Letztes Wettkampfwochenende vor Olymppia:: Leichtathletik-Stars für Sydney gerüstet
zuletzt aktualisiert: 04.09.2000 - 12:18Berlin/Bad Köstritz (dpa). Die Olympischen Spiele in Sydney haben den Leichtathleten 20 Tage vor Beginn ihrer Wettkämpfe noch einmal Beine gemacht.Tolle Sprints, der Kampf um den Jackpot der Golden League und spannende Duelle prägten das 59. Internationale Stadionfest (ISTAF) im Berliner Olympiastadion, wo drei Jahresweltbestleistungen durch die Weltmeister Maurice Greene (Foto) und Marion Jones (beide USA) über 100 m in fantastischen 9,86 und 10,78 Sekunden sowie durch das US- Sprintquartett (37,65) die Glanzpunkte waren. Beim sechsten Werfertag am Sonntag in Bad Köstritz sorgte Kugelstoß-Olympiasiegerin Astrid Kumbernuss mit 20,12 m für die beste Leistung.
Die Neubrandenburgerin beendete dabei den Wettkampf vorzeitig. «Nach dem 20-Meter-Stoß war die Luft raus. Zudem wollte ich bei der Kälte kein Risiko eingehen, denn das war mehr, als ich angesichts der Bedingungen erwartet hatte», meinte Kumbernuss. Dagegen haderte ihre Vereinskollegin Franka Dietzsch trotz ihres Sieges im Diskuswerfen mit 61,28 m mit sich selbst. «Da muss ich in den kommenden zwei Wochen noch mächtig ranklotzen, um in Australien um eine Medaille kämpfen zu können», schimpfte sie. Zum Auftakt hatte Weltmeister Karsten Kobs bei Dauerregen den Hammer auf 76,80 m hinausgeschleudert und sich damit gegen seinen Leverkusener Vereinskollegen Heinz Weis (74,89) durchgesetzt.
Bei den deutschen Mehrkampf-Meisterschaften in Wesel gewann in Abwesenheit der Olympia-Teilnehmerinnen Sabine Braun (Wattenscheid), Karin Specht (Fürth/München) und Astrid Retzke (Halle/Saale) Kathleen Gutjahr den Titel im Siebenkampf. Die 25-Jährige aus Neubrandenburg sammelte 6 079 Punkte und verwies die Mainzerin Mona Steigauf (5 726) sowie Sabine Krieger (Kamen) auf die Plätze.
Nur noch fünf statt sieben Siege
Greene war in Berlin der Star des Abends und zeigte sich wie andere Spitzenathleten für Sydney gerüstet. Er bot zuerst ein fulminantes Rennen über 100 m, gehörte zu den insgesamt fünf Jackpot- Knackern, die je 10 Kilo Gold (rund 200 000 Mark) erhielten, und war dann Schlussläufer der Staffel. «Ein großer Lauf», sagte Greene zu seinem Einzelrennen. «In Sydney laufen wir noch schneller», fügte er nach der Staffel hinzu. Sein Trainer John Smith geht sogar noch weiter: «In Sydney wollen wir für einen neuen Weltrekord bereit sein.» Marion Jones, die fünf Olympia-Goldmedaillen gewinnen will, stand im Einzelrennen trotz mäßigen Starts nicht nach. «Ich fühle mich richtig gut», sagte sie nach ihrem letzten Test vor Sydney.
Obwohl das Jackpot-Reglement wegen der Olympischen Spiele in Sydney für die Athleten vereinfacht wurde, nur fünf statt sieben Siege bei allen Meetings des «Grand Slams» notwendig waren, blieb die Spannung bis Berlin erhalten. Nur Hürdensprint-Weltmeisterin Gail Devers (USA) konnte ihre Ansprüche schon eine Woche zuvor in Brüssel geltend machen. Die Weltmeister und Weltrekordler Maurice Greene und Hicham El-Guerrouj (Marokko/1 500 m), Speerwurf-Weltrekordlerin Trine Hattestad (Norwegen) und Weitspringerin Tatjana Kotowa (Russland) buchten ihren Anteil erst beim ISTAF.
Ganz knapp ging es im Weitsprung zu, wo Heike Drechsler (Foto) mit der deutschen Jahresbestleistung von 6,95 m führte, ehe Tatjana Kotowa sie noch um einen Zentimeter übertraf. «Ich gönne ihr das Geld», sagte Heike Drechsler, die selbst schon einmal als Jackpot-Anwärterin im letzten Wettkampf in Berlin von Jackie Joyner-Kersee (USA) abgefangen wurde. Auf eine Weite mit einer Sieben vor dem Komma und einen großen Sieg muss sie damit weiter warten und hofft, beides in Sydney nachholen zu können.
Der vierfache Diskus-Weltmeister und Atlanta-Olympiasieger Lars Riedel (Chemnitz) hat nach seinem Triumph mit 69,72 m und zwei Zentimetern Vorsprung über den Jahresbesten Virgilius Alekna (Litauen), der sich dieses Jahr mit 73,88 m dem Weltrekord bis auf 20 Zentimeter näherte, wieder Oberwasser. «So ein Sieg zählt und ist gut für das Selbstvertrauen. Ich bin nahezu beschwerdefrei und kann noch weiter werfen», ist er für Sydney zuversichtlich. Am Sonntag in Bad Köstritz kam Riedel dann auf 65,31 m.
Für die Olympia-Premiere der Frauen im Hammerwerfen hat sich die Französin Manuela Montebrun empfohlen. Mit ihrem in Vittel erzielten Landesrekord von 71,18 m übertraf sie als Fünfte Athletin der Welt die 70-m-Marke.
Zwei Tage nach seinem Sieg in Berlin «spazierte» US-Superstar Michael Johnson beim Grand Prix II-Meeting am Sonntag in Rieti über seine 400-m-Hausstrecke. Bei seinem letzten Auftritt vor Sydney siegte er in 44,46 Sekunden. Namibias Sprintstar Frank Fredericks wurde bei seinem Comeback über 200 m nur Vierter (20,79 Sekunden). Der Weltmeister von 1993 war im Februar an der Achillessehne operiert worden. Für Sydney hat er von seinem Verband einen «Freischein» bekommen, seinen Traum vom Olympiasieg wird er sich wohl auch diesmal nicht erfüllen können.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum











