Paarlauf-Skandal mit Nachspiel: Le Gougne und Gailhaguet gesperrt
zuletzt aktualisiert: 01.05.2002 - 13:07Lausanne (rpo). Der olympische Paarlauf-Skandal ist vorbei, doch nun droht dem Eiskunstlauf eine Schlammschlacht bislang unbekannten Ausmaßes. "Genug ist genug. Jetzt packe ich aus, ich habe ja nichts mehr zu verlieren", drohte die französische Preisrichterin Marie Reine Le Gougne nach ihrer Verurteilung durch das Council des Eislauf-Weltverbandes ISU in Lausanne.
Das Gremium beschloss, die Jurorin ebenso für drei Jahre zu sperren wie ihren Landsmann Didier Gailhaguet, Präsident des nationalen Verbands und pikanterweise bislang Mitglied des ISU-Councils.
Le Gougne wurde für schuldig befunden, bei der olympischen Paarlauf-Entscheidung von Salt Lake City auf Anweisung Gailhaguets die Russen Elena Bereschnaja und Anton Sicharulidse auf den ersten Platz gesetzt zu haben. Zudem habe sie, so das Council in seiner Urteilsbegründung weiter, nicht sofort gemeldet, bei der Notenvergabe unter Druck gestanden zu haben.
Für das Ausüben dieses Drucks wurde Gailhaguet verurteilt. Über ihre Sperre hinaus dürfen die beiden Beteiligten auch keinerlei offizielle Rollen bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin spielen. Der frühere Coach Gailhaguet bestätigte nach der Anhörung im "Hotel de la Paix" am Ufer des Genfer Sees, dass man ein Verfahren for dem "Court of Arbitration for Sport" (CAS) in Lausanne beantragen werde.
Doch bis dahin dürften gemäß den Ankündigungen Le Gougnes zahlreiche weitere Details in der Öffentlichkeit lanciert werden. "Ich werde enthüllen, wie diktatorisch und korrupt die ISU ist. Ich bin verwundet und wütend darüber, dass man mich so durch den Schmutz gezogen und mir Ehre und Würde genommen hat", kündigte die Elsässerin in mehreren Interviews an. Schon in den vergangenen Monaten war Le Gougne mehrfach mit sich widersprechenden Äußerungen zitiert worden.
ISU-Präsident Ottavio Cinquanta gab sich ob dieser Drohungen betont gelassen: "Davor habe ich keine Angst. Ich bin mehr als sicher, dass wir richtig entschieden haben. Es war ein schwieriger Fall und sicherlich auch ein trauriger Moment. Aber wir wollten auch ein Signal an die Athleten senden, dass wir sie vor solchen Manipulationen schützen und schützen werden."
Die bei Olympia in Utah involvierten Läufer werden diese Fürsorge in Zukunft allerdings nicht mehr brauchen. Nur eine knappe Stunde nach der Entscheidung von Lausanne gaben die nachträglich zu Co-Olympiasiegern beförderten Kanadier Jamie Sale und David Pelletier ihren Rücktritt vom Wettkampfsport bekannt.
Die Nordamerikaner wollen mehr Zeit für ihr Privatleben haben und werden deshalb nur noch hin und wieder bei Schaulaufen und Eis-Shows die Schlittschuhe schnüren. "Dieser Beschluss hat nichts mit Salt Lake City und den Vorgängen dort zu tun", beteuerte Sale auf einer Pressekonferenz in Toronto. Die Entscheidungen von Lausanne wollten die Weltmeister von 2001 nicht kommentieren.
Bereschnaja und Sicharulidse haben bislang zwar nur eine Wettkampfpause für den nach-olympischen Winter angekündigt, ein ISU-Comeback der beiden St. Petersburger gilt allerdings als äußerst unwahrscheinlich. Sicharulidse schlug sich in einer ersten Reaktion auf die Seite der gesperrten Jurorin: "Ich glaube, dass sie von der ISU nicht fair behandelt worden ist."
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