993) wäre derweil schon mit einem respektvollen Abschneiden zufrieden. Seit dem Sieg beim Argentina Masters am 16. November 1997 wartet der Anhausener auf ein Erfolgserlebnis, tankte aber bei seinen letzten vier Turnieren mit dem Überstehen des Cuts neues Selbstvertrauen. Ob er noch einmal in das grüne Sakko schlüpfen darf, ist für Langer derzeit zweitrangig: "Ich bin gerade zum vierten Mal Vater geworden. Da tritt selbst das Masters in den Hintergrund."
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