9,78 Sekunden beim Grand-Prix-Finale in Paris: Leichtathletik: Tim Montgomery läuft Weltrekord über 100 Meter
zuletzt aktualisiert: 14.09.2002 - 19:24Paris (rpo). In 9,78 Sekunden hat der Amerikaner Tim Montgomery beim Grand-Prix-Finale der Leichtathleten in Paris Weltrekord über 100 Meter aufgestellt.
Durch seinen sensationellen 100-m-Weltrekord hat Montgomery dem Marokkaner Hicham El Guerrouj noch den Gesamtsieg im Grand Prix der Leichtathleten entrissen und eine Viertelmillion Dollar kassiert. "Der Weltrekord war mein Karriere-Ziel. Aber im Ziel habe ich gar nicht gleich bemerkt, dass ich die Marke von Maurice Greene geknackt habe", meinte der Amerikaner, in dessen Sog der britische Europameister Dwaine Chambers bei gerade noch zulässigem Rückenwind von 2,0 m den neun Jahre alten Europarekord von Landsmann Linford Christie einstellte.
"Es war ein perfekter Tag", jubelte Montgomery, der fast ungläubig auf die Anzeigetafel starrte. "Zum Ende der Saison hätte ich niemals mit einer solchen Zeit gerechnet", sagte der Mann aus South Carolina. "Ich werde jetzt immer vorn mitmischen, aber den Weltrekord wird man mir sicher irgendwann wieder abjagen." Montgomery hatte mit 0,104 Sekunden eine unglaubliche Reaktionszeit - wäre er nur 5/1000 schneller gestartet, dürfte der Weltrekord nicht anerkannt werden.
"Rekorde sind da um gebrochen zu werden", meinte der entthronte Greene, der seine Bestmarke 1997 in Athen aufgestellt hatte. Damals war Montgomery im geschlagenen Feld. Schon drei Jahre früher war der heute 27-Jährige Montgomery sensationell in 9,94 gestoppt worden. Doch der Windmesser war falsch postiert, die Zeit wurde nicht als Junioren-Weltrekord anerkannt. Vor fünf Jahren lief Montgomery erstmals regulär unter zehn Sekunden (9,97) und steigerte sich im Vorjahr auf 9,96. In dieser Saison schaffte er mit 9,91 einen weiteren Qualitätssprung und hatte damit nur noch Greene vor der Nase, der die Weltrangliste in 9,89 anführte.
Montgomery holt auch Gesamt-Grandprix
Bei gleicher Zahl von 116 Punkten siegte Montgomery aufgrund seines Weltrekordes, der mit 100.000 Dollar Prämie zusätzlich belohnt wurde, im Gesamt-Grandprix. Auch in dieser Wertung gab es für ihn 100.000 Dollar und für den Disziplinsieg 50.000. Großer Verlierer war ausgerechnet am 28. Geburtstag Markkos viermaliger Weltmeister Hicham El Guerrouj, der gleichauf mit 116 Punkten als den 1500-m-Sieger in 3:29,27 Minuten den Kürzeren zog und insgesamt 110.000 Dollar einstrich. 150.000 kassierte Marion Jones, die sich durch ihre 10,88 Sekunden über 100 m Disziplin- und Gesamtsieg sicherte. Sie ist seit längerem Trainingspartnerin von Montgomery und auch mit diesem befreundet.
Die einzige, die den Jones-Sieg in der Gesamtwertung noch hätte gefährden können, eliminierte sich selbst: 100-m-Weltmeisterin Schannah Pintusewitsch (Ukraine) wurde nach dem zweiten Fehlstart disqualifiziert. "Merkwürdig. Ich verstehe auch nicht, wie ihr so was passieren konnte", meinte Jones.
Die drei Deutschen machten keine reiche Beute in Paris. Wie bei der EM wurde Tim Lobinger (LG Frankfurt/5,65 m) Dritter und kassierrte beim Sieg des Amerikaners Jeff Hartwig (5,75 m) 20.000 Dollar. Nur auf Rang sieben (6000) landete der Leverkusener Vize-Europameister Lars Börgeling. Seine Klubkameradin Steffi Nerius kassierte als Speerwurf-vierte 10.000 Dollar.
Leichtathletik, Grand-Prix-Finale in Paris (Stade Charlety, 8000 Zuschauer, Gesamtdotierung 2,8 Millionen Dollar):
Männer:
Gesamtwertung: 1. Tim Montgomery (USA), 2. Hicham El Guerrouj (Marokko), 3. Felix Sanchez (Dominikanische Republik) alle 116 Punkte, 4. Christian Olssen (Schweden) 102, 5. Jonathan Edwards (Großbritannien) 96, ... 9. Tim Lobinger (LG Frankfurt) 84
100 m (2,0 m Rückenwind/gerade noch zulässig): 1. Tim Montgomery (USA) 9,78 Sekunden (Weltrekord, bisher Maurice Greene 9, 79 seit 16. Juni 1999), 2. Dwaine Chamers (Großbritannien) 9,87 (Europarekord eingestellt/Linford Christie 1993 in Stuttgart), 3. Jon Drummond (USA) 9,97, 4. Kim Collins (St. Kitts) 9,98, 5. Francis Obikwelu (Portugal) 10,03, 6. Bernard Williams (USA) 10,05, 7. Abdul Aziz Zakari (Ghana) 10,20, 8. Coby Miller (USA) 10,21
400 m: 1. Michael Blackwood (Jamaika) 44,72 Sekunden, 2. Greg Haughton (Jamaika) 44,87, 3. Leonard Byrd (USA) 44,92, 5. Felix Sanchez (Domin. Reupublik) 45,25, 6. Alvin Harrison (USA) 45,54
1500 m: 1. Hicham El Guerrouj (Marokko) 3:29,27 Minuten, 2. Bernard Lagat (Kenia) 3:30,54, 3. Cornelius Chirchir (Kenia) 3:31, 51, 4. Robert Rono 3:32,70, 5. Laban Rotich (beide Kenia) 3:34,09, 6. Hachlaf Abdelkader (Marokko) 3:34,46
3000 m: 1. Abraham Chebi 8:33,42 Minuten, 2. Paul Bitok 8:34, 00, 3. Mark Bett 8:34,20, 4. Sammy Kipketer (alle Kenia) 8:34,42
400 m Hürden: 1. Felix Sanches (Dom. Republik) 47,62 Sekunden, 2. Stephane Diagana (Frankreich) 47,82, 3. James Carter (USA) 48, 12, 4. Joey Woody (USA) 48,24, 5. Hadi Souaan al-Somaily (Saudi Arabien) 48,30, 6. Eric Thomas (USA) 48,88, 7. Fabrizio Mori (Italien) 49,05
Hochsprung: 1. Stefan Holm (Schweden) 2,31 m, 2. Jaroslaw Rybakow (Russland) 2,28 m, 3. Abderrahmane Hammad (Algerien) 2,28
Stabhochsprung: 1. Jeff Hartwig (USA) 5,75 m, 2. Aleksander Awerbuch (Israel) 5,75 m, 3. Tim Lobinger (LG Frankfurt) 5,65 m, 4. Wassili Groschkow (Russland) 5,65 m, 5. Tim Mack (USA) 5,55 m, 6. Wiktor Tschistjakow (Australien) 5,55 m, 7. Lars Börgeling (Leverkusen) 5,40 m
Dreisprung: 1. Christian Olsson (Schweden) 17,48 m, 2. Jonathan Edwards (Großbritannien) 17,41 m, 3. Alexander Martinez (Kuba) 17, 09 m, 4. Jadel Gregorio (Brasilien) 17,01 m
Kugelstoßen: 1. Adam Nelson (USA) 21,34 m, 2. Juri Belonog (Ukraine) 20,74 m, 3. Milan Haborak (Slowakei) 20,40 m, 4. Kevin Toth (USA) 20,32 m, 5. Ville Tiisanoja (Finnland) 20,14 m
Hammerwerfen: 1. Koji Mirofushi (Japan) 81,14 m, 2. Adrian Annus 80,03 m, 3. Belazs Kiss 79,74 m, 4. Tibor Gecsek (alle Ungarn) 79,11 m, 5. Igor Astapkowitsch (Weißrussland) 78,40 m
Frauen:
Gesamtwertung: 1. Marion Jones (USA) 116 Punkte, 2. Gail Devers (USA) 111, 3. Ana Guevara (Mexiko) 108, 4. Osleydis Menendez (Kuba) 106, 5. Tatjana Schikolenko (Russland) 101, ... 17. Steffi Nerius (Leverkusen) 76
100 m (1,4 m Rückenwind): 1. Marion Jones (USA) 10,88 Sekunden, 2. Debbie Ferguson (Bahamas) 10,97, 3. Tayna Lawrence (Jamaika) 10, 99, 4. Chryste Gaines (USA) 11,09, 5. Muriel Hurtis (Frankreich) 11, 09, 6. Mercy Nku (Nigeria) 11,39
400 m: 1. Ana Guevara (Mexiko) 49,90 Sekunden, 2. Lorraine Fenton (Jamaika) 50,47, 3. Michelle Collins (USA) 51,44
1500 m: 1. Jelena Sadorschnaja (Russland) 4:00,63 Minuten, 2. Suzy Favor (USA) 4:01,08, 3. Geraldine Hendricken (Irland) 4:02,08, 4. Alesja Turowa (Weißrussland) 4:02,90, 5. Judit Varga (Ungarn) 4: 02,90, 6. Natalja Gorelowa (Russland) 4:04,13
3000 m: 1. Gabriela Szabo (Rumänien) 8:56,29 Minuten, 2. Tatjana Tomaschowa (Russland) 8:56,34, 3. Berhane Adere (Äthiopien) 8:56,60, 4. Edith Masai (Kenia) 8:57,29
100 m Hürden (0,1 m Rückenwind): Gail Devers (USA) 12,51 Sekunden, 2. Bridgette Foster (Jamaika) 12,62, 3. Anjanette Kirkland (USA) 12,62, 4. Glory Alozie (Spanien) 12,65, 5. Jenny Adams (USA) 12,88
Weitsprung: 1. Maurren Maggi (Brasilien) 7,02 m, 2. Tatjana Kotowa (Russland) 6,86 m, 3. Tunde Vaszi (Ungarn) 6,70 m, 4. Olga Rubljowa (Russland) 6,55 m
Diskus: 1. Natalja Sadowa (Russland) 65,79 m, 2. Wera Pispisilova (Tschechien) 64,10 m, 3. Ellina Zwerewa (Weißrussland) 63,28 m, 4. Kristin Kuehl (USA) 62,99 m
Speer: 1. Osleidys Menendez (Kuba) 65,69 m, 2. Mikaela Ingberg (Finnland) 62,34 m, 3. Tatjana Schikolenko (Russland) 62,25 m, 4. Steffi Nerius (Leverkusen) 62,01 m
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